Das Debakel bei der Postbank infolge der IT-Umstellung treibt nicht nur viele Tausend bisher treuer Kunden auf die Barrikaden. Es wirft auch schwer wiegende Fragen auf – an das dafür verantwortliche Management: Hat die Deutsche Bank die Untiefen der digitalen Verschmelzung völlig unterschätzt? Wie wichtig ist dem Vorstand die Postbank? Sind Kleinanleger für sie total uninteressant? Und kann die Deutsche Bank überhaupt Privatkundengeschäft? Deren Chef Christian Sewing hat sich in dieser Woche in den Staub geworfen – seine öffentliche Entschuldigung erfolgte unter immensem Druck; sie setzt dem Ganzen aber noch keinen Schlusspunkt.
Einst hat die Deutsche Bank die Postbank auch gekauft, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Wie groß ist das Interesse an der gelben Marke heute noch? Wird sie vernachlässigt, um sie auf längere Sicht als lästigen Kostenfaktor abzuwickeln? Schon weit vor der IT-Migration hat sich die personelle Unterbesetzung bemerkbar gemacht – der Notbetrieb wurde zum Dauerzustand. Wenn auch noch das Krisenmanagement so sehr missrät wie in diesem Fall, kommt der Verdacht des Vorsatzes auf. Immerhin: Diesen Eindruck haben die Postbank-Betriebsräte offenbar noch nicht – sie sehen eher konkrete Versäumnisse, zumal vornehmlich des früheren Managements.
Im schlimmsten Fall droht der Niedergang
Doch ist es höchste Zeit, dass die Bankenaufsicht Bafin und nun auch die um die Belegschaft besorgte Gewerkschaft Verdi der Führung der Deutschen Bank den Ernst der Lage deutlich machen. Wenn diese jetzt nicht alle ihre Möglichkeiten nutzt, um die Kunden wieder zufriedenzustellen, dann ist der Niedergang der traditionsreichen Postbank wohl kaum noch aufzuhalten.