Vielleicht können sich noch einige an den bundesweiten Warntag im September 2020 erinnern. Damals sollten in ganz Deutschland zu Testzwecken Sirenen aufheulen. Wer sich im Kreis Böblingen aufhielt, bekam davon aber nicht viel mit: Lediglich in Dagersheim heulte eine Sirene auf, im restlichen Kreisgebiet herrschte Stille. Damals wurde deutlich, dass der Kreis Böblingen – was die Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall angeht – Nachholbedarf hat. Das wird jetzt angepackt.
Ein Fachplaner hat sich des Aufbaus des Sirenennetzes angenommen
Mit Hilfe eines Fachplaners soll im Kreis Böblingen ein flächendeckendes, einheitliches Sirenennetz aufgebaut werden. Der Vorteil: Die Anschaffung und Wartung der Anlagen fallen günstiger aus, wenn alle Kommunen gleich ausgestattet sind. Die Abstimmungen zum gemeinsamen Aufbau des Sirenennetzes gehen momentan durch sämtliche Gemeinderäte in der Region. Nach dem letzten Stand haben bereits 14 von 26 Stadt- und Gemeinderäten zugestimmt.
Bis Mitte 2023 sollen die Planungen für das Konzept abgeschlossen sein, danach wird dann die eigentliche Installation der Sirenen angegangen. Wann genau der Aufbau abgeschlossen sein wird, sei noch nicht ganz klar, informiert das Landratsamt. Der Grund: Auf dem Markt gibt es nur wenige Sirenenhersteller, und mittlerweile ist eine große Zahl an Gemeinden und Landkreisen daran interessiert, die Sirenen als Frühwarnsystem einzusetzen. Angestrebt wird allerdings, dass sie bis spätestens 2025 in Betrieb gehen. Im Rahmen des Aufbaus des kreisweiten Sirenenkonzepts wird ebenfalls geprüft, ob es Kommunen im Kreis Böblingen gibt, die spezifische lokale Ansprüche haben, die über den einheitlichen Warnton hinausgehen.
Das Sirenennetz ist Teil eines modularen Warnsystems
Das Sirenennetz soll in ein bereits existierendes Warnsystem, das „Modulare Warnsystem“ des Bundes, integriert werden. Aktuell besteht dieses aus Warnapps wie zum Beispiel „Nina“. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe arbeitet außerdem daran, den Warnkanal „Cell Broadcast“ in Deutschland zu etablieren. „Cell Broadcast“ wird verwendet, um Warnmeldungen an alle Handys zu senden, die sich in einem bestimmten Abschnitt des Mobilfunknetzes befinden. „Weiterhin werden über das Modulare Warnsystem auch direkt die Radio- und Fernsehsender angesprochen, so dass diese die Warnung in ihr Programm aufnehmen“, sagt Pressesprecherin Simone Hotz. Die unterschiedlichen Alarmvarianten sollen am Ende garantieren, dass vom Jugendlichen bis zum Rentner zu jeder Tages- und Nachtzeit alle Menschen vor Gefahren gewarnt werden können.
Rund 200 Sirenenanlagen soll der Kreis bekommen
In einer Pressemitteilung informiert die Stadt Holzgerlingen, dass sie sich in der Projektgruppe für den Aufbau des Sirenennetzes beteiligt. „Das Sirenennetz ist ein erster und wichtiger Baustein für die so wichtige Aufgabe der Information und Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall. Das tragische Unglück im Ahrtal hat gezeigt, wie wichtig eine schnelle Kommunikation ist, um Leben zu retten“, lässt Bürgermeister Ioannis Delakos verlauten.
Auch Sprachdurchsagen sind mit den Anlagen möglich
Der Fachplaner, den die Kreisverwaltung zur Erstellung des Konzeptes beauftragt hat, soll in einem ersten Schritt zunächst die erforderliche Anzahl an Anlagen und mögliche Standorte für die Sirenen ermitteln. Grob geschätzt, sollen bis zu 200 Sirenenanlagen für rund vier Millionen Euro im Kreis aufgestellt werden.
Neben den einheitlichen Signaltönen sollen die Sirenenanlagen auch dazu in der Lage sein, die Bevölkerung über gezielte Sprachdurchsagen zu warnen, schreibt die Holzgerlinger Stadtverwaltung in ihrer Pressemitteilung. Wenn in einem bestimmten Teilort also eine spezifische Gefahrenlage herrscht, sollen die Bewohner auf diese Weise konkret und gezielt darauf hingewiesen werden können.
Warnsysteme im Kreis Böblingen
Warntag 2020
Im September 2020 fand ein bundesweiter Warntag statt. Neben den Handyapps „Nina“ und „Kat-Warn“ sollten auch die Sirenen im Kreis getestet werden. Allerdings verlief der Warntag im Kreis Böblingen relativ ruhig: Bis auf eine Sirene in Dagersheim heulte im Kreis kein einziger Signalton auf. Nun soll die Lage im Kreis mit der Ausarbeitung eines kreisweiten Sirenenkonzepts verbessert werden.
Warn-Apps
Um die Bevölkerung vor Katastrophen zu warnen, werden auch die Warnsysteme „Nina“ und „KatWarn“ benutzt. Doch am Probetag im Jahr 2020 kam es bei den vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelten Apps ebenfalls zu Ausfällen: Durch die vielen Warnmeldungen waren die Systeme überlastet, sodass viele Menschen erst verspätet oder gar keine Meldungen erhielten.
Kreisweites Sirenennetz
Alle Kommunen im Kreis Böblingen arbeiten aktuell mit dem Landkreis an einem kreisweiten Sirenenkonzept. Im Jahr 2025 sollen die Sirenen spätestens in Betrieb genommen werden. Bis zu 200 Sirenenanlagen sollen im Kreisgebiet installiert werden. Mit Signaltönen soll die Bevölkerung dadurch gewarnt werden. Auch gezielte Sprachdurchsagen sollen möglich sein.