Jugend musiziert Böblinger Musiktalente spielen ganz oben mit

Die Böblinger Geigerin Luisa Schwegler glänzte auf der Bühne. Foto: /Stefanie Schlecht

Bei einem besonderen Konzert in Böblingen haben Künstler aus dem Kreis unter anderem gezeigt, dass auch der Körper ein gutes Instrument sein kann.

War es ein Konzert? Auch. Vor allem aber war es ein musikalisches Fest. Der Wettbewerb „Jugend musiziert“ wurde vor 60 Jahren vom Tonkünstlerverband initiiert. Anwesend war daher am Wochenende auch Ralf Püpcke, Geschäftsführer des Tonkünstlerverbands Baden-Württemberg.

 

Der Kreis Böblingen feiert sein 50-jähriges Bestehen. Er zählt nicht nur wirtschaftlich zu den Top-Landkreisen in Deutschland, sondern auch die hiesigen Jugend-musiziert-Teilnehmer zählen regelmäßig zu den Besten in Deutschland. Der Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzender Michael Fritz informierte über das Engagement seines Hauses: Jugend-musiziert-Konzerte finden seit 27 Jahren in den Räumen der Kreissparkasse statt. Seitdem wurden 100 Konzerte mit über 4000 Musikern veranstaltet. Zu den Konzerten kamen insgesamt 20 000 Zuhörer, das Geldhaus mit dem roten S spendete etwa eine halbe Million Euro an Unterstützung.

Ensemble Emiliana leider nicht gekommen

Siegfried H. Pöllmann, der mittlerweile seit 28 Jahren den Regionalwettbewerb organisiert, bedankte sich bei seinen Mitstreitern Bettina und Gregor Daszko sowie Stephan Bergdolt, Lehrer am Albert-Einstein-Gymnasium.

Auf der Bühne musizierten keine aktuellen Preisträger, sondern ihre gereiften Vorgängerinnen und Vorgänger. Ihre exzellenten Darbietungen wurden vom Publikum im voll besetzten Sparkassenforum begeistert gefeiert. Ausgesprochen schade war der gesundheitsbedingte Ausfall des Ensembles Emiliana. Die vier Schwestern Emilsson hätte man gern als Streichquartett erlebt.

So spielte die Geigerin Sofia Katharina Emilsson temperamentvoll den dritten Satz aus Tschaikowskys berühmten Violinkonzert. Virtuose Brillanz und exzellente Musikalität zeichnete das Spiel von Laura Schmid aus, die mit ihrer Blockflöte große musikalische Präsenz ausstrahlte. Sie ist seit Kurzem als Dozentin in Luzern tätig.

Böblinger Geigerin Luisa Schwegler hat hohe Ziele

Die Böblinger Geigerin Luisa Schwegler machte ihre ersten Orchestererfahrung im Albert-Einstein-Gymnasium und steuert eine Stelle bei den Berliner Philharmoniker an. Sie glänzte mit Variationen über ein eigenes Thema von Henri Wienawski. Ihr ebenso brillanter wie warmer Ton sprach nicht nur für das Instrument aus dem 18. Jahrhundert, sondern auch für Ihre künstlerische Reife. Jorid-Rabea Haakh interpretierte von Carl Maria von Weber das Andante et Rondo Ungarese. Sie wurde ebenso wie Luisa Schwegler am Klavier begleitet von Nadine Hartung. Fagott erfordert nicht nur erhebliche Luftquantität, sondern auch eine äußerst anspruchsvolle Technik, um die verschiedenen Klappen zu bedienen – eine tolle Interpretation. Um auf zwei Beinen zu stehen, absolviert sie gerade ein Studium zur Bauingenieurin und erhielt bereits einen Preis vom Verein des Gas- und Wasserfaches.

Auch Pianistin Annique Göttler hat einen individuellen Weg gewählt. Sie überzeugte mit Frédéric Chopins erster Ballade op. 23. In ihrem Studium der Wirtschaftsinformatik lernte sie die Möglichkeiten des Internets zu nutzen. Sie bekannte: „Das Internet ist die größte Konzertbühne der Welt.“ Sie hat über 120 000 Follower auf Instagram und fast 250 000 Abonnenten auf YouTube.

Den fulminanten Abschluss gestaltete der Perkussionist Kai Strobel. Er war – wie Göttler – nicht nur erster Preisträger bei Jugend musiziert auf Bundesebene, sondern 2019 erster Preisträger beim anspruchsvollen ARD-Wettbewerb. Neben Kompositionen für Vibraphon und Snare-Drum interpretierte er Sahans „Home Work for Body“. Mit Sprachlauten, Klatschen, Klopfen und Fingerschnalzen zeigte Strobel, dass auch der Körper ein tolles Instrument für die Erzeugung von perkussiven Klangfarben sein kann. Jubelnder Beifall.

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