Jugendhaus in Stuttgart-Wangen Sorge um die Zukunft des Tores

Von Elke Hauptmann 

Das Wahrzeichen des Jugendhauses weist bauliche Mängel auf – Instandsetzung offen.

Das Tor ist zu einem Wahrzeichen des Wangener Jugendhauses geworden. Wegen der Arbeiten für den  Neubau steht  es  derzeit  hinter einem Zaun. Foto: Elke Hauptmann
Das Tor ist zu einem Wahrzeichen des Wangener Jugendhauses geworden. Wegen der Arbeiten für den Neubau steht es derzeit hinter einem Zaun. Foto: Elke Hauptmann

Wangen - Wolfgang Zaumseil sorgt sich um das Tor am Zugang zum Wangener Jugendhaus. „Es tut weh, wenn ich das so sehe.“ Unübersehbar nagt der Zahn der Zeit an dem markanten Bauwerk: Der rechte Turm steht leicht schief, mehrere Keramikfliesen sind abgefallen, die beiden kunstvoll geformten Torflügel wurden längst abmontiert und aus Sicherheitsgründen der Zugang zur ursprünglich begehbaren Brücke gesperrt.

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass der Stuttgarter Architekt zusammen mit einem Bautrupp des Stuttgarter Jugendhausvereins, drei Architekturstudenten sowie Jugendlichen und Flüchtlingen aus dem Ort dieses besondere Stadtzeichen errichtet hat. Es sei damals ein großer Wunsch der Heranwachsenden gewesen, dass ein Tor am Ende der Eybacher Straße auf den Neubau am Rande des Ortes aufmerksam machen soll, erinnert sich Zaumseil noch gut an diese Zeit. Er initiierte daraufhin einen Ideenwettbewerb zur Gestaltung, 20 Vorschläge von Jugendlichen gingen ein. Am Ende setzte sich die Skizze von Iwan Milanovic durch, die mit Recycling-Materialien und viel ehrenamtlichem Engagement umgesetzt wurde. Die Gesamtkosten für den Torbau beliefen sich auf umgerechnet 45 000 Euro

Das aus den 1980er-Jahren stammende Jugendhaus B 10 ist inzwischen aufgrund zahlreicher Baumängel abgerissen worden, an seiner Stelle entsteht derzeit ein Neubau. Die Zukunft des symbolischen Eingangstores ist hingegen offen. Will man es erhalten, müsste es dringend instandgesetzt werden. Es sei keinesfalls baufällig, sagt Zaumseil im Brustton der Überzeugung. „Es hat Schäden, die aber alle behoben werden können.“ Der Architekt weiß um die Herausforderung: Ab etwa 1,50 Meter Tiefe bestehe der Untergrund aus Neckarkies. „Das hat uns schon beim Ausschachten der Fundamente Schwierigkeiten gemacht.“ Zudem sollte am rechten Turm ursprünglich noch ein Kiosk angebaut werden. „Beides zusammen ist verantwortlich für die leichte Schiefstellung des rechten Turms. Diese könnte durch die bauliche Erweiterung wieder korrigiert werden“, sagt Zaumseil. Kleinere Schäden gebe es an der inneren Wendeltreppe des rechten Turms, manche Stufen würden wackeln. An der Holzbeplankung der Brücke sei auch manches auszubessern, und die beiden eingelagerten Torflügel müssten saniert werden. „Am linken Turm unten fehlen vollständig die Mosaikarbeiten; nie fertiggestellt wurde der an dieser Stelle vorgesehene Brunnen“, berichtet Zaumseil. Mit welchen Kosten die Instandsetzung verbunden wäre, sei im Augenblick schwierig zu beziffern, räumt der Architekt ein.

Die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, die Eigentümerin des Grundstücks ist, auf dem das Tor steht, lässt den Erhalt des Bauwerks prüfen. Die mit der Planung der Außenanlagen des künftigen Jugendhauses beauftragten Landschaftsarchitekten hätten ihn Anfang des Jahres kontaktiert, erzählt Zaumseil. Er habe ihnen Material über die Statik des Tores zukommen lassen – er selbst sieht außer den Problemen mit der Fundamentierung keine Mängel an der Statik. „Das muss allerdings noch genauer untersucht werden.“

Zaumseil, der für den „Torbau zu Wangen“ mit mehreren Auszeichnungen bedacht wurde, hofft auf den Fortbestand des Bauwerkes. Und will diesbezüglich aktiv werden: „Ich habe die Absicht, die Rettung des Tores als IBA-Projekt darzustellen und anzumelden.“ Denn: „Es hat für die heutige Zeit eine große Bedeutung im Hinblick auf Integration und Teilhabe.“ Die Geschichte des Bauprozesses ließe sich fortsetzen, meint der Architekt. Zu einigen der damaligen Erbauer habe er noch Kontakt. „Interessant wäre, diejenigen zu finden, die aus dem benachbarten Flüchtlingswohnheim zwischen 1985 und 1990 mitgewirkt haben, vor allem auch die beiden jungen Iranerinnen, die für die Miniaturen in den Torflügeln verantwortlich waren.“

Auch die Frage, wie man mit Baukunst umgeht, die außer der Funktion als Stadtzeichen und Resultat eines Bauhappenings keinen aktuellen Zweck erfüllt, könnte bei der IBA diskutiert werden, regt Zaumseil an. Er werde mit diesem Thema immer wieder konfrontiert. Mehrere seiner Bauten und Stadtzeichen seien inzwischen zerstört oder abgebaut worden: der Spirillo in Neugereut, das Kinder- und Jugendtheater „Theater im Zentrum“ in der Heusteigstraße sowie das Sternenmosaik vor dem ehemaligen Europahaus.

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