Jazz-Open-Vorschau Große Namen und interessante Entdeckungen

Von Bernd Haasis 

Warum Cat Stevens, Van Morrison und Sting, nicht aber Alicia Keys bei den Stuttgarter Jazz Open auftreten werden. Festivalleiter Jürgen Schlensog gibt einen Ausblick auf das Musikspektakel, das vom 9. bis 19. Juli stattfindet.

Einer der Stars der diesjährigen Jazz Open; die Britin Jessie J – hier bei einem Auftritt in Amsterdam Foto: imago/Hollandse Hoogte
Einer der Stars der diesjährigen Jazz Open; die Britin Jessie J – hier bei einem Auftritt in Amsterdam Foto: imago/Hollandse Hoogte

Stuttgart - Die großen Namen, die den Schlossplatz und die Festivalkasse füllen sollen, sind längst bekannt: Cat Stevens, Van Morrison, Sting, Lenny Kravitz, zum siebten Mal in Folge Jamie Cullum. Was aus der genannten Kasse auf anderen Bühnen finanziert wird, präsentiert der Jazz Open-Leiter Jürgen Schlensog gern persönlich. Rund 50 000 Zuschauer erwartet er, rund die Hälfte davon reist von jenseits der Region an, auch aus Frankreich und der Schweiz. „Wir sind eines der vier, fünf großen europäischen Festivals“, sagt Schlensog am Montag in der Sparda-Welt am Hauptbahnhof.

Auf dem Schlossplatz spielt der R&B-Meister John Legend, der erst 13. Künstler überhaupt, der einen Emmy, einen Oscar, einen Grammy und einen Tony gewonnen hat. 2007 war er schon einmal bei Jazz Open auf dem Pariser Platz. „Er hat uns gerettet, als Amy Winehouse ausgefallen ist“, erinnert sich Schlensog. Im Vorprogramm wird die Britin Jessie J auftreten, deren feministischer Power-Pop ein jüngeres Publikum anspricht, außerdem die R&b-Sängerin Corinne Bailey Rae, die sich die Bühne mit Jamie Cullum teilt.

Viele Frauen im Programm

Überhaupt treten viele Frauen beim Festival auf. Die exzentrische Nik West, 2019 in der Sparda-Welt, eröffnet in diesem Jahr auf der großen Bühne für Lenny Kravitz. „Der ist da anspruchsvoll“, sagt Schlensog – „mit Nik war er sofort einverstanden und überlegt nun, sie für weitere Shows zu buchen.“ Im Alten Schloss wird Lisa Simone singen, die einiges von ihrer Mutter Nina­ geerbt hat, aber ihre eigene Singer-Songwriter-Linie pflegt. Sting, der 2019 die Stimme verlor und kurzfristig ausfiel (Schlensog: „Die Abwicklung war ein Albtraum, aber wir waren gut versichert“) holt seinen Auftritt nach und bringt die australische Frauenband Cruel Hearts Club mit. Davor spielt die hochbegabte E-Bassistin Tal Wilkenfeld.

Im Alten Schloss zelebriert der deutsche Experimentator Nils Frahm seine Elektro-Klangcollagen. Herbie Hancock ist dort nach seinem sensationellen Auftritt 2018 noch einmal zu Gast. In der Sparda-Welt ist unter anderen die Blues-Legende Taj Mahal (77) am Start. Und im Jazzklub Bix, dem Ort für die größten Überraschungen, ist zum Beispiel eine Gospel-Jazz-Bürgerrechts-Band namens Ranky Tanky gebucht. Die Pianisten-Dichte ist dort hoch, viele sind jung und hoch talentiert: der Deutsche Pablo Held, der Indonesier Joey Alexander, die US-Amerikaner Mathew Whitaker und Emmet Cohen.

Der Schlossplatz bekommt eine größere Tribüne

Das Festival, zuletzt meist ausverkauft, wächst auch räumlich. „Wir bauen auf dem Schlossplatz eine neue Logen-Ebene“, sagt Schlensog. „Das ist statisch sehr anspruchsvoll, wir brauchen eine ganz neue Tribüne.“ 7000 Besucher passen dann in den Ehrenhof des Neuen Schlosses, den Schlensog auf keinen Fall verlassen will: „Draußen auf dem Platz kämen bis zu 12 000 Besucher unter, aber die Intimität wäre weg. Noch eine 3000er-Indoor-Bühne wäre schön, aber die gibt es nicht. Es ist kein Geheimnis: Stuttgart braucht eine neue Konzerthalle!“

25 Prozent des Jazz Open-Etats kommt aus der Wirtschaft. „Ohne Sponsoring ist so ein Festival nicht zu stemmen“, sagt Schlensog. „Wir sind gut aufgestellt, und das ist gut so, denn die Branche verändert sich. Veranstalter kaufen Künstler und ganze Tourneen weg.“ Als Beispiel nennt er Alicia Keys: „An der sind wir schon lange dran, aber sie macht nun alle Sommerkonzerte mit der Firma Live Nation“, sagt Schlensog und wischt die Bedenken gleich wieder weg: „Wir sind gut vernetzt und halten dagegen mit unserer Individualität und der Schönheit unserer Plätze.“

Das Jazz-Open-Programm

Festival Vom 9. bis zum 19. Juli 2020 bespielt Jazz Open den Ehrenhof den Neuen Schlosses, den Innenhof des Alten Schlosses, die Sparda-Welt und den Jazzklub Bix.

Künstler 9. 7.: Arturo Sandoval, Nils Frahm; 10. 7.: Pink Martini, Bê Ignacio, Spyro Gyra, James Carter Organ Trio; 11. 7.: David Sanborn, Lisa Simone, Quinteto Astor Piazzolla, Melingo, Kandace Springs; 12. 7.: Emmet Cohen; 13. 7.: Herbie Hancock, Ranky Tanky, Dupree Schulz Jenne; 14.7. Stanley Clarke, Robben Ford & Bill Evans, Taj Mahal & Jon Cleary, Pablo Held Trio; 15. 7.: Lenny Kravitz, Nik West, Rymden; 16. 7.: Van Morrison, Cat Stevens, Vincent Peirani Quintet, Indra Rios-Moore; 17. 7.: John Legend, Jessie J, M. Whitaker; 18. 7. Jamie Cullum, Corinne Bailey Rae, Jazz Morley, Joey Alexander; 19. 7.: Sting, Cruel Hearts Club, Tal Wilkenfeld.

Open Stages Mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung und der Stadt Stuttgart finden eintrittsfreie Konzerte im Stadtpalais, im Kunstmuseum und in der Domkirche St. Eberhard statt.




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