Kai Gniffke einziger Kandidat Geheimniskrämerei vor Wahl des SWR-Chefs

Einziger Kandidat bei der Intendantenwahl: Kai Gniffke Foto: dpa/Christoph Schmidt

Volle Transparenz hatte der SWR vor der Wiederwahl des Intendanten Kai Gniffke versprochen. Doch zu den anderen Bewerbern, die nicht zugelassen wurden, schweigt der Sender eisern.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wenn Rundfunk- und Verwaltungsrat des Südwestrundfunks (SWR) an diesem Freitag in Mainz zusammenkommen, gibt es eine etwas widersprüchliche Tagesordnung. Unter Punkt drei steht dort die „Wahl der Intendantin/des Intendanten“. Neben dem seit 2019 amtierenden Senderchef Kai Gniffke (63), soll das wohl signalisieren, könnte theoretisch auch jemand anderes, etwa eine Frau, kandidieren. Doch ein Unterpunkt schließt das umgehend wieder aus. „Vorstellung und Fragen an den Bewerber“, heißt es da – es gibt also nur einen einzigen.

 

An der Wiederwahl Gniffkes, der derzeit auch ARD-Chef ist, gab es von Anfang an kaum einen Zweifel. In dem schwierigen Amt, wird ihm überwiegend bescheinigt, habe er sich wacker geschlagen. Gleichwohl war den Gremien an einem möglichst offenen Verfahren gelegen. Wie stets entschied man sich daher, die Stelle öffentlich auszuschreiben. Das sei zwar „weder rechtlich vorgeschrieben noch zwingend“, sagte der Rundfunkratschef Engelbert Günster, aber man wolle ein „transparentes und für alle nachvollziehbares“ Prozedere. Auch wenn der Amtsinhaber wieder antrat, ergänzte der Verwaltungsratschef Hans-Albert Stechl, habe man es immer so gehalten.

Suche nach einer „starken Persönlichkeit“

Also erschien auf der SWR-Homepage und bei „Zeit online“ eine Stellenausschreibung. Gesucht wurde eine „starke, authentische Persönlichkeit“ (m/w/d), die das Format für den Spitzenjob bei der zweitgrößten ARD-Anstalt habe. Entscheidungskraft, Führungserfahrung, soziale Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten solle sie mitbringen. Zum Salär samt Zulagen und Versorgungsansprüchen gab es keine Angaben, aber die Bezüge Gniffkes – etwa 380 000 Euro im Jahr, also mehr als 30 000 Euro pro Monat – sind bekannt. Ende Oktober lief die Bewerbungsfrist ab, und tatsächlich sollen sich einzelne Interessenten gemeldet haben – teils aus Jux, teils durchaus ernsthaft. Eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe sollte die Bewerbungen sichten, über mögliche Vorstellungsgespräche entscheiden und einen Wahlvorschlag unterbreiten.

Seither aber ist beim SWR Schluss mit der viel beschworenen Transparenz. Wie viele Aspiranten haben sich gemeldet? Wie wurde mit ihnen umgegangen? Warum wurde kein einziger zur Wahl zugelassen? Gniffke hätte vermutlich keinen von ihnen fürchten müssen, aber seine Bestätigung hätte bei einer echten Wahl demokratischer gewirkt und weniger nach Kungelei hinter den Kulissen gerochen.

Um all diese Fragen macht der Sender indes eine große Geheimniskrämerei. Das Wahlgremium habe sich „darauf verständigt, über Anzahl und Namen der Bewerber keine Auskünfte zu erteilen“, richtet ein Sprecher aus; dafür bitte man um Verständnis. Dabei weiß man beim SWR nur zu gut, wie heikel solche Verfahrensfragen sind. Vor der ersten Wahl Gniffkes gab es einigen Wirbel, weil nur zwei von vier respektablen Kandidaten zugelassen wurden. Einer der verhinderten Interessenten, der Verwaltungsdirektor Jan Büttner, zog seine Bewerbung daraufhin demonstrativ zurück, verbunden mit öffentlicher Kritik. Auch diesmal soll es in den Gremien erhebliche Wirren um die Wahl gegeben haben. Genaues erfährt man indes nicht, getagt wurde hinter verschlossenen Türen.

Interne Wirren im Vorfeld der Wahl

An diesem Freitag aber will der SWR wieder „Transparenz und Teilhabe“ demonstrieren: Die Sitzung werde per Livestream übertragen, kündigte der Sender an, jeder könne sie am Bildschirm verfolgen. Den Räten sei das „sehr wichtig“, wird betont, denn: „Der SWR wird von der Öffentlichkeit finanziert, gehört also allen.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu SWR Wahl Bewerber Exklusiv