Juniorcup in Stuttgart Wenn Profis noch zur Schule gehen

Thomas Schneider (li. neben Joachim Löw) hat ein Herz für den Jugendfußball. Foto:  
Thomas Schneider (li. neben Joachim Löw) hat ein Herz für den Jugendfußball. Foto:  

Nachwuchsfußballer von Bundesligisten werden heute von klein auf wie Profis betreut. Das hat auch den Mercedes-Benz-Juniorcup in Sindelfingen verändert.

Sport: Marko Schumacher (schu)
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Sindelfingen - Zum Schluss wird Thomas Schneider (42) natürlich auch noch zum VfB Stuttgart befragt. Schließlich hat er dort als Spieler wie als Trainer den Großteil seiner bisherigen Karriere verbracht; und schließlich steht dem Verein auch neun Monate nach seiner Entlassung das Wasser noch immer bis zum Hals. Also sagt Schneider bei seinem Besuch im Mercedes-Werk in Sindelfingen das, was man eben so sagt, wenn man mittlerweile Angestellter des DFB ist: Dass die Situation für den VfB zwar „wahnsinnig schwierig“ sei, dass in der Mannschaft aber „genügend Potenzial“ stecke und er somit fest daran glaube, „dass Huub Stevens das Schiff wieder auf Kurs bringen kann“.

Schneider hat am neuen Job „uneingeschränkt Spaß“

Lieber als über den VfB spricht Thomas Schneider inzwischen über seine neue Aufgabe als Assistent des Bundestrainers Joachim Löw. „Uneingeschränkt Spaß“ mache der neue Job, der seit vergangenem September auch darin besteht, nach neuen Talenten Ausschau zu halten. Als Schnittstelle zwischen der A-Nationalmannschaft und den deutschen Nachwuchsteams versteht er sich, er kennt „alle Spieler zwischen der U 16 und der U 21“. Ein besonderes Anliegen ist es ihm demnach, die Werbetrommel für den Mercedes-Benz-Juniorcup für U-19-Vereinsmannschaften zu rühren, der am 3. und 4. Januar 2015 zum 25. Mal im Sindelfinger Glaspalast ausgetragen wird. „Das ist das große Schaulaufen der Talente“, sagt Thomas Schneider.

Sieben- bis achtmal Training pro Woche

Bei der ersten Auflage des Juniorcups 1991 war er selbst als VfB-Nachwuchsverteidiger dabei (und scheiterte im Halbfinale). Schneider kann sich noch gut daran erinnern – und weiß, dass die damaligen Verhältnisse mit jenen von heute nicht mehr viel gemein haben. „Der Jugendfußball hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt.“ Die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten, die sieben bis acht Trainingseinheiten, die schon 16-Jährige absolvieren, die Rundumbetreuung in den Vereinen – all das habe dazu geführt, dass Jugendspieler inzwischen „Profis“ seien, „die noch zur Schule gehen“. In Sami Khedira, Mesut Özil, Manuel Neuer, Benedikt Höwedes und Christoph Kramer hat der Juniorcup fünf spätere Weltmeister hervorgebracht.

Die Kehrseite der Professionalisierung

Beim DFB kennen sie aber auch die Kehrseiten der frühen Professionalisierung. Erst diese Woche hat der neue Sportdirektor Hansi Flick Kritik an der „Youth League“ geübt, der Champions League für U-19-Teams. Und auch Thomas Schneider sagt: „Wir dürfen nicht immer noch mehr draufpacken, sondern müssen aufpassen, dass wir die Jungs nicht verheizen.“ Den Juniorcup in Sindelfingen nimmt der Fußballlehrer dabei aber ausdrücklich aus: „Es sind nur zwei Tage, die Spieler hatten vorher Urlaub und können viel wechseln.“ Und das Wichtigste: „Sie haben an Hallenfußball großen Spaß.“ Bei allem Wandel gehört dies zu jenen Dingen, die all die Jahre gleich geblieben sind.




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