Justin Biebers Eskapaden Die Unreifeprüfung

Von cle 

Der kanadische Popstar Justin Bieber hat nicht nur Ärger mit der Justiz, sondern auch eine Online-Petition am Hals. Viele Amerikaner fordern, dass der 19-Jährige aus den USA abgeschoben wird. Ist das der Anfang vom Ende?

In Deckung: Justin Bieber auf dem Weg zur Vernehmung bei der Polizei in Toronto. Foto: AP
In Deckung: Justin Bieber auf dem Weg zur Vernehmung bei der Polizei in Toronto. Foto: AP

Toronto - Nun ist es amtlich: aus dem einst so braven Teeniestar Justin Bieber ist ein richtiger Bad Boy geworden. Wo der 19-Jährige in jüngster Zeit auftaucht, bekommt er Probleme mit der Polizei – in Los Angeles, in Miami und nun auch in seiner kanadischen Heimat.

Am Mittwochabend musste Bieber auf einer Polizeidienststelle in Toronto vorsprechen, weil er auf einen Taxifahrer losgegangen sein soll. Der Vorfall soll sich am frühen Morgen des 30. Dezember in Toronto ereignet haben. Am Vorabend hatte Bieber mit Freunden ein Eishockeyspiel gesehen und danach eine Bar besucht. Dort ließ er sich von einem Taxi abholen. Offenbar entwickelte sich zwischen dem Sänger und dem Fahrer ein Streit. Einer der Fahrgäste, vermutlich Bieber, soll den Chauffeur auf den Kopf geschlagen haben. Bevor die Polizei auftauchte, war der aggressive Fahrgast aber bereits verschwunden.

Kanadas „Sweatheart“ – das war er einmal

Erst in der vergangenen Woche hatte Bieber ein paar Stunden in Polizeigewahrsam in Miami verbringen müssen, nachdem er wegen eines Autorennens, angeblich unter Alkohol-, Drogen- und Medikamenteneinfluss, festgenommen worden war. Gegen eine Kaution von 2500 Dollar durfte er wieder gehen und die USA verlassen. Das wiederum war nur wenige Tage, nachdem die Polizei wegen eines Nachbarschaftsstreits seine Villa in Calabasas, einem Vorort von Los Angeles, durchsucht hatte. Bei ihrem unangemeldeten Besuch fanden die Beamten Drogen – welche, ist unbekannt.

Was ist aus dem netten, charmanten Jungen geworden, der noch vor Kurzem so jung und unschuldig aussah – und ganz ohne Allüren und Skandale war? Der Junge aus Stratford in der Provinz Ontario war erst 15 Jahre alt, als sein Album „My World“ auf den Markt kam. Sein Aufstieg hatte zwei Jahre vorher begonnen, mit Erfolgen bei örtlichen Gesangswettbewerben. Durch Youtube, wo Bieber Videos von sich hochgeladen hat, wurde der Rapper und Produzent Usher auf ihn aufmerksam – und bald auch das Publikum. Dort, wo Bieber auftaucht, hat die Polizei seither oft Mühe, die tobende und kreischende Meute zurückzuhalten. Als 17-Jähriger durfte er bei der Weihnachtsfeier im Weißen Haus für Barack Obama und dessen Familie singen. Er war Kanadas „Sweetheart“, Kanadas Liebling, der gute Junge, der einst so niedlich mit seiner ersten offiziellen Freundin, dem Disney-Star Selena Gomez, turtelte. Zwei Jahre waren die Teenieidole ein Paar, bis sie sich Anfang 2013 trennten. Zur Zeit vergnügt sich Bieber mit dem 21-jährigen Model Chantel Jeffries. Mit ihr tauchte er nach seiner Alkoholfahrt durch Miami und der Verhaftung nach Panama ab.

Alles nur Marketing-Gags?

Jetzt fragen Fans und Beobachter, ob Biebers Eskapaden nur eine Marketingstrategie sind oder ob sie gar das Ende seiner Karriere einläuten könnten. Der Göttinger Psychiater Borwin Bandelow erforscht das Seelenleben von Prominenten und die Frage, warum sie sich oft schwertun mit Regeln und Gesetzen. „Es ist eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur notwendig, um Star zu werden“, sagte er der dpa. Viele hätten eine sogenannte Borderline-Persönlichkeit, die sich etwa durch zu schnelles Fahren, Drogen- oder Alkoholmissbrauch ausdrücke. „Justin Bieber wäre nicht Justin Bieber, wenn er nicht so ähnliche Veranlagungen hätte.“ Menschen mit dieser Persönlichkeitsstruktur hätten auch den Hang, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Kritiker halten Bieber für gefährlich und rücksichtslos

Viele Amerikaner haben genug von Biebers Ausfällen. Seit einer Woche gibt es eine Online-Petition, die fordert, dass die USA dem Kanadier die Green Card entziehen. „Wir wollen, dass der gefährliche, rücksichtlose, destruktive und Drogen missbrauchende Justin Bieber aus den USA abgeschoben wird“, heißt es in dem Schreiben. „Er gefährdet nicht nur die Sicherheit unseres Volkes, sondern ist auch ein schrecklicher Einfluss auf unsere Jugend.“ Bis Donnerstagabend hatte die Petition 189 000 Unterschriften. Schon bei 100 000 Unterschriften muss eigentlich die US-Regierung Stellung nehmen. Da es allerdings keine Frist für diese Reaktion gibt, kann sie jahrelang auf sich warten lassen.

Die meisten Bieber-Fans, die sich auch „Beliebers“ nennen, halten jedoch zu dem Popstar. Vor der Polizeistation in Toronto harrten am Mittwoch bei minus elf Grad mehr als 100 aus, bis Bieber samt Entourage ankam. Polizei und Bodyguards bahnten dem Sänger den Weg durch die Menge. „Er ist immer noch ein guter Mensch“, sagte die Bieber-Anhängerin Karolyn Nawrot. Die Medien sähen nur das Negative. Auch Biebers Manager Scooter Braun bat die Öffentlichkeit über Twitter, auf das Gute im Menschen zu setzen und nicht immer vom Schlimmsten auszugehen.

Zwei Gerichtstermine hat Bieber nun vor sich. Am 14. Februar, Valentinstag, ist die Verhandlung in Miami Beach angesetzt, zu der er aber nicht persönlich erscheinen muss. Und drei Wochen später wird ein Gericht in Toronto über ihn urteilen.




Unsere Empfehlung für Sie