Ein KI-generiertes Rezept mit Zutaten aus einem intelligenten Kühlschrank? Das probiert Sindelfingens OB Bernd Vöhringer gleich mal aus. Foto: /Stefanie Schlecht
Wie lange ist die Milch in meinem Kühlschrank noch haltbar? Und wer ist im Unterricht lauter – Jungs oder Mädchen? Antworten auf solche und noch viel mehr Fragen bieten Nachwuchswissenschaftler beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ in Sindelfingen.
Ein intelligenter Schulrucksack, der Alarm schlägt, wenn man das Buch für die Mathestunde vergessen hat? Ein Haarpflegespray für Umweltbewusste? Ein Kleiderschrank, der mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ein Outfit vorschlägt?
Solche Ideen sind am Freitag in der Stadthalle Sindelfingen zu sehen. Da zeigen 89 Nachwuchswissenschaftler aus den Kreisen Böblingen, Stuttgart und Ludwigsburg beim Regionalwettbewerb Mittlerer Neckar von „Jugend forscht“ ihre Projekte aus verschiedenen Bereichen. Unter dem Motto „Mach Dir einen Kopf!“ stellen sie der Öffentlichkeit 48 innovative Ideen vor – und zeigen, dass nicht nur sie als Erfinder intelligent sind.
Rezeptvorschläge direkt vom Kühlschrank
Fabian Then vom Otto-Hahn-Gymnasium Böblingen hat etwa einen intelligenten Kühlschrank entwickelt. Der hilft dabei, weniger Lebensmittel zu verschwenden. Der Kühlschrank erkennt mit einer Kamera, was man reinstellt, und merkt sich auch gleich das Haltbarkeitsdatum – Fabian hat das Programm mit den Daten trainiert. So kann es anzeigen, welche Lebensmittel als nächstes ablaufen. Um die möglichst schnell und einfach zu verbrauchen, schlägt der Kühlschrank mithilfe von KI sogar Rezepte vor.
Beim Rundgang der Stadt Sindelfingen am Freitagvormittag – sie ist Patin des Wettbewerbs – probiert OB Bernd Vöhringer das gleich mal aus. Was kann man aus einer Paprika, Karotten und einer Tüte Milch zaubern? Der Blick auf den Bildschirm zeigt: Suppe! Für seine Innovation hat der 14-jährige Fabian Then den ersten Preis im Bereich Arbeitswelt erhalten – in der Sparte „Schüler experimentieren“, so heißt der Wettbewerb für Unter-15-Jährige. Erst ab 15 tritt man bei „Jugend forscht“ an.
Mia Madlen Gentner erklärt ihr umweltfreundliches Haarspray. /Stefanie Schlecht
So wie Mia Madlen Gentner aus Holzgerlingen. Die 18-Jährige hat ein Haarpflegespray für umweltbewusste Verbraucher entwickelt und damit Platz eins im Bereich Chemie belegt. Das Spray hat sie in trockene Form gebracht, sodass man es selbst mit Wasser aktivieren kann – und so keine Verpackung braucht.
Die KI berät bei der Wahl der Garderobe
Lucy Madeleine Naß und Anka Schwidtal vom Beruflichen Schulzentrum Leonberg haben einen Smart Dresser erfunden, der ihnen bei der täglichen Qual der Kleiderwahl zur Seite steht. Morgens seien sie oft spät dran gewesen und mussten zum Bus rennen, erzählen sie – daher die Idee. Die Kleidung im Schrank muss man fotografieren, die KI im Programm erkennt sofort, worum es sich handelt. Dann gibt man ein, wo man ist und für welchen Anlass man sich kleiden will – eher schick, eher Alltag? Aus dem Internet sucht sich das Programm das Wetter raus und schlägt entsprechende Outfits vor. Damit die Farben sich nicht beißen, kann man bestimmte Vorlieben einstellen. Die Erfindung hat ihnen Platz eins im Bereich Mathematik und Informatik beschert.
Der faule Apfel wird aussortiert – und direkt vom Band geschubst. /Stefanie Schlecht
Tim Teuffel, Bastian Schifano und Tobias Rick vom Beruflichen Schulzentrum Leonberg haben ein Programm entwickelt, das faule Äpfel von guten unterscheidet. Auf einem Laufband fahren die Äpfel unter eine Kamera und werden von der KI sortiert – die faulen kickt ein mechanischer Arm gleich vom Band. Das Programm kann angepasst werden und auch andere Dinge sortieren. Dafür gab es Platz eins im Bereich Technik.
Theo Ernst, Constantin Dölker und Joshua Karr (v.l.) haben untersucht, ob Mädchen oder Jungs lauter sind. /Stefanie Schlecht
Joshua Karr, Constantin Dölker und Theo Ernst gehen in die 6. Klasse am Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen. Die Elfjährigen waren es leid, ständig zu hören, die Klasse sei so laut, weil viele Jungs darin sind. Also wollten sie beweisen, dass Jungs gar nicht lauter sind als Mädchen. Sie maßen die Lautstärke in einem Klassenraum und fanden heraus: Sind sie doch. Zumindest ein klitzekleines bisschen. Wissenschaft kann eben auch enttäuschend sein.
Sechs Projekte bekommen den Regionalsieg bei „Jugend forscht“, vier bei „Schüler experimentieren“. Diese Projekte dürfen jetzt zum Landeswettbewerb. Für die Jüngeren endet der Wettbewerb dort, die letzte Runde für „Jugend forscht“ ist das Bundesfinale im Mai und Juni.