Jahreshauptversammlung des SV Bonlanden Ein kleiner Hauch von Alfred Hitchcock

Obwohl das Finanzamt dem SV Bonlanden im Nacken sitzt, lief die Jahreshauptversammlung – im Bild der 1. Vorsitzende Thomas Kühfuss – entspannt ab. Foto: Günter Bergmann

Nach Finanzamt-Schock bemüht sich der SV Bonlanden um Normalität. Derweil sichert die Politik dem Verein Rückendeckung zu.

Der Regisseur Alfred Hitchcock galt als ein Meister darin, Spannung zu erzeugen. Einer seiner Tricks: Zeige eine Szene, in der mehrere Menschen an einem Tisch sitzen. Unter dem Tisch liegt eine tickende Zeitbombe – was der Zuschauer zwar sieht, aber die Charaktere im Film nicht zu bemerken scheinen. So gesehen hatte die Jahreshauptversammlung des SV Bonlanden fast schon eine Hitchcock’sche Note. Denn dort bemühten sich Vorstand und Mitglieder des zuletzt arg gebeutelten Clubs darum, eine ganz normale und unspektakuläre Versammlung abzuhalten. Und doch schimmerte immer wieder die „Bombe“ durch, die bei den Bonlandenern tickt. Etwa bei den Reden des Vorstands, des Finanzvorstands oder auch des Bürgermeisters.

 

Hinter dem Wort „Bombe“ verbirgt sich der Prüfbescheid des Finanzamts. Demnach soll der SV Bonlanden 250 000 Euro Steuern nachzahlen, weil der Verein im Zeitraum zwischen 2010 und 2020 Schenkungszahlungen entgegengenommen hat, die angeblich steuerlich nicht angegeben worden sind. Sollten die Bonlandener diese Summe tatsächlich nachbezahlen müssen, würde das den Verein finanziell in arge Schieflage bringen und im allerschlimmsten Fall in die Insolvenz treiben (wir berichteten).

Und so überrascht es nicht, wenn der 1. Vorsitzende des SV Bonlanden, Thomas Kühfuss, seine Begrüßungsrede mit dem schwäbischen Ausspruch „Wenn i des g’wisst hett“ beginnt. Seit zwei Jahren sind er und Finanzvorstand Michael Fiderer im Amt – also nach dem Zeitraum, in dem die Unregelmäßigkeiten passiert sein sollen. Seitdem arbeiten die Vorstände laut Kühfuss’ Aussage „nach vorne und nach hinten“. Das „nach hinten“ arbeiten, sprich, die besagte „Bombe“ zu entschärfen, ruht derzeit. Denn da heißt es: Warten. „Wir haben gegen den Prüfbescheid Einspruch eingelegt, weil er nach unserer Ansicht auf Annahmen und Vermutungen beruht“, sagt Kühfuss. Zudem baten die SV-Vorstände um eine Besprechung der Sachlage mit der Prüfstelle. „Auf beides hat es bisher noch keine Reaktion gegeben“, sagt Kühfuss. Nun wäre ein guter Zeitpunkt für ihn gewesen, damit er – um beim Schwäbischen zu bleiben – den Bettel hätte hinschmeißen können. Doch Kühfuss („Weglaufen gehört nicht zu meinem Naturell“) gab sich kämpferisch, stellte sich erneut zur Wahl und wurde von den 68 stimmberechtigten ebenso wie Finanzvorstand Fiderer und der Stellvertretenden Vorsitzende Dietmar Liebenstein einstimmig für weitere zwei Jahre gewählt.

Damit ist die Unterstützung seitens der Mitglieder offensichtlich. Und die der Stadt Filderstadt auch. Einige Stadträte waren ebenso auf der Hauptversammlung vertreten wie Bürgermeister Jens Theobaldt. Der zudem noch die Haltung der Verwaltung zu betonen wusste: „Ich wünsche Ihnen, dass sie diese schwierige Phase gut überstehen. Sie können jederzeit auf die Stadt Filderstadt zukommen.“

1000-Mitglieder-Marke geknackt

Gute Vorzeichen also für die bereits angesprochene „Arbeit nach vorne“, die der SV Bonlanden leistet und weiterhin leisten will. Wobei die sich schon darin bemerkbar macht, dass der Verein nach einem Zwischentief wieder die 1000-Mitglieder-Marke geknackt hat. Vor allem im Jugendfußball hat der Club großen Zulauf zu verzeichnen. Was auch den Finanzvorstand freut, denn schließlich sind die Mitgliedsbeiträge in der Bilanz des Vereins ein beachtlicher Posten auf der Habenseite. Und der trug wiederum dazu bei, dass der SV Bonlanden das Geschäftsjahr 2023 mit einem Plus von rund 7000 Euro abschließen konnte. Fiderer wurde von der Versammlung ebenso entlastet wie seine Vorstandskollegen. Auch der Haushaltsplan 2024, der einen Überschuss von rund 2200 Euro ausweist, wurde von den Mitgliedern abgesegnet. Wobei sich auch Fiderer zu der „Bombe“ äußerte: „Ich bin sicher, dass die Vorwürfe nicht stimmen.“ Vorsichtig ist er dennoch: Der Haushalt 2024 weist eine außergewöhnliche Rücklage von 7500 Euro aus – für Anwaltskosten.

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