Jüdische Gemeinde Synagoge in Konstanz gefährdet

Von Wolfgang Messner 

Der Bau der Synagoge in Konstanz ist überraschend in Gefahr geraten. Längst sollte sie fertig sein, doch nun fehlt das Geld. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden will nicht als Retter einspringen.

Es war alles so schön geplant. Aber die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden will die über die Jahre aufgelaufenen Mehrkosten nicht übernehmen. Foto: dpa
Es war alles so schön geplant. Aber die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden will die über die Jahre aufgelaufenen Mehrkosten nicht übernehmen. Foto: dpa

Konstanz - Der Bau der Synagoge in Konstanz ist überraschend in Gefahr geraten. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden sieht sich nach Angaben ihres Vorsitzenden Wolfgang Fuhl nicht in der Lage, die Mehrkosten in Höhe von rund 700 000 Euro aufzubringen. An diesem Sonntag kommt der Oberrat der Gemeinschaft in Karlsruhe zu einer Krisensitzung zusammen, um die Lage zu besprechen.

Das jüdische Gotteshaus sollte eigentlich schon längst fertig gestellt sein. Ein Rechtsstreit der Israelitische Kultusgemeinde Konstanz mit dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden lähmte jahrelang das Projekt. Seit dem Jahre 2002 laufen die Planungen dafür. Damals stellte die Stadt mitten in der Altstadt kostenlos einen Bauplatz zur Verfügung, der unweit von dem ursprünglichen Standort der von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge liegt. Der Gegenwert des Grundstücks wurde auf 615 000 Euro festgelegt. Mit weiteren 115 000 Euro beteiligt sich die Stadt Konstanz zudem an den Baukosten, auch um so der historischen Verantwortung gerecht zu werden, wie stets betont wurde. 845 000 Euro trägt die jüdische Gemeinde zum Gelingen bei. Sie muss das Geld beim Oberrat als Kredit aufnehmen.

Orthodoxe und liberale Gemeinde wurden zwangsvereinigt

Ende vergangenen Jahres schien dann alles klar zu sein. Die beiden zerstrittenen Gemeinden sollten zur Einheitsgemeinde fusionieren, der Richtungsstreit beendet werden. Das kommt dem eher orthodoxen Oberrat entgegen, der die 330 Juden in der 85 000-Einwohner-Stadt vereint sehen möchte. Auch die Finanzierung für das 2,85 Millionen Euro teure Gebäude stand. Ende 2013 wollten die Juden hier ihren ersten Gottesdienst feiern. Ob daraus etwas wird, steht nun in den Sternen. Denn in der Zwischenzeit hat sich das Gebäude um ein Viertel auf 3,5 Millionen Euro verteuert.

Der Oberrat der Israeliten geht von Mehrkosten in Höhe von rund 700 000 Euro aus. Verantwortlich für die gestiegenen Baukosten macht der Vorsitzende Fuhl die jahrelangen Verzögerungen und der ungünstige Bauplatz, wo ein ehemaliges Hotel aus Denkmalschutzgründen zumindest teilweise erhalten bleiben soll. Auf 1,8 Millionen Euro hat der Oberrat der Religionsgemeinschaft seinen Zuschuss begrenzt. „Dabei bleibt es wohl auch“, sagt der Vorsitzende Fuhl, schon aus Paritätsgründen. Höhere Subventionen hätten auch die Neubauten der Synagogen in Lörrach und Rottweil nicht erhalten.

Die Stadtverwaltung weiß nichts von den Problemen

Woher das Geld stammen soll, weiß der Vorsitzende der 5300 Juden in Baden auch nicht. „Wir als Israelitische Religionsgemeinschaft haben die Verzögerungen und auch die zusätzlichen Aufwendungen für den Denkmalschutz nicht zu verantworten“, meint Fuhl. Entweder erhöhe die Gemeinde in Konstanz ihren Beitrag, was aber unwahrscheinlich sei, oder die Stadt und das Land geben einen Zuschuss.

Von den Vorgängen überrascht zeigt sich die Stadtverwaltung in Konstanz. „Von Problemen haben wir vom Oberrat bisher noch nichts gehört“, teilt der städtische Pressesprecher auf eine Anfrage hin mit. Die Stadt habe die Baugenehmigung für die Synagoge bereits erteilt. „Wir gehen davon aus, dass das Projekt nach wie vor realisiert wird. Alles ander würde uns überraschen“, so sagte der Sprecher weiter. Der Streit innerhalb der Konstanzer Religionsgemeinschaft geht indes weiter. Die liberale jüdische Gemeinde hat die Zwangsfusion von oben nicht anerkannt und klagt derzeit dagegen in Frankfurt vor dem obersten Schiedsgericht der Israelitischen Gemeinden in Deutschland.

Anmerkung: Der Text wurde am 03. Juli 2012 von der Redaktion im zweiten Satz des zweiten Absatzes auf Wunsch der jüdischen Gemeinde Konstanz geändert.