Jörg Scheller: Die Kunst und alles andere Ein Hoch auf die Sekundärtugenden

Von Jörg Scheller 

Über die richtige Gesinnung wird derzeit überall intensiv gestritten. Die Bedeutung kleinerer Gaben wie Respekt und Augenmaß wird dabei aber sträflich übersehen.

Jörg Scheller     weiß, dass die ganz großen Anstrengungen für eine bessere Welt nichts sind ohne die gelingenden kleinen Mühen. Foto: Annick Ramp
Jörg Scheller weiß, dass die ganz großen Anstrengungen für eine bessere Welt nichts sind ohne die gelingenden kleinen Mühen. Foto: Annick Ramp

Stuttgart - Allerorten geht es wieder um die großen Fragen. Um Weltordnung, Klimarettung, Identität, Religion, Freiheit, Gleichstellung. Je größer die Herausforderungen, desto lauter werden die Rufe nach den höchsten Tugenden. Vor allem in der Netzöffentlichkeit vernimmt man Stimmen, die sich als eine Art Tugendprüfstelle zu profilieren versuchen und ihre Zeitgenossen einem Edelmut-Screening unterziehen. Hier soll jedoch nicht vom irreführenden und polemischen Begriff des „Tugendterrors“ die Rede sein. Sondern davon, dass sich die Debatten unserer Tage fast nur um Primärtugenden drehen: um die richtige Haltung, die richtige Identität, die richtige Ideologie. Aus dem Blick gerät eine Tugend, die nicht alles ist, ohne die aber alles nichts ist – die Sekundärtugend.