Junge WLB in Esslingen Auf der Suche nach Elvis sich selbst gefunden
Die Esslinger Junge WLB zeigt Jana Scheerers „Mein innerer Elvis“. Die inneren Entwicklungen der jugendlichen Protagonistin bleiben dabei jedoch unterbelichtet.
Die Esslinger Junge WLB zeigt Jana Scheerers „Mein innerer Elvis“. Die inneren Entwicklungen der jugendlichen Protagonistin bleiben dabei jedoch unterbelichtet.
Antje ist 15 und Elvis-Fan. Ihr Problem: Sie fühlt sich uncool und dick. „Elvis soll am Ende richtig fett gewesen sein“, stellt sie fasziniert fest, „er soll mal 20 Hamburger vor ’nem Konzert gegessen und sie dann gleich wieder ausgekotzt haben.“ Sie fühlt sich ihm verwandt, schließlich kotzt sie selbst gelegentlich ihr Essen wieder aus. Und sie glaubt, dass ihr Idol seinen Tod nur vorgetäuscht hat und eigentlich noch am Leben ist. In der Schule wird sie gemobbt, und selbst die Eltern finden ihren Musikgeschmack oldschool. „Spießermusik“, frotzelt ihr Vater, „affige Omamusik“, stichelt ihre Mutter, eine Paar- und Familientherapeutin und ständig im Analyse-Modus.
Als die Eltern planen, in den Ferien in die USA zu reisen, um ein befreundetes Paar aus Studienzeiten zu besuchen, wittert Antje ihre Chance, ihrem Idol auf Graceland, Elvis’ Anwesen in Memphis, endlich näherzukommen. Das ist der Ausgangspunkt ihres Selbstfindungstrips, den Jana Scheerer in ihrem Roman „Mein innerer Elvis“ erzählt.
Jetzt hatte der Roman in einer Bühnenfassung an der Esslinger Jungen WLB Premiere. Sie stammt von Andreas Krüger, der auch Regie führt in dieser minimalistischen Inszenierung. Alle 16 Personen, denen Antje im Verlauf des Stücks begegnet, werden von nur zwei Ensemblemitgliedern gespielt: Michaela Henze als hyperaktive Mutter oder geräuschempfindliche Busfahrerin und Philip Spreen als cholerischer Vater oder imaginärer Elvis machen ihre Sache ganz vorzüglich. Und Antje wird einfühlsam gespielt von Nicky Taran, die zudem immer wieder in die Gitarrensaiten greift, um nicht nur Elvis’ „In the ghetto“ live zu singen. Gespielt wird auf fast leerer Bühne, die eingerahmt wird von ein paar Stellwänden und einem Regal mit Requisiten, dazu gibt’s zwei Schaumstoff-Sitzobjekte (Bühne und Kostüme: Katharina Müller). Mehr braucht das Ensemble nicht, um Autofahrten, Matratzenlager oder Song-Contest-Atmo anzudeuten.
Auf der USA-Rundreise mit den Eltern eskaliert’s schon bald. Antje haut ab und tut sich nolens volens mit Nelly, der eigentlich verhassten Tochter des befreundeten Ehepaares, zusammen, um nach Graceland zu trampen. Auf dieser abenteuerlichen Tour beginnt Antje, ihr Selbstbild zu hinterfragen. Sie findet eine Liebe, und sie entdeckt hinter Nellys Fassade, die so selbstbewusst, beliebt und cool wirkt, Komplexe. Am Ende wird Antje erfolgreich beim Elvis-Song-Contest in Graceland auftreten. Aus ihr ist eine selbstbewusste junge Frau geworden.
So weit, so gut. Problem der Bearbeitung: Innere Entwicklungen, die im Roman Raum haben, sich zu entfalten und zu erklären, bleiben in dieser 75-Minuten-Fassung und ihrer extremen Verkürzung völlig unterbelichtet. Der Roadtrip wird nicht wirklich erlebbar, Antjes Selbstfindung nicht nachvollziehbar. Die knappen Schlaglichter auf Situationen wie ihr Knutschtechtelmechtel mit einem Studenten, ein bis zur Prügelei gehender Streit mit Nelly, Nellys Behauptung, Antje sei die Tochter eines Seitensprungs ihrer Mutter, Antjes Essstörungen – das meiste bleibt nur angedeutet, wird nicht ausgeführt, als wäre das alles Teenageralltag. Es bleibt am Ende der Eindruck, Antjes Selbstwertprobleme seien gelöst, weil sie nun einen Freund hat und weil Nelly, die sie zuvor gedisst hat, sie jetzt ganz toll findet. Aber so hat es Jana Scheerer sicher nicht gemeint.
Weitere Vorstellungen am 13. April, 5. und 11. Mai sowie 9. Juni, jeweils 16 Uhr im Podium 2 des Esslinger Schauspielhauses.