Island-Film: „Von Menschen und Pferden“ Hart zu Tier und Nachbar

Von Kathrin Horster 

Island ist ein Traumland all jener, die das naturnahe, einsame Leben mögen. Dieser Spielfilm erzählt von Isländern in der Provinz und von ihren Tieren. Aber verträumt ist er eher nicht.

Sieht das ein wenig wild-romantisch aus, wie Rasierwasserwerbung alter Schule? Genau diese Romantik  zertöppert der Island-Film „Von Menschen und Pferden“. Foto: NFP
Sieht das ein wenig wild-romantisch aus, wie Rasierwasserwerbung alter Schule? Genau diese Romantik zertöppert der Island-Film „Von Menschen und Pferden“. Foto: NFP

Stuttgart - Naturliebhaber und passionierte Reiter kommen im Islandurlaub voll auf ihre Kosten: schroffe Landschaften, ruppiges Klima, robuste Ponys. Auf den ersten Blick scheint der Regisseur Benedikt Erlingsson dieses Klischee romantischer Urwüchsigkeit in seinem Film „Von Menschen und Pferden“ auch zu bedienen. Doch weit gefehlt. Seine schwarzhumorige Tragikomödie richtet sich weder an Hobbyreiterinnen noch an Menschen, die eine Auszeit auf der dünn besiedelten Insel herbeisehnen.

Erlingsson erzählt keine Wohlfühlgeschichte, sondern in mehreren Episoden von der nicht immer fairen Beziehung zwischen Menschen und Vierbeinern sowie vom Leben und Sterben in der Einöde. Da ist etwa der Junggeselle Kolbeinn (Ingvar E. Sigurdsson), der seiner Angebeteten Solveig (Charlotte Bøving) die Aufwartung macht. Dafür wirft er sich in Schale und anschließend auf den Rücken seiner zierlichen Stute Grana, die ihn zu Solveigs Haus tragen muss. So gern Kolbeinn mit Solveig auch zusammen ist, dass ihr Hengst es auf Grana abgesehen hat, gefällt ihm gar nicht.

Skurrile Miniaturen

Ein anderer Dorfbewohner, Vernhardur (Steinn Armann Magnusson), liebt billigen Fusel mehr als sein Pferd. Als ihm der Schnaps ausgeht, reitet Vernhardur kurzerhand durchs Meer einem russischen Fischkutter entgegen, um dort Nachschub zu kaufen. Und dann sind da noch Grimur (Kjartan Ragnarsson) und Egill (Helgi Björnsson), zwei notorische Streithähne, die beide den Reitweg des jeweils anderen für sich beanspruchen.

Diese skurrilen Miniaturen verbindet Erlingsson in seinem starken Regiedebüt zu einem mal urkomischen, mal morbiden Reigen. Obwohl sich der Regisseur über die Schrullen und Eigenarten der Inselbewohner amüsiert, bleibt er auf Distanz. Wirklich sympathisch sind die wortfaulen Eigenbrötler nicht, dabei oft rücksichtslos gegenüber Tieren, Mitmenschen und den eigenen Gefühlen. Trotzdem zeigt Erlingsson sie als auf unkonventionelle Weise glückliche Menschen. Ohne Ponys und Nachbarn, auf die man mit dem Fernglas ein Auge haben kann, wäre das Inselleben für sie doch ziemlich öde.

Von Menschen und Pferden. Island 2013. Regie: Benedikt Erlingsson. Mit Ingvar E. Sigurdsson, Charlotte Bøving, Helgi Björnsson. 81 Minuten. Ab 12 Jahren.




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