Jubiläum in Stuttgart-Hofen Pfarrei St. Barbara wird 500 Jahre alt
Die katholische Kirchengemeinde St. Barbara in Hofen feiert in diesem Jahr Jubiläum. Die langjährige Geschichte gibt es in einem Jubiläumsbuch nachzulesen.
Die katholische Kirchengemeinde St. Barbara in Hofen feiert in diesem Jahr Jubiläum. Die langjährige Geschichte gibt es in einem Jubiläumsbuch nachzulesen.
Hofen - Peter Harrer hat zusammen mit Erich Schweiker und Hans Gaulocher die Geschichte der Pfarrei aufgearbeitet. Das Jubiläumsbuch, welches nun vorliegt, umfasst 144 Seiten und stellt einen Überblick über die Geschichte der Pfarrei und auch darüber hinaus dar. Anfang 2020 noch vor Beginn der Coronazeit haben die drei Verfasser erstmals über ein mögliches Buchprojekt gesprochen. Aus alter Verbundenheit zur Gemeinde wurden sie aktiv und ab Mai 2020 nahm das Projekt in Abstimmung mit dem Hofener Kirchengemeinderat an Fahrt auf. „Seither sind wir mehr oder weniger ständig, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, damit beschäftigt“, sagt Harrer. Er ist Schweiker sehr dankbar für seine gestalterische Tätigkeit, er hat im Wesentlichen die folgerichtige Einteilung der Kapitel und die Gestaltung der Buchseiten sowie darin die stimmige Zuordnung der Fotos gestaltet. Gaulocher oblagen neben dem ständigen Korrekturlesen die Recherche und besonders die Aufarbeitung der aus Hofen stammenden Priester und Ordensleute.
„Besonders schwierig für uns war, dass wir als Laien außer unserem Ehrgeiz zunächst keinerlei einschlägige Erfahrung hatten, wie man so ein Projekt angeht und insofern auch nicht einschätzen konnten, was da in den nächsten eineinhalb Jahren auf uns zukommen würde“, so Harrer.
Als wichtige Informationsquellen „neben unseren persönlichen Erfahrungen als ehemalige Ministranten und Zeitzeugen der vergangenen Jahrzehnte“ erwiesen sich zunächst das Heimatbüchlein von Pfarrer Theophil Faßnacht aus dem Jahre 1887 und insbesondere das Festbuch von Pfarrer Johannes Barth aus dem Jahre 1974. Des Weiteren die Pfarrei-Chronik von Pfarrer Hermann Veeser über die Jahre 1979 bis 2010 und die Diplomarbeit von Georg Ott zur Baugeschichte der St. Barbara-Kirche von 1983. Neben der Auswertung alter Gemeindebriefe und diverser Sitzungsprotokolle erwiesen sich auch das Hofener Pfarrarchiv und das Hauptstaatsarchiv in Stuttgart als ergiebig. Am Ende des Buches ist die Vielzahl der Informationsquellen aufgelistet.
Überrascht hat Verfasser Harrer „die Beharrlichkeit und die zeitweilige Streitbarkeit der Hofener Gemeinde“, welche sich wie ein roter Faden durch die nun 500-jährige Geschichte nachverfolgen lässt. „Überrascht hat auch“, sagt Harrer, „wie das ursprünglich noch sehr stark katholisch geprägte Hofener Gemeindeleben im Bewusstsein der öffentlichen Wahrnehmung insbesondere in den zurückliegenden 50 Jahren in zunehmendem Maße immer mehr an Bedeutung verloren hat.“ Als wichtig bewertet Harrer dennoch, dass ein gut funktionierendes Gemeindeleben noch immer, wenn auch heutzutage in wesentlich bescheidenerem Maße, im Kontext mit der religiösen Gemeinde gesehen und bewertet werden muss.
Aus der jüngeren Pfarrei-Geschichte wird deutlich, dass Pfarrer Hermann Veeser die Hofener Gemeinde besonders lange und intensiv geprägt hat. Er war der 41. und zugleich der letzte verantwortliche Pfarrer in der langen Hofener Pfarrei-Geschichte, der noch im alten Pfarrhaus in der Faßnachtstraße gewohnt hat. Mit seinem Wegzug im März 2011 endete diese jahrhundertelange Ära. Hofen hatte nach 457 Jahren keinen eigenen Pfarrer mehr. „Das wurde insbesondere auch deshalb als schmerzhaft empfunden, weil Pfarrer Veeser bei aller Ernsthaftigkeit seiner Amtsführung auf die Leute zugehen konnte, unabhängig ihrer religiösen oder gesellschaftlichen Orientierung. Er mischte sich auf Augenhöhe unter die Leute und wurde als einer von ihnen wahrgenommen und anerkannt. Er fühlte sich in seiner über 31 Jahre währenden Amtszeit immer wohl in Hofen und er wollte nach eigenem Bekunden nirgendwo anders Gemeindepfarrer gewesen sein“, so Harrer.
„Es war ein gegenseitig sich befruchtendes Geben und Nehmen, es hat mit ihm einfach gepasst“, sagt Harrer, noch heute, nach fast zwölf Jahren seit seinem Wegzug spreche man mit Respekt und mit Hochachtung über ihn.Pfarrer i. R. Hermann Veesererfreut sich in seinem nun 82. Lebensjahr nach wie vor sehr guter Gesundheit. Im gesamten Bodenseeraum ist er als Seelsorger im „Un-Ruhestand“ zur Aushilfe im priesterlichen Dienst ebenso geschätzt wie gefragt. Aus allen Gesprächen mit ihm wird deutlich, dass er noch immer sehr an seiner alten Gemeinde hängt und er interessiert Anteil am aktuellen Geschehen nimmt; auch über das Jubiläumsfestbuch freut er sich sehr. Viele betagte Hofener Gemeindemitglieder ruft er noch heute zu deren runden Geburtstagen persönlich an und gratuliert.
Die Pfarrei in Hofen hat in ihrer 500-jährigen Geschichte viele Aufs und Abs erlebt. Eine als relativ schwer empfundene Zeit dürften die Jahre unmittelbar vor dem Baubeginn der Kirche 1783 gewesen sein. Der in den Jahrzehnten davor von den Hofenern vehement geforderte Neubau der Kirche verzögerte sich immer wieder. Die ungeduldig gewordenen Gemeindeoberen griffen in der Angelegenheit letztendlich zu einer List. Sie bekundeten ihre Zustimmung zum Bau einer von der Württembergischen Regierung ins Spiel gebrachten Simultankirche, was letztendlich bedeutet hätte, dass die bisherige katholische Enklave Hofen aufgeweicht worden wäre. Der Neubau der Kirche wurde letztendlich bewilligt.
Auch gab es größte existenzielle Ängste für das gesamte Dorf Hofen, als ein französischer General in den Revolutionskriegen (1792 bis 1802) damit drohte, den Ort Hofen durch Kanonenbeschuss vollkommen zu zerstören. Der damalige Hofener Pfarrer Ignaz Schreiber wurde auf sein Bitten zum General vorgelassen und es gelang ihm, diesen von seinem Plan der Vernichtung Hofens abzubringen. Auch aktuell leidet die Pfarrgemeinde kollektiv unter der großen Vertrauenskrise, welche die Kirche in Deutschland durch den 2010 aufgedeckten Missbrauchsskandal selbst heraufbeschworen hat. Noch immer kehren viele Mitglieder ihrer Kirche den Rücken, ein dramatischer Rückgang an Neupriestern und damit einhergehende notwendige Umstrukturierungen bisher gewohnter und bewährter Gemeindestrukturen bewirken ein Übriges. Schon im Jahre 2002 zeichnete sich mit der Schaffung der „Seelsorgeeinheit Stuttgarter Madonna“ das Ende der bisher gewohnten Hofener Selbstständigkeit ab.
Seit 2017, mit dem Amtsantritt von Pfarrer Ludwig-Frank Mattes, ist die Kirchengemeinde Hofen als eine von aktuell fünf Teilgemeinden in die etwa 9000 Mitglieder zählende, nun als „Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna“ in Erscheinung tretende Großgemeinde integriert. Für alle Teilgemeinden sind diese Zusammenschlüsse mit unterschiedlichen und mehr oder weniger großen Herausforderungen verbunden, wobei sich damit insbesondere das traditionsbewusste Hofen noch immer etwas schwertut.
Selbstverständlich durfte die Pfarrei auch immer wieder als sehr positiv und schön wahrgenommene Höhepunkte erleben. So beispielsweise 1765 die Einweihung der Wendelinus-Kapelle, 1887 die Einweihung der Lourdes-Grotte neben der Kirche oder 1979 die Einweihung der Antonius-Kapelle auf dem Schinderbuckel. Weitere Höhepunkte waren zweifellos 1884 die große Feier zum 100-jährigen Weihejubiläum der Kirche und 1984, als man in Anwesenheit von Bischof Dr. Georg Moser den 200. Weihetag der Kirche feiern durfte. Auch die zahlreichen sogenannten „Dachplattenfeste“ rund um den Kirchturm in den 1980er und 1990er Jahren sind größtenteils noch heute in lebendiger und angenehmer Erinnerung.
Das Festprogramm
Virtueller Rundgang
Die Planungen eines angemessenen Jahresprogramms sind für die Gemeindeverantwortlichen nicht einfach und unterliegen Corona-bedingt noch immer einem gewissen Vorbehalt. Unabhängig davon sind die Angebote des virtuellen Rundganges, die Buchvorstellung und der Festgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst bereits fest eingeplant. Ein Link wird Mitte Januar 2022 auf der Homepage der Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna unter St. Barbara veröffentlicht. Man kann sich dabei die Kirche aus fünf Perspektiven betrachten.
Festgottesdienst
Der eigentliche Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird das feierliche Hochamt mit Bischof Gebhard Fürst am Samstag, 18. Juni, um 17 Uhr in der St. Barbara Kirche sein. Weitere Jubiläumsaktivitäten wie Vorträge, Kirchenführungen sind in Vorbereitung und werden zeitnah bekannt gegeben.
Buchvorstellung
Die Vorstellung des neuen Festbuches „500 Jahr Pfarrei St. Barbara Stuttgart-Hofen 1522 bis 2022“ soll nach der Abendmesse am Donnerstag, 10. März, stattfinden. In welcher Form das stattfinden kann, ist noch offen und wird zeitnah bekannt gegeben. Das Buch hat 144 Seiten und kostet fünf Euro.