Kampfsport Jiu-Jitsu Nicolas Penzer – der stille WM-Dritte aus Stuttgart

Der Stuttgarter Nicolas Penzer ist einer der besten Jiu-Jitsu-Kämpfer der Welt. Foto: StZ

Der Stuttgarter Nicolas Penzer hat kürzlich bei den Weltmeisterschaften im Jiu-Jitsu die Bronzemedaille gewonnen. Anerkennung gibt es dafür nur im Verein.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Stuttgart - WM-Dritter – und keiner merkt’s. Das ist ein bisschen ungerecht, doch im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof ist das so. Da wissen viele Menschen nicht, dass ihr Nachbar Nicolas Penzer kürzlich die Bronzemedaille in Abu Dhabi gewann. Die Sportart? Jiu-Jitsu.

 

Das ist eine japanische Selbstverteidigungsdisziplin, aber das wissen ja nicht alle, die ihre Kinder zum Kicken schicken und in die Handballhalle. Genau genommen war es ja auch nicht nur Bronze gewesen, das Penzer bekam, sondern eine „schöne Medaille mit einem Gesicht drauf“, wie er sagt. Irgendein Scheich sei es gewesen, Genaues weiß man nicht. Vielleicht war es jemand aus dem Königshaus des Wüstenstaats. Geld gab es übrigens auch. Die Summe? „Nicht der Rede wert“, sagt Nicolas Penzer - und lächelt.

Reich wird man nicht

Reich wird er mit seinem Sport nicht werden, das weiß der 32 Jahre alte Jiu-Jitsu-Kämpfer. Er wunderte sich auch nicht darüber, dass bei seiner Rückkehr aus Abu Dhabi keine Fernsehleute vor seinem Haus auftauchten. „Es ist halt eine Randsportart, in den Medien sind wir nicht so präsent“, erklärt Penzer, und es klingt fast schon rührend, wie er das sagt. Der Jiu-Jitsu-Lehrer trägt den schwarzen Gürtel, zweiter Dan, und nach seiner Halbfinalniederlage musste er in Abu Dhabi noch zwei weitere Kämpfe gewinnen für den dritten WM-Platz. Es war also ein echter Kraftakt, den er da zu bewältigen hatte. Aber: Es gelang.

Nicolas Penzer trainiert im Stallion-Gym in Zuffenhausen, wo er auch als Trainer buchbar ist. Stallion bedeutet Hengst, was schon jede Menge Kraft und Stärke impliziert. Dabei ist Jiu-Jitsu keine völlig brutale Kampfsportart, es ähnelt eher dem Judo. Es gilt, das Gleichgewicht des Gegners zu brechen und ihn auf die Matte zu bringen. Dort findet dann allerdings ein im Vergleich zum Judo ausgiebiger Bodenkampf statt. „Man muss seinen Gegner durch Hebel- oder Würgegriffe zur Aufgabe bringen“, sagt Nicolas Penzer. Würgen? Freundlich klingt das nicht. Doch der Stuttgarter lächelt.

Der künftige Lehrer

Weil der WM-Dritte des Jahres 2021 von seinem Sport und den Erfolgen wie viele Amateure nicht leben kann, geht er an die Uni. Penzer ist 32 Jahre alt, möchte Sport- und Französischlehrer werden. Wer macht Jiu-Jitsu schon für Geld – oder für eine große öffentliche Anerkennung? Die gibt es nur im Zuffenhausener Verein, wo sie ihrem Supermann kräftig auf die Schultern klopfen und mit ihm feiern. Ganz besonders, als klar war, dass er sich in der Weltrangliste auf Platz sieben der Kategorie Adult Blackbelt No Gi vorgearbeitet hatte. Damit hat Penzer gezeigt, dass er mit den Weltbesten mithalten kann – und dadurch nicht nur sich, sondern auch seine Freunde im Club mächtig stolz gemacht.

Ganz lange wird die Erfolgswelle nicht anhalten. Die Zeiten auf hohem Wettkampfniveau werden irgendwann vorbei sein. Bis Mitte 30 könne er den Sport noch auf sehr ordentlichem Niveau ausüben, meint der Kämpfer. Da befinden sich im Prinzip ja schon viele Fußballer in „Rente“. „Bis zum 35. Lebensjahr ist es noch spannend, doch danach geht es eher in die Altherren-Richtung“, sagt Nicolas Penzer – der womöglich stillste WM-Dritte der Stadt Stuttgart. Aber ganz bestimmt nicht der unglücklichste.

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