Julia Koschitz zur Mysteryserie „Souls“ „Und täglich grüßt das Murmeltier“ trifft auf „Dark“
So geht Qualitätsfernsehen! Julia Koschitz spielt in der Sky-Mysteryserie „Souls“ eine Pathologin, die wieder und wieder am gleichen Tag erwacht.
So geht Qualitätsfernsehen! Julia Koschitz spielt in der Sky-Mysteryserie „Souls“ eine Pathologin, die wieder und wieder am gleichen Tag erwacht.
Die Mysteryserie „Souls“ bietet all das, was Fans hochwertiger Qualitätsserien lieben. Im Zentrum steht Julia Koschitz als schwangere Pathologin, die in einer Zeitfalte feststeckt. Wir haben die Schauspielerin, die Kino liebt, nur selten zum Serienjunkie wird und nur ein bisschen eitel ist, wenn sie nicht vor der Kamera steht, zum Zoom-Interview getroffen.
Frau Koschitz, in „Souls“ geht es etwa um einen Jungen, der glaubt, schon einmal gelebt zu haben, um eine Frau, die den schlimmsten Tag ihres Lebens immer wieder durchlebt, und um eine andere, die sich einer merkwürdigen Sekte anschließt. Die Serie verlangt dem Publikum einiges ab. Waren Sie als Schauspielerin bei den Dreharbeiten auch manchmal verwirrt?
Nein, beim Drehen selbst nicht, das wäre schlimm gewesen. Beim ersten Lesen ging es mir aber ähnlich, wie es wahrscheinlich den Zuschauern geht: Am Anfang spürt man nur, dass alles irgendwie zusammenhängt, wirklich versteht man es erst im weiteren Verlauf. Ich finde die Geschichte in der Serie zwar komplex, aber so gut und packend erzählt, dass man trotzdem immer dranbleibt.
Sie spielen Allie, die Frau, die sich in der Zeitfalte befindet. Mein Eindruck ist, dass sie durch ihre Lakonie die ganze Geschichte gewissermaßen zusammenhält und erdet.
Kann sein, ja. All das, was sie in ihrer Zeitschleife erlebt, bringt sie zwar an den Rand des Wahnsinns. Sie verfolgt mit einer Radikalität, kompromiss- und schonungslos ihr Ziel, nämlich ihren Mann von einem Flug abzuhalten und so sein Leben zu retten, aber dabei ist sie völlig unsentimental. Trotz aller Verzweiflung steckt in ihr viel Selbstironie, mit der sie sich selbst tagtäglich zusieht.
Eine Rolle wie die der Allie verlangt von Ihnen als Schauspielerin mehr als Rollen in Serien wie „München 7“, „Allein unter Bauern“ oder „Doctor’s Diary“?
Diese drei Beispiele stammen sozusagen aus einer anderen Zeit, aus meinen absoluten Anfängen, und natürlich hoffe ich, dass ich mich seitdem weiterentwickelt habe. Aber wenn Sie mich auf Komödien ansprechen: Auch eine Komödie verlangt Konzentration, ein gutes Gefühl für Timing und natürlich für Komik. Gute Komödien sind schwer zu machen. Aber klar, natürlich habe ich die Neurochirurgin Dr. Hassmann aus „Doctor‘s Diary“ mit einer anderen Leichtigkeit gespielt als die Pathologin Allie in „Souls“.
Allie muss den schlimmsten Tag in ihrem Leben wieder und wieder erleben. Wenn Sie sich einen Tag aussuchen könnten, den Sie von heute an wieder und wieder durchleben müssten, würde Ihnen einer einfallen?
Nehmen Sie mir’s nicht übel, aber wenn er mir jetzt einfallen würde, dann würde ich ihn wahrscheinlich nicht teilen wollen. Ich versuch’s mal eher philosophisch. Normalerweise fällt es uns schwer zu akzeptieren, dass alles vergänglich ist. Wenn ich über Ihre Frage nachdenke, dann habe ich eindeutig das Gefühl: Gott sei Dank ist alles vergänglich! Selbst der schönste Tag wäre in der Wiederholung irgendwann unerträglich.
„Souls“ kommt mir ein bisschen vor wie eine Mischung aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Dark“.
Ich ziehe ungern Vergleiche, weil ich es liebe, wenn ein Projekt für sich steht. Aber klar, die Zeitschleife erinnert an das berühmte Beispiel „Murmeltier“, und genauso wie „Dark“ ist „Souls“ – wie ich finde – eine sehr gut gemachte deutsche Mysteryserie, die internationales Format und eine gewisse Düsternis hat. Wobei in „Souls“ das Thema Hoffnung wichtig ist und die starke Bindung zwischen zwei Menschen, was die Serie meines Erachtens nach auch sehr emotional macht.
Als Netflix „Dark“ startete, begann in Deutschland die Ära des Qualitäts-TV. Gab es schon vorher im deutschen Fernsehen so komplexe Stoffe wie „Souls“?
Wenn Sie so allgemein fragen, würde ich definitiv „Ja“ sagen. Vor zehn Jahren gab es genauso qualitativ hochwertige Filme, die komplexe Geschichten mit komplexen Figuren erzählt haben und trotzdem sehr unterhaltsam waren. Aber nicht in Form solcher aufwendiger Serien. Vor zehn Jahren war auch das Thema Mystery nicht so ein großes Ding. Insofern hat sich auch in Deutschland in Sachen TV-Serien einiges geändert, was man nur begrüßen kann.
Was mögen Sie mehr: Filme oder Serien?
Als Schauspielerin will ich einfach gute Sachen machen – ob Serien oder Filme, ob Fernsehen, Streamingdienste oder Kino. Und wenn Sie mich als Zuschauerin fragen, muss ich sagen: Ich bin eine leidenschaftliche Kinogängerin. Ich liebe das Erlebnis, einen Film mit anderen Menschen gemeinsam auf einer großen Leinwand zu teilen und mich danach darüber auszutauschen. Ich vermisse das beim Serienschauen. Außerdem sehe ich mir Filme gerne in einem Stück an, bin aber nicht gut im Bingen. Es gibt zwar immer wieder unfassbar gute Serien wie zum Beispiel „The Bear“, die mich einfangen, aber wenn ich richtig viel Zeit habe, lese ich dann doch eher ein Buch.
Letzte Frage, sind Sie eigentlich eitel? Ich frage das, weil Sie als Allie eine blonde Lockenperücke tragen müssen.
Ich würde zwar gern sagen „Nein“, aber als Privatperson bin ich wahrscheinlich nicht frei von Eitelkeit. Als SchauspielerIn finde ich es wichtig, sich davon zu lösen. Es geht darum, eine Figur zu sein, und alles, was diesen Charakter optisch unterstützt, ist hilfreich und richtig. Das bedeutet nicht, dass man nicht auch teilweise zu einem Look, wie zum Beispiel dieser Perücke, überredet werden muss. Ich musste mich schon auch daran gewöhnen, aber die Verwandlung macht auch Spaß.
Person
Die österreichische Schauspielerin Julia Koschitz wurde 1974 in Brüssel geboren. Ihr erstes festes Engagement hatte sie am Landestheater Coburg. Von 2004 an spielte sie in der TV-Serie „München 7“ die Polizistin Sandra Holzapfel. Im Kino war sie etwa in dem preisgekrönten Film „Shoppen“ (2006) zu sehen. 2014 erhielt sie bei der Grimme-Preis-Verleihung eine Spezial-Nominierung für ihre schauspielerische Leistung in den ZDF-Filmen „Pass gut auf ihn auf!“ und „Tödliche Versuchung“.
Serie
Sky Atlantic zeigt die Mysteryserie „Souls“ vom 8. November immer dienstags ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen. Parallel als komplette Staffel auf dem Streamingdienst WOW sowie über Sky Q auf Abruf verfügbar.