Kardinal Reinhard Marx Kardinal Marx gehört dem engsten Beraterkreis des Papstes an

Von Joachim Frank 

Er ruft zu Mut auf, zu Freude und Entschiedenheit, zur Bereitschaft, „die Zeitstunde anzunehmen“. Und er warnt davor, sich in Oberflächlichkeiten und Narzissmus zu verzetteln. Was in der Messe „Predigt“ heißt, hätten die Leute draußen auf dem Domplatz mit Wochenmarkt bestimmt als „Bewerbungsrede“ bezeichnet. Die Papstbezüge kommen nicht von ungefähr.

Einer mit dem Macht-Gen wie Marx weiß, was er dem Boss schuldig ist, der in der Kirche „Diener der Diener Christi“ heißt. Die franziskanische Zeitenwende 2013 hat Marx als einer der Schnellsten und Leichtfüßigsten mitvollzogen. War er in der Ägide Benedikts XVI., damals zunächst Bischof von Trier, als Exekutor lehramtlich-klassischer Theologie und Kirchenpraxis aufgetreten, knüpft er jetzt in der Wir-müssen-an-die-Ränder-gehen-Kirche an seine Herkunft als Theologe an.

Der Papst hat den ehemaligen Professor für Sozialethik in seinen K-8-Beraterkreis aus acht handverlesenen Kardinälen geholt und ihn gerade erst zum Koordinator des neuen „Wirtschaftsrates“ gemacht, einer Mischung aus Finanzminister und Präsident des Rechnungshofs im Vatikan.

Marx dreht mit an den Stellschrauben der Kurienreform

Marx’ Standing dort ist kaum zu toppen. Er hat den Zugang zum Papst. Er dreht mit an den Stellschrauben der Kurienreform und am Steuerrad des Flaggschiffs in der Kirchenflotte. Sollte ihn die Besatzung auf dem deutschen Begleitsegler ignorieren, wenn sie ihren höchsten Posten neu zu vergeben hat? Sollte Marx’ Nähe zum Papst nicht auch für die Bischöfe von Vorteil sein? Und da ihr Spitzenmann in Rom so stark mit Beschlag belegt sein wird, sollte das der Manövrierfähigkeit nicht zuträglich sein? Kalkül und Konzept, Pragmatik vor Programmatik. Auch so kann es gehen, wenn Bischöfe ihren Vorsitzenden wählen.