Japanische Vorlieben „Baumukuuhen“ ist der Renner

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Vom deutschen Baumkuchen zum japanischen Modegebäck: Am 4. März feiert Japan den Baumkuchentag. Die deutsche Spezialität, bei dem hauchdünne Teigschichten um einen Stab einzeln gebacken werden, hat die Kaufhäuser der Insel erobert.

Die feinen Teigschichten müssen   einzeln aufgetragen und gebacken werden. Foto: StZ
Die feinen Teigschichten müssen einzeln aufgetragen und gebacken werden. Foto: StZ

Tokio - Das Auge isst mit“, sagt Takeshi Kawamoto und blickt zufrieden auf den Tisch. Seine Assistentin hat gerade mit eleganten Schwüngen einen Teller mit Kuchenstücken serviert, kunstvoll arrangiert wie Steine in einem japanischen Meditationsgarten. Dünne Teigschichten verleihen dem Gebäck ein stilvolles Muster. „Nicht umsonst nennt man den Baumkuchen den König unter den Kuchen“, sagt Kawamoto in akkuratem Deutsch.

Der Mittsiebziger ist Präsident des japanischen Backkonzerns Juchheim, dem ein kleines Globalisierungskunststück gelungen ist: Juchheim hat den deutschen Baumkuchen zum japanischen Modegebäck gemacht. Während das aufwändige Backwerk, bei dem hauchdünne Teigschichten um einen Stab einzeln gebacken werden, in Deutschland nur noch von ambitionierten Konditoren angeboten wird, ist es in Japan omnipräsent. Supermarktketten wie 7-Eleven oder Family Mart haben mehrere Baumkuchensorten im Angebot. Das trendige Kaufhaus Muji vertreibt Geschmacksrichtungen wie Grüntee oder Kürbis. Neben der Massenware gibt es auch Spezialgeschäfte, die für ein kleines Türmchen bis zu 5000 Yen (40 Euro) verlangen. Gekauft wird Baumkuchen unter seinem deutschen Namen, den die Japaner wie „Baumukuuhen“ aussprechen. Auch das ist Kawamotos Verdienst.

Vom Rhein über China nach Hiroshima

„Unsere Gründer waren Deutsche und ihre Tradition führen wir bis heute weiter“, erzählt Kawamoto in seinem Tokioter Büro. Die Geschichte beginnt 1908 in Kaub am Rhein, als ein abenteuerlustiger Konditormeister namens Karl Juchheim beschließt, sein Glück in Deutschlands chinesischer Kolonie Tsingtau zu suchen. Schon bald betreibt er zwei Läden, doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, fällt Tsingtau an die Japaner, die den Bäcker als Kriegsgefangenen nach Hiroshima verschleppen.

Am 4. März 1919 veranstaltet die Stadt einen Bazar, bei dem die Lagerinsassen ihre Fähigkeiten zeigen sollen. Juchheim backt Baumkuchen. Die Japaner sind begeistert. In Gedenken an den ersten in Japan gebackenen Baumkuchen gilt der 4. März heute offiziell als nationaler Baumkuchentag.

Juchheim eröffnete eine Bäckerei in Kobe und stellte Kawamotos Vater ein. Nach dem Tod des Konditors führte dieser das Geschäft fort und schickte seinen Sohn Takeshi nach Deutschland in die Lehre. Der Juniorchef führte nach seiner Rückkehr deutsche Produktnamen ein: Baumkuchen, auch Frankfurter Kranz oder Katzenzungen. Heute ist Juchheim mit 350 Läden Marktführer im gehobenen Segment.