Kandidat für Esslingen Bleiberecht für alle Flüchtlinge

Von  

Martin Auerbach (die Linke) will Arbeitsplätze und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Er kämpft gegen die Altersarmut und hilft Jugendlichen. Im politischen Leben der Stadt Esslingen ist er für mehr Bürgerdemokratie.

Die Buchhandlung Die Zeitgenossen  ist ein Herzensort von Martin Auerbach. Foto: Ines Rudel
Die Buchhandlung Die Zeitgenossen ist ein Herzensort von Martin Auerbach. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Eine Bevölkerungsgruppe würde Martin Auerbach, den Kandidaten der Linken im Wahlkreis Esslingen, wahrscheinlich zu hundert Prozent wählen, wenn sie denn wählen dürften: Das sind die Flüchtlinge. Denn der 41-jährige Esslinger ist zu 100 Prozent für ein Bleiberecht für Flüchtlinge. Er würde für sie Wohnungen bauen, er würde ihnen eine Arbeitsstelle verschaffen, und vor allem würde er die Fluchtursachen bekämpfen.

Der Herzensort ist eine Buchhandlung

Martin Auerbachs Herzensort ist die Buchhandlung „Die Zeitgenossen“ in der Esslinger Strohstraße. Hier in einer der wenigen eigenständigen Buchhandlungen, die in Esslingen noch übrig sind, trinkt er Kaffee, kauft sich Bücher von Hermann Hesse, oder besieht sich das Regal mit den ewigen Lieblingsbüchern des Buchhändlers Bert Heim: Harry Mulisch und A. L. Kennedy stehen dort, ein ironischer Reflex gegen jene Aufsteller, die Focus- oder Spiegel-Bestseller präsentieren. Ein großes Sparschwein aus Porzellan ermuntert Kaffeetrinker, einen Obolus zu spenden, sofern man einen Obolus hat. Nichts ist hier auf Gewinnmaximierung ausgelegt und trotzdem ernährt die Buchhandlung, die auch als Postagentur funktioniert und von der Stammkundschaft lebt, drei Menschen.

Die Schuldigen am Flüchtlingsdrama sind für Martin Auerbach schnell benannt: wir selbst. Durch die Freihandelsabkommen würden in Afrika die lokalen Märkte zerstört, durch Waffenlieferungen würden die Kriege entstehen. Dagegen setzt er den Stopp von Rüstungsexporten und den fairen Handel zwischen den Staaten. „Nach Europa schaffen es gerade zehn Prozent der 65 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht seien. Die Flüchtlinge in Deutschland sieht er nicht als Problem, sondern als Chance: „Jeder, der hier ist, sei eine Akte auf die Zukunft“, sagt er.

Für viele Bürger in Deutschland ist diese Zukunft tatsächlich nicht mehr so schön wie früher. Große Bevölkerungsteile sieht er von Altersarmut bedroht. Hier braucht es eine Grundsicherung, hier braucht es eine gute Bürgerrente. Deutschland sei im Vergleich zu anderen Staaten weit hinten. „Die Tafeln haben Zulauf“, sagt er, „auch in einer Stadt wie Esslingen“.

Dass Martin Auerbach den Rand der Gesellschaft im Blick hat, ist seine Grundüberzeugung, die ihn auch dazu gebracht hat, in der Stiftung Jugendhilfe aktiv zu arbeiten. Er kümmert sich um Jugendliche, die es Zuhause nicht mehr aushalten, oder deren Zuhause die Jugendlichen nicht mehr aushält.

Der ÖPNV ist zu schlecht und zu teuer

Besser werden müsse vieles: Der ÖPNV sei zu schlecht und zu teuer und würde niemanden ernsthaft verleiten, vom Auto auf Bus oder Bahn umzusteigen. Der Kreis brauche ein Schnell-Rad-Netz. Zur Infrastruktur gehört für ihn auch ein offenes WLAN. Hier favorisiert die Linke ein Bürgermodell, bei denen die Teilnehmer nicht genutzte WLAN-Kapazitäten zur Verfügung stellten. Leute mit einem Einkommen über 7100 Euro sollen zur Kasse gebeten werden, auch die Arbeitgeber müssten seiner Ansicht nach mehr tun. Besonders stört ihn, dass die Stadt Esslingen beispielsweise Infrastrukturmaßnahmen für Festo finanziert und „die Firma dann trotzdem noch vorhat, hier Arbeitsplätze abzubauen“, sagt er. Bürgerrechte sind ihm wichtig und eine Basisdemokratie: Auch in Esslingen gebe es manche Entscheidung, die seiner Ansicht nach besser in der Bürgerschaft entschieden worden wäre. Beispielsweise der Grundsatzbeschluss zum Standort der Bücherei. Jetzt wollen die Linken herausfinden, wie viele Wohnungen in Esslingen leer stehen. Denn auch das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum gehört zum Programm der Partei.