Jaguar Land Rover Die Zukunft wird elektrisch

Von Reimund Abel 

Jaguar Land Rover will im Markt der Premiumfahrzeuge eine gewichtigere Rolle spielen. Mit einer Produktoffensive – und mit neuen, sportlichen Elektroautos.

400 PS, 500 km Reichweite, 700 Nm Drehmoment – alles elektrisch: Auf den neuen I-Pace, der ab 2018 verkauft wird, setzt Jaguar Land Rover große Hoffnungen. Foto: Hersteller
400 PS, 500 km Reichweite, 700 Nm Drehmoment – alles elektrisch: Auf den neuen I-Pace, der ab 2018 verkauft wird, setzt Jaguar Land Rover große Hoffnungen. Foto: Hersteller

Peter Modelhart hat gut lachen. Einen Rekord nach dem anderen darf der Chef von Jaguar Land Rover Deutschland zurzeit verkünden. Weltweit läuft das Geschäft gut, im Vorjahr wurden mehr als 500.000 Einheiten abgesetzt, hierzulande sieht es ebenfalls nicht schlecht aus. Wurden im Jahre 2010 deutschlandweit etwas mehr als 10.000 Autos verkauft, waren es 2016 (bis Ende Oktober) 27.906 Fahrzeuge. Den Löwenanteil steuert Land Rover mit seinen Modellen (20.474 Autos) bei, Jaguar (7422 Fahrzeuge in dem Zeitraum) entwickelt sich sehr gut, freut sich Modelhart. Dass in diesem Jahr noch die Marke von insgesamt 30.000 abgesetzten Autos geknackt wird, ist realistisch. Für den Konzern sei Deutschland global gesehen der viertgrößte Markt.

Das britische Unternehmen, eine Tochter des indischen Autoriesen Tata Motors, ist angesichts der Premium-Konkurrenz von Audi, Mercedes oder BMW ein Nischenproduzent. Aber einer, der rasch wächst. Dazu trägt nach Aussage Modelharts bei, dass das Händlernetz deutlich engmaschiger geworden sei. Bundesweit liege sein Unternehmen bei einer Abdeckung von 85 Prozent, noch vor wenigen Jahren sei dieser Wert bei 65 Prozent gewesen. In der hiesigen Region werden die Marken Jaguar und Land Rover über die Emil-Frey-Gruppe vertrieben – mit Standorten in Filderstadt und Stuttgart.

Weiterwachsen? Damit das in den nächsten Jahren anhält, kündigt der Deutschland-Geschäftsführer eine Marktoffensive an. „Wir werden in den nächsten fünf Jahren 50 Produktneuerungen in den Handel bringen“, sagte er unserer Zeitung. Eine davon ist der Land Rover Discovery – ein mächtiges Stück Stahl auf Rädern, das im Frühjahr 2017 zu Preisen ab 50.500 Euro bei den Händlern Premiere feiert. Der Allradler, der von der Werbung als „leistungsfähiger Familien-Geländewagen und Alleskönner für den modernen Alltag“ angepriesen wird, wiegt 2,1 Tonnen. Firmenchef Modelhart verweist jedoch darauf, dass gegenüber dem Vorgänger 480 Kilogramm eingespart werden konnten, vor allem durch den Einsatz von Leichtmetall.

Noch mehr Hoffnungen setzen die Briten auf den I-Pace, ein vollelektrisches SUV von Jaguar, das als Studie auf der Los Angeles Autoshow gezeigt wurde. „Bis zu 95 Prozent Seriennähe“ stecke in dem schnittig gezeichneten Wagen, sagt Modelhart. Die Eckdaten klingen imposant. Zwei Elektromotoren erzeugen zusammen 400 PS/294 kW Leistung, der Sprint von null auf Tempo 100 ist in vier Sekunden erledigt. Die Reichweite soll im (nicht alltagsgerechten) NEFZ-Zyklus bei 500 Kilometern liegen, der 90-kWh-Akku ist nach einer 90-minüten Ladezeit mit 50kW-Gleichstrom wieder zu 80 Prozent befüllt. Im Innenraum dominiert ein 30 Zentimeter großes Display, das die herkömmlichen Zifferblätter ablöst. Der Kofferraum ist 530 Liter groß.

Als Serienmodell soll der Wagen für einen Preis von „70.000 bis 80.000 Euro“ verkauft werden, sagt Modelhart. Und er verspricht, dass nicht nur Jaguar draufsteht, sondern auch drinsteckt. „Wir wollen verführen.“ Wer schon mal sein Konto prüfen will, ob genügend Reserve vorhanden ist, muss sich in Geduld üben. Erst 2018 rollen die ersten Modelle zu den Händlern.

So faszinierend das Elektromobil aussieht, so wichtig ist es für das Unternehmen. Sollen die EU-Abgasgrenzwerte eingehalten werden, muss Jaguar Land Rover auf mehr Elektrifizierung setzen. Bis 2020 soll der durchschnittliche Ausstoß der Flotte an Kohlendioxid um 25 Prozent reduziert werden, auf weniger als 132 CO2 g/km. Und der I-Pace sei erst der Anfang, 50 Prozent aller Autos sollen bis 2020 eine Option auf Elektrifizierung haben, sagt Modelhart. Konkretere Aussagen lässt er sich nicht entlocken. Ob die Modelle teilelektrisch, zum Beispiel mit Plug in-Hybridtechnologie, oder vollelektrisch auf die Straßen geschickt werden, oder beides – was am wahrscheinlichsten scheint, zeigt die Zukunft.

IN KÜRZE
Jaguar Land Rover ist der größte Automobilhersteller in Großbritannien. In den Werken Solihull, Birmingham und Liverpool entstanden im Vorjahr mehr als 500.000 Pkws und Nutzfahrzeuge. Neuwagenabsatz und Belegschaft (aktuell 40.000 Mitarbeiter weltweit) wurden in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt, der Umsatz verdreifacht. Zehn Modellreihen gibt es, in den nächsten fünf Jahren verspricht der Konzern 50 Produkterneuerungen. Bis 2020 sollen 50 Prozent der Fahrzeuge die Option auf Elektrifizierung haben.

www.jaguar.de; www.landrover.de