Jürgen von der Lippe mit „Voll fett“ Fröhliches Fremdschämen

Von Kathrin Horster 

Das Comedy-Urgestein Jürgen von der Lippe knöpft sich in seiner aktuellen Show „Voll fett“, die er im Hegelsaal präsentiert hat, die Jugend vor. Aber ältere Semester werden genauso zur Zielscheibe seines unbekümmerten Spotts. Ein Gag-Gewitter nach bestem Rezept.

Spott ist seine Profession: Jürgen von der Lippe Foto: dpa
Spott ist seine Profession: Jürgen von der Lippe Foto: dpa

Stuttgart - Stolz schiebt Jürgen von der Lippe seinen wohlgerundeten Bauch im schwarzen T-Shirt und von einem kreischend-bunten Hawaiihemd einigermaßen figurschmeichelnd umflattert auf die Bühne des Hegelsaals. „Voll fett“ heißt die aktuelle Show, die das inzwischen siebzigjährige Comedy-Urgestein am Freitag vor fast ausverkaufte Ränge gewuchtet hat.

„Voll fett“ ist dabei nicht nur die mächtig übertriebene Zustandsbeschreibung der Körperlichkeit des Spaßmachers, sondern auch als Verweis auf den Inhalt des Abends zu verstehen. Jeder Satz, den von der Lippe genüsslich von der Zunge rollt, ist wie eh und je gespickt mit frivolen Gags und kräftigen Zoten. Es sei ein Programm für Senioren, weil er selber einer sei, erklärt von der Lippe, und lenkt den Blick zunächst auf die aus altersbedingter Distanz merkwürdig wirkende Spezies der Teenager.

Eine dicke Vegetarierin? Ist eine Biotonne, logisch!

Die bezeichnen eine Sause für Menschen über Dreißig als Gammelfleischparty, und wenn sich 16-jährige über Biolärm beschweren, fühlen sie sich vom Vogelgezwitscher gestört. „Da wächst eine neue Generation von Romantikern heran“, sagt von der Lippe und grinst, „Eichendorff hätte seine helle Freude gehabt“. Eine dicke Vegetarierin nennt man heute übrigens „Biotonne“ und die Partnerin eines Mannes „Nebengeräusch“.

Doch auch ältere Leute werden zur Zielscheibe unbekümmerten Spotts; auf einer Leinwand flimmert das Video einer Greisin, die ihr Gebiss höchst artistisch im Mund herumjongliert. Ein Standbild zeigt zwei betagte Herrschaften nackig auf einer Jacht. Man weiß gar nicht, wo man hinsehen soll vor lauter Falten. Den Gipfel der fröhlichen Fremdscham aber erklimmt Jürgen von der Lippe im Gewand seiner Eigenschöpfung Kalle, jenem Berliner Mega-Proll und Heavy-Metal-Fan, der gerade seinen „ersten Langstreckenflug nach Malle“ absolviert hat, und ausführlich über Pipi, Kacka und Kotze referiert. Unübertroffen sind Lippes Parodien von Peter Maffay, Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg. Das ist zwar alles nichts Neues, es ist aber doch am Schönsten, wenn alles so bleibt, wie es war.




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