Jubiläum Feuerwehr Plattenhardt So hat Brandbekämpfung vor 100 Jahren funktioniert

Matthias Stoll, der Kommandant der Feuerwehrabteilung Plattenhardt, präsentiert eine historische Kinderuniform. Foto: Pauline Strempel

Vor 100 Jahren ist die Feuerwehr Plattenhardt gegründet worden. Wie hat sich die Brandbekämpfung seitdem verändert? Und wie begehen die Kameradinnen und Kameraden ihr Jubiläum?

Bis zum Bau der Wasserleitung in Plattenhardt im Jahr 1906 transportierten Feuerwehrmänner das Wasser in rucksackähnlichen Butten. Oder sie reichten es per Menschenkette in Ledereimern bis zum Brandort weiter. Denn die damalige Pumpe war noch nicht selbstsaugend. „Das war natürlich keine effektive Brandbekämpfung“, sagt Matthias Stoll, der seit etwa 20 Jahren Feuerwehrmann ist. In den vergangenen Jahren wurden er und seine Kameraden durchschnittlich zu 30 bis 40 Einsätzen gerufen. Das Jahr 2021 war ein Ausreißer. Allein in einer Nacht kam es zu 70 Unwettereinsätzen. Dennoch gehe es im ländlichen Plattenhardt ruhiger zu als in der Stadt. Auch die Selbsthilfe sei auf dem Land stärker ausgeprägt.

 

Einer der prägendsten Einsätze war für Matthias Stoll der Brand im Sägewerk Eugen Waidelich in der Burkhardtsmühle im Jahr 2005. Während der Hauptversammlung seien die Sirenen losgegangen. „Wir waren eigentlich in feinem Zwirn und haben gemütlich auf das gemeinsame Abendessen gewartet“, erinnert sich der gelernte Kommunikationselektroniker, der hauptberuflich Brandanlagen baut. Weil es dunkel war, hätten sie von Weitem schon die Flammen gesehen. „Vor Ort muss man funktionieren. Wir haben die Abläufe oft geübt, da überlegt man wenig“, so Stoll. Infolge solcher Großeinsätze herrsche das Gefühl, gemeinsam etwas geschafft zu haben. Das stärke den Zusammenhalt, der, so Stoll, ohnehin von einer tollen Kameradschaft geprägt sei. Die Einsatzkräfte würden sich zusammensetzen und das Erlebte aufarbeiten.

So funktionierte Brandbekämpfung früher

2023 feiert die Feuerwehr Plattenhardt ihr 100-jähriges Jubiläum. Vor ihrer Gründung 1923 existierte lediglich eine Pflichtfeuerwehr, die jeden männlichen Bürger zu Brandbekämpfungseinsätzen aufforderte. Väter, so heißt es in den Archiven, durften entscheiden, ob sie selbst losziehen, oder ihre Söhne schicken. Männer wurden in zwei Rotten eingeteilt, die Rotte der Verheirateten und die Rotte der Ledigen, die auch nachts und außerorts zu Einsätzen gerufen wurden.

Ein Erlass vom Oberamtsrat führte 1923 zur formellen Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Plattenhardt. Infolgedessen wurden Ausbildungsstrukturen und eine Zuständigkeitsstruktur in der Brandbekämpfung geschaffen. Vereine der Umgebung wurden angeschrieben, um Mitglieder zu akquirieren. Die Startmannschaft bestand aus 74 Feuerwehrmännern. Derzeit sind es knapp 50 Mitglieder. Die Schwankungen der Mitgliederzahl führt der jetzige Abteilungskommandant Matthias Stoll auf den Zulauf der Jugendfeuerwehr zurück. In der Coronazeit gab es einen kleinen Zuwachs. „Feuerwehrleute durften nachts draußen bleiben. Ich glaube, das hat einige motiviert, sich bei der Feuerwehr zu engagieren“, meint Stoll. Zwei bis drei Frauen beteiligen sich pro Lehrgang, zurzeit hat die Mannschaft eine Frau.

Ein Seifenkistenrennen zum Jubiläum

Zum Jubiläumsjahr organisiert die Feuerwehr Plattenhardt ein Seifenkistenrennen. „Die Organisation des Rennens ist spannend, weil wir damit noch keine Erfahrung haben“, findet Stoll. Für Fragen zur Zeitnahme, Streckenkontrolle, zur Steilheit der Strecke und den Regeln stütze sich die Feuerwehr auf die Expertise des württembergischen Seifenkistenverbands. Die Feuerwehr selbst nimmt ebenfalls an dem Rennen teil.

Bereits zum autofreien Sonntag im Jahr 2003 baute die Abteilung Plattenhardt eine Seifenkiste in Form einer Dreschmaschine. Die Dreschmaschine geht auf eine Legende aus dem Jahr 1912 zurück, laut der die Feuerwehrleute damals zu einem Einsatz in Bonlanden eine Dreschmaschine statt der Feuerwehrspritze mitgenommen haben sollen. „Die Legende ist ausgedacht. Recherchen des Archivars haben ergeben, dass es zur damaligen Zeit noch gar keine Dreschmaschinen gab“, klärt Stoll auf.

Die Feuerwehr braucht ein neues Haus

Mit Blick auf die Zukunft wurde vom Gemeinderat ein neues Feuerwehrhaus bewilligt. Auf welchem städtischen Grundstück es unterkommen soll, ist allerdings noch unklar. „Momentan haben wir keine Umkleide. Die Feuerwehrleute ziehen sich hinter den Fahrzeugen um“, so Stoll und zeigt auf Kleiderhaken und Uniformen, die an der hinteren Wand des Feuerwehrhauses hängen. „Es wäre schön, wenn wir uns zukünftig in Umkleiden umziehen könnten“, sagt er schmunzelnd.

Veranstaltungen zum Jubiläum

Straßenfest
Anlässlich des Jubiläumsjahres organisiert die Feuerwehr Plattenhardt ein Straßenfest vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2023. Das Seifenkistenrennen findet im Rahmen des Straßenfests am 2. Juli 2023 statt. Anmeldeschluss zur Teilnahme am Seifenkistenrennen mit einer eigenen Seifenkiste ist der 23. Juni. WEITERE GENAUERE INFOS?!?!

Blaulichtparty
Zudem veranstaltet die Feuerwehr Plattenhardt eine Leistungsabzeichenabnahme am 23. September 2023 mit anschließender öffentlicher Blaulichtparty in der Weilerhauhalle.

Weitere Themen