„Jobact to connect“ in Welzheim Mit Theaterarbeit zum Traumberuf

Von Annette Clauß 

Molière kennt man für seine Komödien. Wie der französische Autor des 17. Jahrhunderts Arbeitssuchenden helfen kann, zeigt ein Projekt in Welzheim.

Musa Kaiser (links) und Basher Alsaho in einer Szene des Molière-Stücks Foto: Frank Eppler
Musa Kaiser (links) und Basher Alsaho in einer Szene des Molière-Stücks Foto: Frank Eppler

Welzheim - Molière kennt man als Autor großer Komödien. Dass der Franzose, der im 17. Jahrhundert lebte, Menschen im 21. Jahrhundert bei der Jobsuche helfen kann, beweist ein gemeinsames Projekt des Jobcenters Rems-Murr, der gemeinnützigen Gesellschaft Projektfabrik und der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft in Welzheim. „Jobact to connect“ heißt das Theater- und Qualifizierungsprogramm, das sich an Menschen richtet, die aus verschiedensten Gründen seit Längerem vergeblich nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen.

„Wir glauben, dass darstellende Kunst eine Form ist, die Menschen als Ganzes ergreift, beim Theaterspiel sind Kopf, Herz und Hand gefordert, es ist optimal, um an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten“, sagt Philipp Einhäuser, der Leiter des Erfahrungsfelds der Sinne „Eins + Alles“ in Welzheim. Das Angebot, das die Projektfabrik seit 2005 anbietet, passe zu seiner Einrichtung, denn „wenn wir Inklusion ernst nehmen, müssen wir die Betreuung und Förderung von Menschen mit Behinderungen erweitern und mit einer immer größeren Gruppe zusammenarbeiten.“

Sechs Monate Arbeit am Theaterstück

Ein halbes Jahr lang haben Arbeit suchende Frauen und Männer im Alter von 20 bis 56 Jahren Molières Komödie „Der Bürger als Edelmann“ einstudiert und bei der Theaterarbeit viel über sich selbst erfahren. Ein Vollzeitjob mit Fünf-Tage-Woche, wobei ein Tag für intensive Bewerbungstrainings reserviert war, erzählt die Bewerbungsmanagerin Tabea Leitzinger. Sie ist überzeugt davon, dass es für jeden irgendwo den richtigen Arbeitsplatz gibt.

Die Vermittlungsquote gibt ihr recht: Von ursprünglich 14 Teilnehmern sind fast zwei Monate vor Projektende noch zehn Arbeitsuchende übrig geblieben. Von diesen wiederum hätten acht bereits einen Ausbildungsplatz oder zumindest ein sozialversicherungspflichtiges Praktikum gefunden, erzählt Olga Kalpaktsi vom Jobcenter. Das Angebot „Jobact to connect“ hebe sich durch seine Kombination aus Kultur und Bewerbungsmanagement komplett von allen anderen Angeboten des Jobcenters ab. „Mit der Theaterarbeit sollen die Stärken der Teilnehmer gefördert werden, sie soll sie team- und konfliktfähiger machen“, sagt Olga Kalpaktsi. Anders als beim ersten Kurs Anfang 2017 werde es dieses Mal neben den öffentlichen Aufführungen eine dritte im Landratsamt geben, bei der die Teilnehmer das Stück Mitarbeitern der Agentur für Arbeit, des Jobcenters und des Landratsamtes präsentieren.

Eine bunt gemischte Truppe

Bei der Auswahl der Teilnehmer habe man ganz bewusst eine bunt gemischte Gruppe zusammengestellt, was das Alter und die Herkunft angehe, sagt Robert Steinbock vom Jobcenter Rems-Murr: „Wir wollten nicht, dass es heißt, dass nur für Geflüchtete etwas getan wird.“

Die durch die vielen Vermittlungen hohe und erfreuliche Fluktuation in der Theatertruppe hat die Arbeit für Katharina Naumann zu Königsbrück, die Regisseurin, nicht gerade einfach gemacht: „Wir mussten das Stück immer wieder neu ausrichten, weil Schauspieler weggefallen sind.“ Manch einer, der sich partout nicht wohlfühlte im Rampenlicht, hat sich auf andere Weise engagiert, zum Beispiel als Regieassistent oder als Verantwortlicher für die Lichttechnik. Und manch einer wächst auf der Bühne glatt über sich selbst hinaus: Musa Kaiser zum Beispiel schlüpft bei den Aufführungen in gleich fünf verschiedene Rollen. Basher Alsaho, der aus Syrien stammt und die Hauptrolle spielt, hat gar einen Platz an der Theaterakademie ergattert und seinen Traumjob gefunden.

Zwei Aufführungen in Welzheim

„Der Bürger als Edelmann“ ist am 11. und 12. September jeweils von 19.30 Uhr an im Kaspar-Hauser-Saal, Laufenmühle 8, im Welzheimer Erfahrungsfeld der Sinne zu sehen. Der Eintritt ist frei.




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