Japaner in Zuffenhausen Wenn das Spielen zum Beruf wird

Von Torsten Ströbele 

Ein neues Videospiel hat für Aufsehen beim international besetzten Turnier gesorgt.

Yoshinori Ono (2. von links) posiert mit den Organisatoren des Turniers, Zeljko Celica (links) und Tony Couchi (rechts),  sowie mit Profispieler Tokido. Foto: Torsten Ströbele
Yoshinori Ono (2. von links) posiert mit den Organisatoren des Turniers, Zeljko Celica (links) und Tony Couchi (rechts), sowie mit Profispieler Tokido. Foto: Torsten Ströbele

Zuffenhausen - Dort, wo sonst Komödien, Thriller oder Actionfilme in den Regalen der Videothek Empire in Zuffenhausen auf Kunden warten, haben sich am Sonntag mehr als 100 begeisterte Fans des Computerspiels Street Fighter getroffen. Aus den Niederlanden, Frankreich und aus dem ganzen Bundesgebiet waren sie angereist, um an einem Turnier an der Strohgäustraße teilzunehmen.

1500 Euro Preisgeld waren sicherlich für den einen oder anderen Spieler Anreiz genug, sich auf den Weg nach Zuffenhausen zu begeben. Die meisten Teilnehmer gingen allerdings vor Turnierbeginn davon aus, dass sie nicht den Hauch einer Chance haben würden, das Preisgeld zu gewinnen. Denn einer der weltbesten japanischen Profispieler gab sich die Ehre. Tokido bestreitet seit einem Jahr seinen Lebensunterhalt damit, verschiedene Videospiele so gut zu beherrschen, dass er nur schwer zu schlagen ist. „Und hier wird das wohl auch keiner schaffen“, sagte der 26-Jährige selbstbewusst. Er sollte sich täuschen.

Tokido verliert gleich zwei Mal

Bei den ersten Spielen außer Konkurrenz zeigte er seine Klasse. Seine Gegner schafften es nur wenige Sekunden, ihm Paroli zu bieten. „Er hat einfach sehr viel Erfahrung. Er wusste genau, was ich vorhatte“, sagte der Holländer Rick Wolberg, nachdem er klar gegen Tokido verloren hatte. Doch die Turnier-Überraschung folgte auf dem Fuß: Gleich zwei deutsche Spieler konnten den japanischen Profi bezwingen. Mehr als ein geteilter siebter Platz war am Ende für Tokido nicht drin.

Mehr Chancen rechnete sich dagegen einer der besten deutschen Spieler aus: Bernhard Wienhold aus Bad Cannstatt. „Ich möchte unter die letzten Drei kommen“, sagte der 22-jährige Schüler, der sich als Profi-Spieler bezeichnet.

Ein bis zwei Stunden täglich, vor Turnieren auch mal mehr, verbringe er an der Spielekonsole, um seinem Ziel näher zu kommen. „Ich möchte nach dem Abitur erst einmal Japanologie studieren, um später im Land der aufgehenden Sonne nicht nur arbeiten, sondern auch spielen zu können“, sagt Bernhard Wienhold. In Zuffenhausen reichte es am Ende ebenfalls nur auf den geteilten siebten Platz.

Veranstalter ist zufrieden

„Wir sind mit dem Turnierverlauf sehr zufrieden“, meint Organisator Tony Couchi. Vor 15 Jahren gründetet er die „neutrons“, eine Gemeinschaft aus leidenschaftlichen Spielern von Street Fighter. Er organisiert mit den „neutrons“ rund fünf Veranstaltungen im Jahr – in Kinos oder an anderen Orten. „Dieses Mal war es eben eine Videothek. Wir müssen auf günstige Mietangebote hoffen.“ Den Spielern scheint es nicht so wichtig zu sein, wohin sie reisen, um ihrer Leidenschaft zu frönen. „In der Szene gibt es sehr viele Liebhaber, die auch einen weiten Weg auf sich nehmen, um an Turnieren teilzunehmen. Heute sind wieder sehr viele gute Spieler gekommen“, sagt Couchi.

Besonders stolz ist er aber auf seinen Ehrengast: Yoshinoro Ono. Der Produzent von Street Fighter IV war auf Europa-Tournee, um sein neuestes Spiel vorzustellen – Street Fighter X Tekken. Italien, Spanien, Frankreich und England hatte er schon hinter sich gelassen, als er am Sonntag in Zuffenhausen gastierte. In Deutschland war Ono nur noch in Hamburg zu sehen. Mittlerweile ist er schon zurück nach Japan geflogen.

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