Jahresbilanz der IBA’27 Was Architekturfreaks nach Stuttgart locken soll
Die Internationale Bauausstellung (IBA’27) navigiert durch eine schwierige Baukrise. Doch Stuttgarts OB Frank Nopper macht neue Versprechen.
Die Internationale Bauausstellung (IBA’27) navigiert durch eine schwierige Baukrise. Doch Stuttgarts OB Frank Nopper macht neue Versprechen.
„Vielleicht ist es ja ein Zeichen der Zeit, dass wir nicht unbedingt etwas Fertiges präsentieren.“ So hat hat Andreas Hofer, der Intendant der Internationalen Bauausstellung IBA’27, bei der Vorstellung der Jahresbilanz das Schlüsselproblem des internationalen Architekturevents zusammengefasst. Nicht nur teils mühsame, für den gebürtigen Schweizer manchmal typisch deutsche Planungs- und Genehmigungsprozesse machen es in der Region und insbesondere in Stuttgart schwierig, so viele Gebäude zu präsentieren, wie das viele mit Bauausstellungen verbinden.
Man sei zudem mitten hinein in die abstürzende Baukonjunktur geraten, sagte Hofer: „Wir müssen versuchen, diese historische Krise jetzt als Chance zu nutzen.“ Die IBA-Vorhaben, bei denen es oft nicht um einzelne Gebäude, sondern um Quartiere gehe, repräsentierten ja genau den schwierigen wirtschaftlichen und ökologischen Umbruch, der auch auf die Region zurolle. Wie kann man günstig Wohnungen bauen? Wie kann man Wohnen und Arbeiten verbinden?
Das spiegelt sich etwa in Backnang, Winnenden und Schorndorf in Vorhaben, die aus alten Gewerbeflächen gemischte Quartiere machen. Die Region wird, wie der Regionalpräsident und stellvertretende IBA-Aufsichtsratschef Thomas Bopp ankündigte, technologisch innovative Bauweisen finanziell fördern. Mit aktuell insgesamt 26 Projekten sei man zufrieden, sagte Hofer. Komplett fertig werden nach jetzigem Stand neun, bei weiteren neun sollen erste Bauabschnitte sichtbar sein.
Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) kündigte an, sich stärker für das Event zu engagieren. Als IBA-Aufsichtsratschef waren ihm die teils lahmenden Projekte in der Stadt vorgeworfen worden. Vor allem ein neues Besucherzentrum an der Weißenhofsiedlung, deren 100-jähriges Jubiläum 2027 die Bauausstellung nach Stuttgart gebracht hat, soll nun zum Aushängeschild werden. Nopper macht schnelle Fortschritte zur Chefsache. „Das Zentrum wird und muss kommen“, sagte er – auch wenn der definitive Beschluss erst im Sommer erwartet wird. Das werde dann symbolträchtig das IBA-Projekt Nummer 27, sagte er.
Indirekt rechtfertigte sich der OB für Verzögerungen. „Als die Weißenhofsiedlung gebaut wurde, kam die Baugenehmigung erst hinterher“, sagte er. Das sei heute unmöglich. Nopper und sein am Rande der Pressekonferenz ebenfalls anwesender Baubürgermeister Peter Pätzold unterstrichen, dass Vorhaben rund um die Bauausstellung für die Verwaltung Vorrang hätten – auch wenn andere Projekte sich dann vielleicht hintanstellen müssten.
„Wild entschlossen“ sei er, so sagte Nopper, die Kommunikation rund um das Event zu verbessern. So war es ein Schönheitsfehler, dass der Baubürgermeister just zwei Tage vor der Bilanzpräsentation vor Architekten zwei neue Stuttgarter Projekte, das Klett-Areal und eine Wohnbebauung an der Weimarstraße in der Innenstadt, bereits vorgestellt hatte.
Der im Rahmen der Bilanz deshalb abgekürzte Blick auf die beiden Vorhaben zeigt, womit Bauherren zurzeit zu kämpfen haben. An der Weimarstraße, wo im Auftrag des Landes viel mit Holz gebaut werden soll, ist offen, ob das nötige Baumaterial rechtzeitig besorgt werden kann. Der Klett-Verlag, der mit einem Umbau seines Firmengeländes jetzt noch auf der IBA-Liste gelandet ist, steht unabhängig vom Ausstellungsjahr unter Zeitdruck: Hier hat man für die Projektphase 750 Mitarbeiter in andere Büros umsiedeln müssen. Und diese Verträge enden so oder so im IBA-Jahr. Für ein anderes auf Eis gelegtes Vorhaben, den Bau von 800 Wohnungen am Stöckach unter Regie des Energiekonzerns EnBW, signalisierte IBA-Intendant Hofer neue Hoffnung. Hier könnte der aktuelle Wechsel in der Chefetage die Lage verändert haben, sagte er.
Allmählich kommt für die Veranstalter auch die Frage in den Blick, wie man jenseits des Besucherzentrums am Weißenhof die weit in der Region verstreuten Projekte im Ausstellungsjahr den Besuchern nahebringen kann. Hofer setzt hier auch auf ein umfangreiches Begleit- und Kulturprogramm, für das es bereits viele Interessenten gebe. Auch Technologie könne helfen, sagt er: „Meine Vision ist, dass sie als Besucher ihre Interessen, ihren Ort und ihr Zeitbudget irgendwo eingeben – und dann ein genau auf sie zugeschnittenes Besuchsprogramm vorgeschlagen bekommen“, so Hofer.