Kabarett in Leonberg Hurra, wir leben noch!

Von Doris A. Caumanns 

Benjamin Eisenberg und Matthias Reuter servieren einen rasanten Cocktail aus Parodie, Infotainment und jazziger Musik.

Reuter gibt den Elton John. Foto: factum/Bach
Reuter gibt den Elton John. Foto: factum/Bach

Leonberg - Beide haben mehr Semester Germanistik auf dem Buckel als Thomas Gottschalk: Benjamin Eisenberg aus Bottrop und Matthias Reuter aus Oberhausen. Da Matthias Reuters Motto schon immer lautete: „Wenn ich groß bin, werd’ ich Kleinkünstler“ sind sie beim Kabarett gelandet – wo sie auch hingehören. Auf Einladung des Arbeitskreises Höfingen der SPD Leonberg sind sie jüngst in der voll besetzten Aula der dortigen Grundschule mit „Kabarett im Doppelpack“ aufgetreten.

Geistreich, witzig und mit viel Esprit servieren die beiden Kleinkunst-Ruhrpöttler dem Publikum einen rasanten Cocktail aus politischem Kabarett, Parodie, Infotainment und jazziger Musik. Dabei schlagen die beiden temporeiche verbale Saltos, jonglieren mit sprühendem Wortwitz und spielen mit dem Namen „Merz“, wie es nur gestandene Germanisten fertigbringen: „Merzensangelegenheit“, „Kom-Merzialisierung“ oder „Merz-Keks“. Sie hechten mit treffsicheren Pointen durch die politische Landschaft wie einst der legendäre Ruhrpott-Kommissar Horst Schimanski bei seinen Verfolgungsjagden über Tische und Bänke. Dazu gibt Matthias Reuter den Elton John, mixt zu den satirischen Texten von Eisenberg den groovigen Sound oder trägt selbst Balladen vor.

Es geht ordentlich zur Sache

Und sie teilen ordentlich aus: Andrea Nahles, „der rote Drachen aus der Vulkaneifel“ versuche den Spagat, in der Groko zu bleiben und gleichzeitig soziale Verbesserungen durchzusetzen: „Das ist, wie wenn ein E-Auto-Verkäufer mit dem Diesel zur Arbeit fährt.“ In dem Song „Komm’, wir spielen heut’ EU“ von Matthias Reuter spielen Kinder nach, was die EU-Mitglieder ihnen vormachen: Mit einer gehörigen Portion Konfliktfreude artet alles in einer großen Prügelei aus – der Loser erhält ein Griechenland-T-Shirt, während Deutschland den großen Bestimmer markiert.

Und dann droht ja stets ein Angriff russischer Hacker: In bestem „Ruhrpott-Russisch“ mit kehliger Wodkastimme singt Reuter von „Boris, Pjotr, Igor und ich“ dass Ivan Rebroff die Pelzmütze vom Kopf geflogen wäre: „Wir können alles: Trojaner und Andrea Nahles!“ Düster sind auch die Koalitionsprognosen der nächsten Jahrzehnte – natürlich musikalisch in Moll!