Herr Schlensog, hat sich das Festival-Geschäft nach dem Corona-Ausnahmezustand wieder eingependelt?
Mit den Künstlern hat sich das wieder eingespielt, die leben ja viel mehr als früher vom Livegeschäft. Mehr Sorge machen der gesamten Branche die Inflation, die Energiekrise und der Krieg. Die Leute sind vorsichtiger geworden, sie kaufen kurzfristiger.
Wie stark haben sich die Rahmenbedingungen für Veranstalter verändert?
Wir müssen sehr genau rechnen. Die Energiekosten sind ein großes Thema, und der Mindestlohn, so berechtigt er ist, kostet uns richtig Geld, etwa bei der Security. Die Gagen werden auch nicht günstiger. Und die Produktionskosten sind deutlich gestiegen, aber wir haben zum Glück schon vor der Pandemie mehrjährige Verträge geschlossen. Wir sind insgesamt auf sicherem Grund.
Wie ist der Vorverkauf gelaufen?
Wir werden um die 45 000 Zahlende haben, damit sind wir ganz zufrieden. Die Abende im Alten Schloss sind so gut wie ausverkauft, der Schlossplatz zu 80 Prozent. Die Sitzplätze und Business-Seats sind überwiegend weg, es gibt vor allem noch Stehplätze, und das gefällt mir nicht – denn das sind die günstigen Tickets. Das zeigt, dass es für Leute, die nicht so viel Geld haben, derzeit schwieriger ist. Bei uns gibt es ja kein Vorprogramm, wir machen auf dem Schlossplatz jeden Abend zwei vollwertige Hauptacts. Cory Wong vor den Fantastischen Vier hat ein eigenes Standing genau wie Madrugada, die vor Deep Purple spielen. Man bekommt bei uns jeden Abend mindestens drei Stunden hochklassige Musik, deswegen kostet ein Stehplatz auch 70 bis 80 Euro, sonst geht das nicht auf.
Die Schlossplatz-Acts Deep Purple, Fanta Vier, Simply Red und Beth Hart waren erst 2022 in Stuttgart – sind derzeit zu wenige Künstler dieser Größe auf dem Markt?
Auf dem Schlossplatz herrscht eine ganz andere Atmosphäre als in der Halle. Alle diese Acts waren noch nie bei uns, zu allen hatten wir schon länger Kontakt – darum haben wir das in Kauf genommen. Tatsächlich werden die großen Acts weniger. Und manche der Nachwachsenden beschränken sich auf ihre durchgetaktete Welttournee und haben wenig Drang, aus der Reihe bei Festivals zu spielen. Das machen eher die Freigeister.
Mit Branford Marsalis, Snarky Puppy oder Émile Parisien mit Theo Croker haben Sie hochkarätigen Jazz im Programm – wie ist da der Zuspruch?
Wir legen großen Wert auf starken Jazz. Marsalis, der mit Arturo Sandoval spielt, ist lange ausverkauft. Parisien/Croker, eine der feinsten Jazzbands, die es derzeit gibt, lief eher schleppend – das hatten wir nicht erwartet. Snarky Puppy, für mich die Inkarnation des modernen Fusion Jazz, machen wir im Alten Schloss stehend, denn dazu bewegt man sich gern – genau wie zu Meute mit ihrer coolen Mischung aus Brass und Techno.
13.7.
Snarky Puppy, Dreiviertelblut (Altes Schloss); German Jazz Trophy: Steve Turre (Spardawelt)
14.7.
Melody Gardot (Altes Schloss); Émile Parisien Quartett feat. Theo Croker (Spardawelt); Tankus the Henge (Bix)
15.7.
Jools Holland, Roland Baisch & Count Baischy Swingtett (Altes Schloss); Kenny Garrett (Spardawelt); Marius Neset (Bix)
16.7.
Branford Marsalis, Arturo Sandoval (Altes Schloss); Jazz für Kinder (Spardawelt); Marco Mezquida Trio (Kunstmuseum);
17.7.
Meute (Altes Schloss); Carl Verheyen Band (Bix)
18.7.
Deep Purple, Madrugada (Schlossplatz); Salsafuerte feat. Yumarya (Bix); Cologne (Stadtpalais)
19.7.
Die Fantastischen Vier, Cory Wong (Schlossplatz); Adrien Brandeis (Bix); Still in the Woods (Stadtpalais)
20.7.
Parov Stelar, Paolo Nutini (Schlossplatz); Ina Forsman (Bix); Fola Dada und Martin Meixner (Domkirche St. Eberhard); Salomea (Stadtpalais)
21.7.
Beth Hart, LP, Tankus the Henge (Schlossplatz); Mike Stern (Spardawelt); James Morrison (Bix); Juno Francis (Stadtpalais) 22.7.
Grace Jones, Joss Stone (Schlossplatz); Michael Wollny Trio (Spardawelt); Harold Lopez-Nussa (Bix); C’est Karma (Stadtpalais)
23.7.
St. Paul & The Broken Bones, Simply Red (Schlossplatz)
Informationen gibt es hier.