Kabarett Vom „Must-have-le“ bis zum Feinstaubmüsli

Von Viola Eigenbrodt 

Der selbst ernannte Schwäbisch-König Christoph Sonntag begeistert in der Leonberger Stadthalle sein vor allem älteres und des Dialekts auch mächtiges Publikum.

Liebt  die Interaktion mit dem Publikum: Christoph Sonntag auf der Bühne der Leonberger Stadthalle. Foto: factum/Bach
Liebt die Interaktion mit dem Publikum: Christoph Sonntag auf der Bühne der Leonberger Stadthalle. Foto: factum/Bach

Leonberg - Mit Christoph Sonntag hat jetzt wieder einmal ein Mann die Stadthalle gerockt, der den Besucher bestens bekannt ist: der Vorzeigeschwabe Christoph Sonntag mit einer der letzten Vorstellungen seines 2018-Programms „#Bloß kein Trend verpennt“. Dennoch hätten noch ein paar Zuschauer mehr in den Saal gepasst, um das Feuerwerk an Pointen des erfolgsverwöhnten Vollprofis zu erleben. Sonntag setzte auf seinen Bekanntheitswert und punktete.

Dass hauptsächlich ältere Semester dem quirligen Kabarettisten wohlwollend folgten, mag der Tatsache geschuldet sein, dass es nicht mehr so viele Mitbürger in diesen Breiten gibt, die perfekt Schwäbisch verstehen und auch schwätzen können. Und so witzelte sich der selbst ernannte „König des schwäbischen Kabaretts“ sofort in die Herzen seines Publikums.

Trotz zarter Kritik an der Leonberger Kommunalpolitik, der er sogleich wortgewaltige Hammerschläge in Sachen Europapolitik insbesondere des Brexit folgen ließ, blieben ihm die Leonberger den gesamten Abend über gewogen. Kein Wunder bei derartigen Feststellungen: „Wenn ihr mich fragt: Es läuft auf ein Kern-Europa hinaus! Die drei tollsten und schönsten Länder dieser Welt werden sich zusammen tun. Also: Baden-Württemberg, Elsass und Nord-Schweiz.“

„Es läuft auf eine Kerneuropa hinaus: Baden-Württemberg, Elsass und Süd-Schweiz“

Kein Auge trocken blieb dann bei Sonntags Räsonieren in perfektem Honoratioren-Schwäbisch über das Heimatmuseumministerium mit Porzellanladensyndrom: nicht mehr alle Tassen im Schrank. Schlagabtausch mit Bon Mots à la „Ich bin einem Geisterfahrer hinten reingefahren“, lösten gewaltige Lachsalven aus, oder die Überlegung, wenn schon die Industrie in Zukunft die Autobahnen finanzieren werde, man dann auch Seitenbachers Feinstaubmüsli konsumieren müsse.   Richtig in Fahrt kam Christoph Sonntag bei der Interaktion mit dem Publikum. Ein „Andreas“ aus der ersten Reihe musste daran glauben, sehr zur Freude derer, die vom Spott des Königs verschont blieben. In feinster schwäbischer Situationskomik ging es dabei um den Wohnort, Korntal, im Besonderen aber um die Hausnummer des Gastes. Da der Schwabe an sich ungern direkte Antworten gibt, amüsierte Sonntag spontan mit Fragen wie: „Ist die Hausnummer größer oder kleiner als neunzig?“, reizte seine Begabung, den Menschen sehr genau auf den Mund zu schauen bis aufs Letzte aus und erntete dafür großes Beifallsgelächter.

Weil man im Ländle offenbar die Kunst pflegt zu schwätzen, ohne etwas zu sagen, legt das bei Nichtschwaben wie der Rezensentin den Verdacht nahe, dass alle Schwaben gute Politiker sein könnten. Die Waldorf-Schule bekam wieder einmal ihr Fett weg, Herr Sonntag tanzte seinen Namen vor und erzählte von Freud und Leid eines Elternabends in der Lehranstalt, von ihm als Freakshow tituliert. „Wie man es zu nichts bringt und wie man es selber nicht merkt“, sei das Motto dieser Institutionen, so dass es einen nicht verwundern brauche, dass Boris Palmer einer ihrer Absolventen wäre.

Sonntag „suebisiert“ manche Begriffe

Sehr hübsch die Suebisierung eines Begriffs aus der Modewelt, das „Must-have-le“, oder die Selbsterfahrungsberichte über neue Trendsportarten wie der des Slingtrainings, „in Leonberg auch als Bondage bekannt“. Fazit seiner Bemühungen, es der Ehefrau recht zu machen: „Der THW hat eine Stunde gebraucht, um mich wieder aus den Slings herauszubekommen.“ Überhaupt, Ehefrauen. Der geschundene Ehemann klärte über seine Mühen auf, die Angetraute wohlgesonnen zu stimmen, meist vergebens. Keine vergebliche Liebesmüh dagegen ist die Stiftung Christoph Sonntags, für die er bei diesem Auftritt stolz Werbung machte. Gleich einer Sendung eines Reklamekanals wie QVC bot er seine Druckerzeugnisse mit viel Humor an, denen ein sehr ernstes Thema zu Grunde liegt. Ein gewisser Prozentsatz vom Verkauf geht an die Stiphtung“, die verschiedene Projekte betreut. Ernährung ist dem vierfachen Vater dabei wichtig, vor wenigen Tagen erst hatte er Schüler für einen Tag in eine Stuttgarter Bäckerei gebracht.

Nicht nur an Weihnachten setzt sich die Stiftung mit den „Sternchenfängern“ für kranke, behinderte und arme Kinder ein und erfüllt ihnen „Herzenswünsche“. Um möglichst viel Geld dafür zu sammeln war der Entertainer auch nach seinem Auftritt noch bereit, die in der Pause verkauften Exemplare mit seiner Signatur noch wertvoller zu machen. Im nächsten Jahr dann geht er mit „I muss gar nix“ auf Tournee, sicher kommt er dabei auch auf eine Stippvisite nach Leonberg.