Es soll mehr sein als nur ein Frühjahrsputz zum Aufpolieren des angestaubten Images. Esslingen möchte sich eine ganzjährige bleibende Verjüngungskur verpassen. Wie dieses urbane Lifting aussehen könnte, wurde beim zweiten Innenstadtforum am Dienstagabend im Neckarforum präsentiert. Mit einer Wandelmesse voller Schautafeln, Informationen, Karten und Fakten, moderierten Kurzinterviews auf der Bühne, erklärenden Gesprächen, Musik und Häppchen stellte die Stadtverwaltung ihren Kosmetikplan für die City vor. Im laufenden Jahr sollen 24 Projekte beginnen, erweitert, umgesetzt oder revitalisiert werden.
Die Ideen
Viele der Schönheitspflästerchen für das Aufpeppen der Altstadt sind nicht neu. So wurden Aktionen wie das Gründerzentrum Makers League in der Küferstraße, das Estival als Nachfolgerin des Zwiebelfestes, der Weihnachtsmarkt oder der Schattenweg mit Trinkwasserbrunnen aufgewärmt. Doch es gab auch weniger bekannte Schminktipps für die City. Bisher sei vor allem eine Bestandsaufnahme erfolgt, betonte Christine Clement vom Amt für Wirtschaft, und Michael Metzler von der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus (EST) versicherte, der Strategieprozess laufe weiter. Angestrebt wird laut dem Oberbürgermeister Matthias Klopfer ein bunter, internationaler „Melting-Pot, ein Schmelztiegel Innenstadt“.
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365 Tage Action
Mal ein Fest hier, mal eine Aktion da – Esslinger feiert in Häppchen. Das soll sich ändern. Der City-Manager Thomas Müller möchte der Stadt eine „All-Year-Round-Festkultur“ unter der flotten Devise „365 Tage City erleben“ verpassen. Eckpunkte des neuen Feier-Masterplanes seien die „Jahreszeitenfenster“: der Frühlingsgarten im April und Mai, das Sommerfunkeln in Juli und August sowie die Herbstkultur im Oktober und November. Unter diesen Überschriften sollen dauerhaft einzelne Aktivitäten von Fachgeschäften, Gastronomie sowie anderen, auch kulturellen, künstlerischen oder sozialen City-Akteuren auf die Beine gesellt werden: „Durch die Ansprache und Motivation Dritter zum Mitmachen möchte das City-Management von der Eigenorganisation und Eigenfinanzierung wegkommen“, sagt Müller. Derzeit geschehe dies durch Musik in verschiedenen Läden donnerstags und Spieleinseln mittwochs. Geplant seien mehr Märkte, mehr Straßenkunst und ein Erdbeerfest Anfang Juni. Ende Dezember soll es eine „Evaluation des ersten vollständigen Jahres nach der Coronapandemie“ geben. Die Menschen sollen nach dem Willen von Thomas Müller nicht mehr sagen: „Ich gehe mal kurz in die City, um etwas zu erledigen.“ Künftig werde es heißen: „Ab in die Mitte.“
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Sie führen Geschichte im Schild
Inzwischen sind sie selbst Geschichte: Die historischen Schilder an wichtigen Gebäuden in Esslingen seien optisch, gestalterisch und inhaltlich in die Jahre gekommen, meint Alexa Heyder vom städtischen Kulturamt. Die Hinweistafeln aus den 1970er Jahren seien nicht mehr auf dem neuesten Stand, denn inzwischen würde es neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben. Ein Relaunch soll Abhilfe schaffen. Darum werden 80 Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt neu beschildert: „Die städtebaulichen und historischen Besonderheiten sollen dabei aufgezeigt werden“, sagt Heyder. Für mehr Modernität werden nach Angaben der Kulturamtsleiterin eine übersichtlichere Gestaltung, ein englischer Textpart zur besseren Verständlichkeit für ausländische Gäste und eine virtuelle Aufrüstung sorgen. Denn die analogen Inhalte der Schilder mit Texten und Grafiken sollen durch QR-Codes ergänzt und so um zusätzliche, digital abrufbare Inhalte erweitert werden. Und, so Alexa Heyder: „Es wird dabei eine Clusterung, eine Bündelung nach stadthistorisch und stadtmarketingrelevanten Themen geben.“ Ergänzend soll ein Flyer auf das neue Angebot und die Verteilung der Schilder im Stadtgebiet hinweisen. Das Projekt befindet sich laut der Amtsleiterin in der Umsetzung und soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein.
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Oasen statt Stadtwüsten
Die wüsten Zeiten waren gestern. Nun sollen die Stadtoasen weiter aufblühen. In der Ritterstraße oder auf dem Bahnhofsplatz sollen Sitzgelegenheiten, Stühle und Bänke mit apartem Grün und Verschattungselementen kombiniert werden, erklärt Katja Walther von der Stabsstelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Absprachen mit dem Grünflächenamt zur Bewässerung seien erledigt, bis Ende Mai sollen Firmen mit Herstellung und Bepflanzung beauftragt werden. Im laufenden Monat würden die eingelagerten, vorhandenen Elemente der Esslinger Stadtoase in Augenschein genommen und aufgebaut. Bis zum 15. Juni sollen ein mobiles grünes Zimmer und bepflanzte Hochbeete angeliefert werden. Ende September soll die gesamte Aktion abgeschlossen sein.
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Die Zukunftsstrategie für die Esslinger Innenstadt
Zeitplan
Der Prozess zum Wandel der City geht laut Michael Metzler von der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus (EST) weiter. In Vertiefungswerkstätten würden sich Experten und Innenstadt-Akteuren mit dem Thema befassen. Das in den letzten Monaten erarbeitete Lagebild liege als Kurzversion vor und werde Mitte Mai in einer ausführlicheren Fassung vorgestellt. Das Zielbild soll bis Herbst erstellt und dem Gemeinderat nach den Sommerferien präsentiert werden. Ein drittes Innenstadtforum ist für Herbst geplant. Der genaue Termin steht noch nicht fest.
Lageplan
Unter der Überschrift „Jahrhunderte jung“ wurde ein Entwurf der Leitziele für eine vitale Esslinger Innenstadt vorgelegt. Angestrebt werden in einem Zeitrahmen zwischen 2027 und 2032 unter Oberbegriffen wie „Draußen ist das neue Drinnen“, „Epizentrum der Emotionen“, „Die 15-Minuten-Stadt“ oder „Mittendrin zu Hause“ eine hohe Aufenthaltsqualität, Kulturgenuss für alle, eine bequeme Erreichbarkeit oder eine entspannte Wohnqualität.
Informationen zum Transformationsprozess unter www.esslingen.de/zukunftinnenstadt