Im Tierheim in Botnang werden aktuell jene mehr als 100 Kaninchen versorgt, die in einer verwahrlosten Wohnung in Stuttgart-Ost gefunden wurden. gerettet waren. Das wird teuer, denn die Tiere erwarten Nachwuchs.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Das Tierheim in Botnang hat ein großes Problem mit kleinen Tieren: 109 Kaninchen sind dort seit Dienstag untergebracht, 61 Männchen und 48 trächtige Weibchen. Sie werden noch mehrere Wochen in dem Tierheim hausen, denn die Tiere wurden vom Amt für öffentliche Ordnung sichergestellt. Eine Frau hatte sie in einer Wohnung im Stuttgarter Osten gehalten.

„Wir bekommen zwar schon Anfragen von Leuten, die Kaninchen übernehmen wollen, aber das bringt im Moment noch nichts“, sagt die Tierheimleiterin Yvonne Wünn. Erst, wenn das Amt die Freigabe erteilt, könnte man mit der Vermittlung an Privatpersonen beginnen.

Nun muss zunächst der Vertragstierarzt des Tierheims Botnang eine Sonderschicht einlegen – und die männlichen Tiere alle kastrieren. Die Tierschützer geben nur Kaninchen an Privatpersonen ab, bei denen diese Operation vorgenommen wurde. Das gilt auch für die zu erwartenden männlichen Jungen der 48 trächtigen Kaninchenweibchen – zwischen vier und acht Babys bekomme ein Tier pro Wurf. Der Nachwuchs könne zwar nach sechs Wochen vermittelt werden, die Kastration sei aber erst nach vier Monaten möglich.

Tierhaltungsverbot - jetzt wirklich?

Die Ankunft der 109 Kaninchen – zwei Wellensittiche und ein Meerschweinchen waren überdies noch dabei – bedeutet für das Heim nicht nur einen enormen Arbeitsaufwand. Es wird auch teuer werden, die Tiere zu versorgen: Die ersten 48 Kastrationen, die anstehen, schlagen mit je 45 Euro zu Buche. Das summiert sich auf mehr als 2000 Euro. Dazu kommen pro Tier – Männlein wie Weiblein – weitere 30 Euro für Impfungen gegen Seuchen, das sind mehr als 3200 Euro.

Für den noch zu erwartenden Nachwuchs, der mehrere Hundert weitere Tiere bedeuten kann, fallen diese Kosten der medizinischen Versorgung ebenfalls an. „Wir werden wohl auf eine Summe von rund 10 000 Euro kommen, bis die Tiere versorgt sind“, sagt Yvonne Wünn. Das Tierheim stehe zwar zurzeit finanziell gut da. Ein großer Teil des Budgets werde aus Spenden und Erbschaften generiert, die Stadt hat ihren Beitrag erhöht. Aber eben da das Heim extrem von Spenden abhängig sei, könne man nie sagen, wie sich die finanzielle Situation langfristig entwickeln werde. „Wer uns jetzt wegen der Kaninchen helfen will, soll besser spenden“, sagt Wünn. Dies sei besser, als Tiere bei sich aufnehmen zu wollen.

Wümm hofft, dass der Frau aus dem Osten, die die zahlreichen Tiere gehalten hatte, ein Tierhaltungsverbot erteilt wird. Das Amt für öffentliche Ordnung hatte schon einmal zu dieser Maßnahme gegriffen – allerdings nur eingeschränkt: Die Frau hätte noch ein kastriertes Pärchen halten dürfen.