Von der Registrierung bis zu Beobachtung
Und Stuttgart hat mit einer weiteren Einrichtung im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) auf dem Burgholzhof noch ein zweites zentrales Impfzentrum. Auch im Atrium des RBK, einem Klinikgebäude mit großem Innenhof, bestimmen jetzt Beratungs- und Impfkabinen das Bild. Wie im Foyer des Hegelsaals wurden auch im Atrium des RBK eine Registrierung eingerichtet, ein Wartebereich geschaffen, dazu ein Abschnitt, wo die Menschen durch Videos über die bevorstehende Impfung aufgeklärt werden, sowie eine Fläche, auf der die Geimpften danach noch eine halbe Stunde beobachtet werden können. Einen „Parcours“ mit separatem Ein- und Ausgang, nennt Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer des RBK, das Ganze. Die für die Abläufe nötige Informationstechnologie sei vom Land geliefert worden, auch die Logistikketten seien „etabliert“.
Dies alles in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen, war für die Krankenhäuser anspruchsvoll. „Wir sind am 15. Dezember einsatzbereit“, erklärt Mark Dominik Alscher. Gleiches vermeldet Jan Steffen Jürgensen, der medizinische Vorstand des städtischen Klinikums. „Unser Impfzentrum steht“. Nach allem, was man inzwischen weiß, dürfte die Impfaktion gegen das Coronavirus aber wohl nicht vor dem 29. Dezember beginnen, bis dahin muss die Europäischen Arzneimittel-Agentur den Impfstoff noch zulassen.
Bis zu 4000 Impfungen täglich
Dennoch werden bis in der kommenden Woche die Dienstpläne für das Personal stehen. Im Robert-Bosch-Krankenhaus sollen pro Tag 1200 bis 1500 Impfungen vorgenommen werden, von 7 bis 21 Uhr, sieben Tage die Woche. In der Liederhalle könnten es 2500 täglich sein. An diesem Freitag soll im Hegel-Saal „ein Testlauf mit einer Grippe-Impfung stattfinden“, sagt Jan Steffen Jürgensen.
Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut sollen in der ersten Phase Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen gegen das Coronavirus geimpft werden, überdies Personen, die 80 Jahre und älter sind, dazu Personal mit besonders hohem Infektionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und mit Kontakten zu besonders gefährdeten Gruppen, darunter das Pflegepersonal in der ambulanten und in der stationären Altenpflege.
Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es in Stuttgart 130 ambulante Pflegedienste mit rund 7500 Beschäftigten. 57 Pflegeheime und 13 ambulante Wohngemeinschaften bieten derzeit 5219 Plätze. Etwa ein Drittel aller Pflegebedürftigen wird in Heimen versorgt, zwei Drittel zu Hause. Und das ist nur ein Teil des Personenkreises, der für die erste Impfphase in Betracht kommt. Nach einer ersten Abfrage bei Heimträgern wollen sich 78 Prozent der Heimbewohner gegen Corona impfen lassen und 70 Prozent der Mitarbeiter, erzählt Jan Steffen Jürgensen. Durch die Impfung von Hochbetagten gegen das Virus könne man „schon mit wenigen Impfungen die hohe Sterblichkeitsrate reduzieren“, sagt der medizinische Vorstand.
Große Resonanz bei Ärzten
Von Beginn der Planungen an war die Frage, wie man genügend freiwillige und auch fachkundige Helfer für die umfangreiche Impfaktion zusammenbekommt. Die Stuttgarter Ärzteschaft, die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg und die Landesärztekammer haben kräftig geworben um Freiwillige. Auch die Stadt Stuttgart hat zu diesem Zweck eine Werbekampagne gestartet.
Hier gibt es zumindest in Teilbereichen Erfreuliches zu berichten. Man brauche für den Betrieb des Impfzentrums 50 Ärzte, sagt Mark Dominik Alscher vom RBK. Gemeldet hätten sich aber sogar insgesamt 70 Mediziner, freut sich der Geschäftsführer. Darunter seien „viele pensionierte Chefärzte“, so Alscher „Da haben wir sogar einen kleinen Puffer.“ Nicht ganz so gut sehe es beim medizinischen Fachpersonal aus, hier brauche man 35 Kräfte, liege aber bei etwa 30 Zusagen. Es gebe jedoch die Möglichkeit, dass vermittelt über das Land Sanitätskräfte der Bundeswehr zum Einsatz kommen könnten. Alscher: „Das kriegen wir hin.“
Ähnlich ist die Lage im Klinikum, wo man ebenfalls etwa 50 Ärzte für das Impfzentrum benötigt. Nicht nur extern, auch innerhalb des Klinikums hätten sich „viele Ärzte spontan gemeldet“ für den Einsatz im Impfzentrum, sagt Jan Steffen Jürgensen. „Auch bei niedergelassenen Kollegen war die Resonanz ganz gut.“
Mobile Impfteams im Aufbau
Noch in Arbeit ist der Aufbau von mobilen Impfteams, die in den nächsten Wochen besetzt mit einem Arzt und zwei medizinischen Fachkräften Pflegeheime in der Stadt anfahren sollen. Das ist keine leichte Aufgabe. Das fängt schon damit an, dass die Routen so gewählt werden müssen, dass die Teams mit dem tiefgekühlten Impfstoff nicht zu lange am Stück unterwegs sind. Zunächst wird das RBK zwei Teams zusammenstellen, das Klinikum fünf auf Tour schicken. Auch die Aufklärung vor allem der Bewohner in den Heimen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. So ist die Zahl der alten Menschen, die etwa an einer Demenz leiden und ohne Angehörige oder Bevollmächtigte nicht erreicht werden können, groß. An dieser Stelle könnte sich die Verzögerung des Impfbeginns günstig auswirken, weil mehr Zeit für die Vorbereitungen bleibt. Jan Steffen Jürgensen schwebt vor, „dass die Teams schon vor dem Impfen mit der Information in den Heimen beginnen“.