Jahresbilanz in der Region Leonberg Kann es wirklich nur besser werden?
2023 war auch lokal ein verlorenes Jahr. Und die Perspektiven sind auch im neuen Jahr mäßig, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski
2023 war auch lokal ein verlorenes Jahr. Und die Perspektiven sind auch im neuen Jahr mäßig, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski
Wir müssen nicht auf die Katastrophen dieser Welt blicken, um dem zu Ende gehenden Jahr keine allzugroßen Tränen nachzuweinen. Auch vor unserer Haustür sind die Dinge nicht so gelaufen, als dass sie das Prädikat „gelungen“ verdient hätten. Die Flüchtlingskrise macht allen Kommunen zu schaffen. Gemäß des Mottos „Ober sticht Unter“ werden die ankommenden Menschen vom Land an die Kreise und von dort an die Gemeinden verteilt. Wehren kann sich niemand.
In Leonberg hat die kurz vor Weihnachten beschlossene Belegung des ehemaligen Altenheims am Stadtpark mit Geflüchteten zu bemerkenswerten Protesten geführt – nicht etwa von jugendlichen Aktivisten, sondern von Rentnern, die sich um den örtlichen Frieden sorgen. Auch in Münchingen gibt es offenen Unmut gegen eine Unterkunft.
Unabhängig davon, ob die Befürchtungen wirklich eintreten: Dass die Situation das Miteinander vor Ort belasten kann, ist offensichtlich. Nicht von ungefähr hat der Leonberger Gemeinderat die Unterkunft mitten im Zentrum einmütig abgelehnt.
Nicht viel besser sieht es im öffentlichen Nahverkehr aus: Den Menschen wird regelrecht gepredigt, das Auto öfters stehen zu lassen, um mit Bus und Bahn, noch besser mit dem Rad, zu fahren. Doch die S 6, das Rückgrat im alten Kreis Leonberg, fährt, vorsichtig ausgedrückt, sehr unzuverlässig – so wie die komplette S-Bahn in der Region. Das Desaster um die ausfallenden Schulbusse im Herbst rund um Leonberg passt ins Bild.
Doch statt dafür zu sorgen, dass die Menschen überhaupt umsteigen können, geht es in politischen Diskursen um günstige Fahrpreise, die in der Realität dann aber teurer werden, garniert von moralinsaueren Ermahnungen an das unwillige Volk, das mehr statt weniger Autos anmeldet.
Auf das S-Bahn-Chaos hat die Kommunalpolitik keinen Einfluss, wohl aber auf die Möglichkeit, Zentren weniger attraktiv für Autos zu machen. So wie es in Leonberg unter dem Slogan „Stadt für morgen“ geschehen soll. Eine der zentralen Voraussetzungen wären funktionierende Alternativen. Und da sieht es, wie oben beschrieben, nicht eben vielversprechend aus. Selbst das eigentlich schon eingetütete „Postareal“ bleibt permanent in den Sümpfen der Bürokratie, der politischen Befindlichkeiten und der objektiv vorhandenen schwierigen Lage stecken.
Maßgeblich mit dazu bei trägt die fatale Situation an der Rathausspitze: Seit mehr als fünf Monaten ist die Erste Bürgermeisterin Josefa Schmid in Leonberg ein Phantom. In den Köpfen der politischen Akteure ist sie überall präsent, in Wirklichkeit aber ist die resolute Bayerin zwangsweise bei vollem Gehalt in ihrer Heimat zum Abwarten verbannt.
Über die Gründe und Hintergründe sind unzählige Worte gewechselt und fast genau so viele Zeilen geschrieben worden. Erhellt worden sind sie angesichts des beharrlichen Schweigens der Ermittlungsbehörden nicht.
Dass aber die Handlungsfähigkeit der Stadtspitze stark beeinträchtigt ist, haben zuletzt die Haushaltsberatungen ohne politische Führung gezeigt. Der Frust in der Kommunalpolitik nimmt – losgelöst von der Couleur – zu, genau wie das Unverständnis beim Volk. Wie die Dinge jetzt liegen, wird das neue Jahr auch in diesem zentralen Thema kaum eine zeitnahe Lösung bringen, geschweige denn eine Verbesserung.
So bleibt nur das bittere Fazit, dass das auslaufende Jahr ein verlorenes war. Ob der in solchen Fällen gängige Spruch „Es kann nur besser werden“ tatsächlich eintreten könnte, bleibt abzuwarten.