John-Cranko-Schule Baumrettung würde fast eine halbe Million kosten

Von Thomas Braun 

Das Land will für den Neubau der John-Cranko-Schule mehr Gewächse fällen, als der Stadt lieb ist. Die Alternative wäre teuer: 400 000 Euro für 21 zu fällende Bäume weniger. Doch es gibt einen Kompromissvorschlag.

Auf dem Grundstück, auf dem der Neubau der John-Cranko-Schule entstehen soll, müssen Bäume gefällt werden. Foto: Achim Zweygarth
Auf dem Grundstück, auf dem der Neubau der John-Cranko-Schule entstehen soll, müssen Bäume gefällt werden. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Dass Partnerschaften zwischen Stadt und Land mitunter nicht einfach sind, dafür hat es bereits in der Vergangenheit zahlreiche Beispiele gegeben.

Als Exempel taugt da durchaus auch der geplante Bau der John-Cranko-Ballettschule am Urbansplatz. Zuerst gab es Streit um die explodierenden Kosten für den rund 50 Millionen Euro teuren Neubau. Zuletzt standen die für die Baustellenlogistik zu fällenden Bäume auf dem Grundstück im Fokus der Auseinandersetzung. Der Streit ist nun um ein weiteres Kapitel reicher.

Nachdem der Technische Ausschuss und in der Folge auch OB Fritz Kuhn (Grüne) im Sommer an das Land appelliert hatten, auf unnötige Rodungen zu verzichten, waren am Dienstag gleich drei Vertreter des Landesamts für Vermögen und Bau im Ausschuss aufmarschiert, um die Haltung des Landes zu erläutern.

21 Bäume gerettet – 400 000 Euro ausgegeben

Wenn, wie von den Stadträten gefordert, die Baustelleneinrichtung komplett auf die Schützenstraße verlegt werde, müssten zwar nur vier Bäume abgeholzt werden. Die Mehrkosten für die veränderte Logistik beliefen sich aber auf mehr als 400 000 Euro, so der Chef der dem Finanzministerium unterstellten Behörde, Roland Wenk.

Der Amtsleiter schlug eine Kompromissvariante vor: Wenn man die Rampe für die Baustellenauffahrt modifiziere, müssten lediglich zehn statt wie bei der Ursprungsplanung 25 Bäume weichen. Die Kosten von 40 000 bis 80 000 Euro seien im Projektetat noch unterzubringen und der eng gesteckte Zeitplan gerate nicht ins Wanken, so Wenk: „Andernfalls bekommen wir eine neue Einsparrunde.“

AfD: „Die wachsen doch wieder“

Diese Argumentation überzeugte die Räte nicht. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz und sein Grünen-Kollege Peter Pätzold machten deutlich, dass der Vorschlag des Landes für sie ein fauler Kompromiss sei. „Es war das Land, das sich auf dieses Grundstück kapriziert hat. Eine herausgehobene Lage erfordert eben auch eine herausgehobene Baulogistik“, so Kotz. Pätzold sekundierte: „Wir halten unsere Variante nach wie vor für richtig.“ Finanzminister Nils Schmid (SPD) könne sich ja um Sponsoren für die Mehrkosten bemühen, so wie OB Kuhn den Sportwagenhersteller Porsche zur Finanzierung des städtischen Anteils an den Baukosten ins Boot geholt habe, so der Grüne. Ablehnung kam auch von der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke/Plus. „Das Land als Investor muss die Mehrkosten tragen“, so Linken-Stadtrat Christoph Ozasek. Nur Martin Körner (SPD) konnte sich für den Vorschlag des Landes erwärmen. AfD-Rat Eberhard Brett äußerte dagegen Unverständnis: „Es ist für mich unvorstellbar, dass so viel Steuergeld für Bäume ausgegeben wird – die wachsen doch wieder.“ FDP-Stadtrat Matthias Oechsner bekannte freimütig, er sei „kein Baumfreak“. Allerdings seien auf den von Wenk präsentierten Schaubildern widersprüchliche Zahlen zu lesen. „Bei einem so sensiblen Thema geht das nicht“, erklärte der Liberale.




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