Schon vor der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses des Kreistags hat sich der Fahrgastbeirat des Landkreises an die Öffentlichkeit gewandt – und diverse Kritikpunkte am neuen Angebot VVS-Rider vorgebracht. Drei solcher Kleinbusse gibt es im oberen Filstal.
Fahrten können vorzugsweise über eine App, aber auch telefonisch gebucht werden. Angefordert werden kann der Minibus zu fest definierten, aber nahe beieinander liegenden Abholpunkten, die auf einer Karte in der App ausgewählt werden. Fahrten sind im Stadtgebiet von Geislingen und im oberen Filstal möglich, zusätzlich sind die Busse als Klinik-Shuttle verfügbar – das auch in Lauterstein, Gruibingen, Gingen und Kuchen. Genutzt werden können sie mit einem regulären Fahrschein, aber auch dem Deutschlandticket oder dem Jugendticket Baden-Württemberg.
Jugendliche nutzen das Angebot
„Der VVS-Rider kannibalisiert die Linienbusse und die Taxis in Geislingen“, kritisiert Heinz Oswald vom Fahrgastbeirat. Der zeitliche Abstand von mindestens 30 Minuten zum Linienbus werde nicht eingehalten. Zudem würden „Luxusfahrten“ etwa vom Nel Mezzo zum Sternplatz gebucht oder Fahrten von Bad Ditzenbach „fünf Minuten vor dem Schulbus zum Gymnasium in Geislingen, weil es cooler ist“. Das alles führe „fast immer zur Unmöglichkeit, Fahrten von oder zur Klinik am Eichert zu buchen.“
Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende, Wolfgang Rapp aus Geislingen, beschwerte sich über „Privatfahrten“ von Jugendlichen, etwa zum Burger King oder zum Kaufland. „Wie soll das nun weitergehen?“, fragte er und forderte: „Diese Fahrten sind zu unterbinden.“ Auch Taxiunternehmer hätten sich schon beschwert.
Ernährungsphysiologisch bedenkliche Fahrten
Jörg-Michael Wienecke, der Leiter des Mobilitätsamts, nahm die Jugendlichen hingegen in Schutz: „Ich glaube, wir sollten nicht bewerten, wo Leute hinwollen, auch wenn es vielleicht ernährungsphysiologisch bedenklich ist.“ Zudem wies er die Kritik der Taxiunternehmer in diesem Fall zurück: Ob jemand, der zum Schnellrestaurant fahre, „das mit dem Taxi gemacht hätte – dahinter mache ich mal ein dickes Fragezeichen“. Er räumte jedoch ein: „Diese Kurzfahrten dürfen so nicht sein.“
Das sah auch die anwesende VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian so: „Ein großes Thema ist die Konkurrenzierungsregelung.“ Dort, wo Busse fahren, sollte in der App kein VVS-Rider angezeigt werden. „An einigen Stellen funktioniert das noch nicht“, bedauerte sie. „Aber wir versuchen durch andere Algorithmen dafür zu sorgen, dass das nicht mehr möglich ist.“
Viele rufen einen Bus und kommen nicht
Die Problematik mit dem nicht verfügbaren Klinik-Shuttle erkannte Amtsleiter Jörg-Michael Wienecke an und fragte: „Was machen wir? Müssen wir ein Fahrzeug dafür abstellen? Dann gibt es weniger Fahrten im Geislinger Raum.“ Dieter Volkmann (AfD) schlug als Alternative vor: „Entweder sagen wir, es ist, wie es ist, und die Leute sollen warten – oder wir erhöhen zum Beispiel auf fünf Fahrzeuge.“
Insgesamt gab es seit 15. Dezember 12 853 Fahrtanfragen für den Rider, jedoch nur 9739 abgeschlossene Fahrten. „Wir haben eine hohe No-show-Rate“, sagte VVS-Chefin Christian, sie bedauerte, dass viele Kunden buchten, dann aber gar nicht zur Fahrt erschienen. Verschwindend gering die Buchungen beim Klinik-Shuttle: 327 Fahrtanfragen stehen hier 230 abgeschlossenen Fahrten gegenüber.
Weitere Gebiete können hinzukommen
Buchen
Wer den VVS-Rider nutzen will, kann ihn über die kostenlose App buchen. Wer kein Smartphone hat, kann sein Benutzerkonto auch über die Web-Registrierung anlegen. Telefonisch ist die Buchung unter der Nummer: 0711 / 99 52 10 77 möglich. Grundvoraussetzung ist die einmalige Registrierung im Internet (entweder in der App oder über die Homepage: www.vvs.de ).
Kosten
Momentan bringt der Landkreis für ein Jahr VVS-Rider 650 000 Euro auf – spart dafür aber die Kosten für die bisherigen Rufbusleistungen ein.
Orte
Weitere Gebiete könnten ebenfalls den VVS-Rider bekommen, das steht so im Nahverkehrsplan. Dabei handelt es sich um Teile des Schurwalds, das Gebiet Eislingen/Donzdorf sowie Ebersbach/Uhingen mit Teilen der Voralb. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest, es hängt dem Nahverkehrsplan nach auch von der „Sinnhaftigkeit“ ab, ob und wann der VVS-Rider kommen wird.