Er versteht sich als Interessenvertretung für junge Menschen im Gemeinwesen und Sprachrohr für deren Anliegen in Verwaltung und Gemeinderat. Seit Anfang des Jahres ist David Homola kommunaler Jugendreferent in Denkendorf.
Vier Schwerpunkte hat sich der 45-Jährige für seine Arbeit vorgenommen: eine Beteiligungskultur und eine Politik des Gehörtwerdens zu etablieren, junge Menschen für Politik und Demokratie zu gewinnen sowie ihr Interesse für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu wecken. In erster Linie hat Homola, dessen Stelle vom Kreisjugendring (KJR) getragen wird, jedoch Koordinierungsaufgaben. Der KJR nimmt in Denkendorf drei Aufgabenbereiche wahr: die Offene Kinder- und Jugendarbeit im Kinder- und Jugendzentrum Focus, die Schulsozialarbeit sowie die Leitung der verlässlichen Ganztagesbildung (früher Ganztagesbetreuung) und Ferienbetreuung an den beiden örtlichen Schulen. Nicht nur personell wird da eng zusammengearbeitet, auch inhaltlich ergeben sich immer wieder Schnittstellen. David Homola übernimmt als Standortleitung die Koordination der Angebote des KJR.
Studium in Tübingen
Für die Jugendarbeit und gegen eine akademische Laufbahn entschied sich David Homola nach dem Studium der Westslavischen Philologie und Politik in Tübingen. „Ich habe immer schon ehrenamtlich Jugendarbeit gemacht. Da kann ich mit meinen Ideen am nachhaltigsten wirken“, sagt er. Eine Qualifikation zum Gemeinwesenarbeiter gab ihm zusätzliches Rüstzeug. In Neuffen hat Homola zuletzt die Offene Jugendarbeit aufgebaut, bevor er nach neun Jahren nach Denkendorf wechselte. Erste Einblicke in die konkrete Arbeit hat der Sozialarbeiter gewonnen, als er im vergangenen September für einige Monate interimsmäßig die Leitung der Ganztagesbildung in Denkendorf übernahm. Jetzt ist vor allem Ines Bregulla, die Leiterin des Focus, eine Kollegin, mit der er eng zusammenarbeitet. Beziehungsarbeit, da sind sich die beiden einig, sei das A und O gelingender Jugendarbeit. „Junge Menschen wollen sich ausprobieren, Gemeinschaft erleben und Ansprechpartner haben“, erklärt Homola. Das Focus möchte deshalb eine Anlaufstelle schon für ganz junge Denkendorfer sein. Um sie zu erreichen, laden die beiden bereits Grundschüler ins Focus ein. Dabei hilft die enge Vernetzung mit Schulsozialarbeit und Ganztagesbildung.
Von seiner neuen Wirkungsstätte ist der Jugendreferent begeistert: „Ein engagiertes Team, ein tolles Haus und die große Motivation des Bürgermeisters geben mir das Gefühl, dass ich hier willkommen bin und gestalten kann.“
Er seinerseits will ein offenes Ohr für die Anliegen der Kinder und Jugendlichen in Denkendorf haben. Weil er weiß, „dass es nicht leicht ist, als junger Mensch ein Anliegen beim Bürgermeister oder dem Gemeinderat vorzubringen“, versteht sich Homola auch als Sprachrohr für die Belange junger Denkendorfer.
Netzwerke in der Kommune knüpfen
Da muss er nicht bei Null anfangen. Vor allem, dass man sich in Denkendorf schon länger intensiv mit der Jugendbeteiligung beschäftigt, gefällt Homola. Junge Menschen könnten dadurch ganz konkret Selbstwirksamkeit erfahren. Eine Beteiligungskultur fest in der Gemeinderatsarbeit zu etablieren, gehört deshalb zu seinen wichtigsten Anliegen. „Wir müssen bei allen Fragen junge Menschen mitnehmen, sie aber auch ermutigen, sich selbst zu engagieren.“ Für die anstehenden Wahlen plant er deshalb ein Politik-Speed-Dating mit Kommunalpolitikerinnen und -politikern. In Workshops sollen die Jugendlichen für den Austausch mit den Politik-Profis fit gemacht werden.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene will Homola die jungen Bürgerinnen und Bürger ins Boot holen. Etwa in der Form, wie es der Verein Klima Taskforce an seinem Wohnort Nürtingen tut, der Kommunen unterstützt, klimaneutral zu werden. Netzwerke in der Kommune zu knüpfen oder zu verstärken, ist eine seiner wichtigsten Aufgaben. Vor allem auch mit anderen Organisationen, die Jugendarbeit betreiben, wie etwa dem CVJM oder anderen Vereinen strebt er Kooperationen an.
„Ausfälle können nicht kompensiert werden“
Die Offene Jugendarbeit laufe bestens, da sind sich David Homola und Ines Bregulla einig. Es gebe viele Veranstaltungen und Projekte, die gut von den jungen Menschen angenommen würden. „Natürlich ist die Offene Jugendarbeit immer ausbaufähig“, sagt Bregulla. Zumal man immer wieder Ideen von Jugendlichen aufnehme und versuche, neuen Bedürfnissen gerecht zu werden. Im Rahmen eines Jugendbeteiligungsprojekts in den vergangenen beiden Jahren wurde etwa die Skateranlage erneuert und eine Graffitiwand aufgestellt. Nun gebe es die Idee, regelmäßig Graffiti-Workshops anzubieten, nennt Bregulla ein Beispiel. Doch personell sei man am Limit. „Ausfälle können nicht kompensiert werden“, erklärt David Homola. „Dann muss das Focus unter Umständen auch mal geschlossen bleiben.“ Abhilfe könnte lediglich eine Aufstockung des Personals schaffen.
Thementage, eine fiktive Ratssitzung und Workshops
Jugendreferent
Geboren wurde David Homola (45) in der ehemaligen Tschechoslowakei, als Kind kam er nach Deutschland. An der Uni Tübingen studierte er Westslavische Philologie und Politik, qualifizierte sich zudem als Gemeinwesenarbeiter. Neun Jahre arbeitete er als Jugendreferent in Nürtingen, bevor er nach Denkendorf wechselte.
Jugendhausleitung
Ines Bregulla (32) ist Jugend- und Heimerzieherin und seit fünfeinhalb Jahren im Kinder- und Jugendzentrum Focus tätig. Seit September 2023 leitet sie die Denkendorfer Einrichtung.
Jugendbeteiligung
Laut der Gemeindeordnung Baden-Württemberg sind die Kommunen verpflichtet, Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die deren Interessen berühren, in angemessener Weise zu beteiligen. Als eine von deutschlandweit 15 Kommunen und einzige in Baden-Württemberg wurde Denkendorf 2022 in das Programm „Jugend entscheidet“ der gemeinnützigen Hertie-Stiftung aufgenommen. Unter dem Motto „Politik, die sich was traut“ gab es unter anderem Thementage, eine fiktive Ratssitzung und Workshops. Zum Abschluss wurden erste von den Jugendlichen erarbeitete Projekte vom Gemeinderat auf den Weg gebracht.