Jahrestag KZ-Befreiung Selbst die Hölle ging zu Ende

Der Künstler Mieczysław  Wisniewski war  im KZ Kochendorf; er hat  seinen Todesmarsch  nach Dachau gezeichnet. Foto: Ausstellung
Der Künstler Mieczysław Wisniewski war im KZ Kochendorf; er hat seinen Todesmarsch nach Dachau gezeichnet. Foto: Ausstellung

Am 27. Januar 1945 erreichten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Heute ist dieser Tag ein Gedenktag für die Opfer des NS-Terrors. Auch in der Region Stuttgart wurden viele Menschen in Lagern umgebracht.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Stuttgart - Am frühen Nachmittag des 27. Januars 1945 erreichten Soldaten der 60. Armee der ersten ukrainischen Front das KZ Auschwitz-Birkenau – sie fanden noch 7000 Häftlinge vor, die meisten so krank, erschöpft oder ausgehungert, dass die SS sie nicht mehr verlegt hat. Der Soldat Jakow Wintschenko erinnerte sich später: „Es war kein Wachtraum, ein lebender Toter stand mir gegenüber. Hinter ihm waren im nebligen Dunkel Dutzende anderer Schattenwesen zu erahnen, lebende Skelette. Die Luft roch unerträglich nach Exkrementen und verbranntem Fleisch.“

Seit 1996 wird am 27. Januar der Opfer des nationalsozialistischen Terrors gedacht, dieses Jahr jährt sich die Befreiung der Lager zum 70. Mal. In Stuttgart wird sich deshalb eine Ausstellung im Haus der Katholischen Kirche an der Königstraße vom 20. bis zum 30. Januar mit den Lagern im deutschen Südwesten beschäftigen. Der Besuch dieser Ausstellung ist Teil der offiziellen Gedenkveranstaltung des Landtags. „Freiheit – so nah, so fern. Das doppelte Ende des Konzentrationslagers Natzweiler“ heißt die Schau; zum KZ-System von Natz­weiler im Elsass gehörten auch alle fünf Außenlager in der Region Stuttgart.

Viele Lager wurden von den Nazis aufgelöst

Tatsächlich war Auschwitz nicht das erste Lager, das alliierte oder russische Truppen entdeckt hatten. Bereits am 25. November 1944 war die 3. US-Infanteriedivision auf das Lager Natzweiler in den Vogesen gestoßen, das nach dem Namen einer Ausflugsgaststätte auch Struthof genannt wurde. Es war allerdings leer, die Kommandantur hatte alle Häftlinge nach Dachau verlegen lassen. Ein Journalist der „New York Times“ berichtete schon am 3. Dezember aus der „Todesfabrik“: „Es gab dort keine Gefangenen mehr, keine Schreie, keine Wächter, keine Spuren des Todes. Doch einige Dinge, die man fand, erzählten ihre eigene Geschichte, vor allem der Ofen des Krematoriums.“

Von Befreiung kann jedenfalls bei vielen Lagern im Südwesten keine Rede sein. Vielmehr wurden sie beim Heranrücken des „Feindes“ nur aufgelöst, die Häftlinge aber in andere KZs transportiert oder auf Todesmärsche geschickt. Auch unter den Häftlingen lief die Kunde umher, dass der Krieg bald aus sein musste: „Freiheit – so nah, so fern“, darauf spielt der Titel der Ausstellung an. Aber das Leid der meisten Menschen endete erst im April 1945. Oder zuvor mit dem Tod: von den etwa 52 000 Frauen und Männer, die in Natzweiler oder dessen 70 Außenlagern inhaftiert waren, überlebten 22 000 die Torturen nicht.




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