Julius Pischl ist überraschend gestorben Ein Leben für den Jazz und die Literatur

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Julius Pischl, der Gründer von Buch Julius in Stuttgart, ist im Alter von nur 57 Jahren gestorben. Er war nicht nur tatkräftig und ergriff häufig die Initiative, er ließ sich auch von Rückschlägen nicht in die Knie zwingen.

Der Buchhändler Julius Pischl (1955 – 2012) Foto: Kathrin Thimme
Der Buchhändler Julius Pischl (1955 – 2012) Foto: Kathrin Thimme

Gerlingen - Zwei Sorten von Menschen sind heutzutage rar geworden: die unerschütterlichen Optimisten und diejenigen, die nicht immer nur über die Verhältnisse im Kulturbetrieb mosern wollen, sondern tatkräftig die Initiative ergreifen und sich auch von Rückschlägen nicht in die Knie zwingen lassen. Julius Pischl, der Stuttgarter Buchhändler, Musikverleger, Jazzexperte, Konzert- und Kleinkunstveranstalter, war einer von ihnen.

Geboren wurde Pischl 1955 in Bad Saulgau. Ende der sechziger Jahre kam er nach Stuttgart, um eine Lehre als Buchhändler anzufangen. Schon zu dieser Zeit schlug sein Herz neben dem Chorgesang für den Jazz. „Infiziert“ vom Musikvirus wurde der Heranwachsende in dem Jazzclub, den die Stadt damals zu bieten hatte, Pit Haugs Atlantic Bar, kurz AT genannt. Dort stand Pischl nächtens so lange lauschend vor der Seitentür, bis Haug ihn eines Tages hineinbat. Pischl wurde sein jüngster Stammgast, Haug blieb er sein Leben lang verbunden.

1983 eröffnete Pischl seinen eigenen Buchladen, Buch Julius in der Charlottenstraße. Seine Buchhandlung war ein Ort, wie man ihn in Zeiten von Amazon und Co. auch nur noch selten erlebt: mit einem ausgewiesenen Kenner und Vielleser als Berater, der sich – ähnlich wie sein Kollege Wendelin Niedlich – immer auch als wacher und kritischer politischer Geist verstand. Buch Julius am Olgaeck mauserte sich rasch zu einer der Lieblingsadressen der hiesigen Kulturschaffenden und -freunde, bei den regelmäßigen Konzerten in seinem Laden traf sich das interessierte Jazzpublikum, sein Plattenlabel Edition Musikat bot der geliebten Musik ein Forum.

Im Mai 2005 konnte der Buchladen der Online-Konkurrenz nicht mehr standhalten, Pischl musste schließen. Zeitgleich kreuzte Pit Haug, der ein Jahrzehnt lang im Ausland lebte, wieder in Stuttgart auf. In der U-Bahn-Passage in der Eberhardstraße, eröffneten die beiden das At Buch Julius Musikpodium. Rasch wurde der neue Standort angenommen, doch nur wenige Monate währte dieser Neuanfang. Im November 2005 musste Pischl aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, der Laden schloss kurz darauf. Als Pischl genesen war, schmiedeten die beiden sogleich neue Pläne. Sie gründeten – zunächst in Gerlingen – das Musikpodium Z 53. Haugs Leben endete 71-jährig im August 2011, sein alter Weggefährte Pischl folgt ihm nun viel zu früh. Am Samstagabend verstarb er unerwartet im Alter von nur 57 Jahren.