Jazztage im Heckengäu Durch den Schlosskeller weht ein scharfer Wind
Ein famoser Auftakt: Die Bigband des Jazzforums Aidlingen eröffnet die zweiten Heckengäu-Jazztage. Besser hätte es kaum laufen können.
Ein famoser Auftakt: Die Bigband des Jazzforums Aidlingen eröffnet die zweiten Heckengäu-Jazztage. Besser hätte es kaum laufen können.
Der Vorstand des Jazzforums Aidlingen (JFA) spricht bereits von Tradition, als er die hauseigene Bigband als Eröffnungsband der Heckengäu-Jazztage ankündigt. Offensichtlich geht Martin Wernado davon aus, dass die Jazztage nicht schon bald Geschichte sein werden. Nach dem Reset des Vereins im Jahre 2019 und dem fulminanten Neustart mit Charly Antolini kamen die Lockdowns und es gestaltete sich schwer, wieder so richtig auf die Beine zu kommen.
Trotz hochrangigem Angebot blieben viele Besucher aus. Doch Wernado lässt sich nicht beirren. Sein Engagement schlägt sich hoffentlich bald in steigenden Besucherzahlen nieder. Der Anfang am Donnerstagabend im Kellergewölbe des Deufringer Schlosses einfinden, war schon mal nicht schlecht.
Nur wenige Stühle bleiben leer und die Bigband um Landesjazzpreisträger und Saxofonist Alexander Bühl nimmt auf der Bühne Platz. Und auf ein Zeichen des Taktstockmeisters lassen fünf Saxofone, fünf Posaunen, vier Trompeten, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug eine akustische Monsterwelle in den Raum schwappen.
Obwohl auf elektronische Verstärkung gänzlich verzichtet wird, weht ein scharfer (Bläser-) Wind durch das alte Gemäuer. Doch eine Bigband ist nun mal kein Lounge-Bar-Trio und Bigband-Fans können leicht auf die angebotenen Ohrstöpsel verzichten. Ungefilterte Musik scheint ihnen lieber zu sein.
Bereits bei der Eröffnungsnummer „Super Chief“ deutet sich an, über welch hervorragende Solisten diese Amateurformation verfügt. Tenorsaxofonist Oliver Guhl setzt das erste Ausrufezeichen. Die Altsaxofonistin Elisabeth Lederer, ein JFA-Bigband-Urgestein, erzählt hernach über die Zusammenarbeit mit Arrangeur, Saxofonist und Bandleader Joe Viera, der die Musiker bis vor knapp fünf Jahren führte. Vor gut zwei Wochen ist der Jazzpädagoge in München, fast 92-jährig, gestorben. 20 Jahre hatte er die JFA-Bigband geleitet, bevor Alexander Bühl übernahm. Trotz der Trauer kann Lederer über einige humorvolle Episoden mit diesem Vollblutmusiker erzählen – und vergisst nicht zu erwähnen, mit welchem hochgradigen Nachfolger man es jetzt zu tun hat.
In nur zwei Probewochenenden im Jahr schwört Bühl seine Musiker auf einen Auftritt ein. „Die Band soll eine eigene Note entwickeln, ohne dass ich ihr meinen Stempel aufdrücke“, sagt dieser nach dem Konzert. Das Resultat lässt sich sehen! War anfänglich noch etwas Nervosität zu spüren schwingt sich die Band in Runde zwei zu unerwarteten Höhen auf. Maßgeblichen Anteil daran haben, wie bereits erwähnt, Oliver Guhl, der von Solo zu Solo mit warmem sattem Ton und feinen Licks noch eins draufsetzt. Die gute Schule STB Bigband, mit der er ebenfalls musiziert, ist deutlich spür- und hörbar.
Meister Bühl selbst greift bisweilen zum Tenorsaxofon, und Sängerin Odilia Damm verzückt schlichtweg. Die facettenreiche Stimme dieser Überfliegerin ist die große Bereicherung für eine Besetzung, die in Vieras Zeiten auf Gesang weitgehend verzichtete. Beim Peter-Herbolzheimer-Arrangement von „I Wish You Love“ scattet sie munter drauf los und tritt mit Altsaxofonist Andreas Rudolph in einen Dialog vom Feinsten. „Movin On“ wird schließlich auch zur Spielwiese des Bassisten Fred Stern, der dem vorausgegangenen kreativen Sax-Solo von Guhl das i-Tüpfelchen schenkt. Mit Carlie Parkers „Ornithology“ und einem weiteren Tenorausbruch Guhls endet das reguläre Programm.
Nicht so beim Publikum, das eine Zugabe will – und sie bekommt. Mit „You Are The Sunshine Of My Live“ verabschieden sich Odilia Damm und die JFA-Bigband. Zurück bleibt die Vorfreude auf die Heckengäu-Jazztage 2025, wo es endgültig zur Tradition werden soll, dass die JFA-Bigband eröffnet.
An diesem Samstag enden die zweiten Heckengäu-Jazztage mit dem legendären Thilo Wagner Trio. An der Abendkasse gibt es Restkarten.