In Aichtal heulen ab jetzt die Warnsirenen wieder – und zwar jeden ersten Samstag im Monat. Punkt 12 Uhr erklingt ein ab- und anschwellender Ton, der die Bevölkerung auf eine Gefahrenlage aufmerksam machen soll. Laut Bürgermeister Sebastian Kurz wird mit dem regelmäßigen Probealarm getestet, ob und wie gut das neue Warnsystem funktioniert: Die Kleinstadt im Kreis Esslingen ist Pilotkommune für die Netze BW Dienstleistungssparte.
Der Stromnetzbetreiber will eigenem Bekunden nach die Städte und Gemeinden im Land bei ihrer Krisenvorsorge unterstützen und hat dafür spezielle Sirenen entwickelt. „Sie sind nicht mehr so groß wie die früheren Anlagen und können unkompliziert an bestehende Straßenbeleuchtungsmasten installiert werden“, erläutert Unternehmenssprecherin Dagmar Jordan.
Ein in den Beleuchtungsmast integrierbarer Akku versorgt die Sirene mit der benötigten Energie. Dank digitaler Technik wird ein kabelloser Kontakt zur Leitstelle hergestellt. Diese kann in Sekunden die Sirenen an einzelnen Laternenmasten auslösen. „Die Sirenen sind zudem in der Lage, die Bevölkerung modular zu warnen“, erläutert Jordan. „Das bedeutet, dass sie auch Sprachnachrichten absetzen können.“ So könne man gezielt auf bestimmte Gefahren hinweisen und entsprechende Anweisungen geben. Damit die Durchsagen auch überall zu hören sind, wurde die Kommune bei der Platzierung der Sirenen beraten. Ein niedriger Straßenbeleuchtungsmast mit nur drei Metern Höhe hat beispielsweise schlechtere Voraussetzungen für die Schallausbreitung.
Sechs Sirenen für 141 000 Euro
Bereits im vergangenen Jahr wurden in Aichtal drei Sirenen an Straßenlaternen montiert, bis Ende Juli sollen sieben weitere in Betrieb genommen werden. Über diese schnelle und unkomplizierte Lösung freut sich der Bürgermeister zwar: „Wir legen großen Wert darauf, die Bevölkerung bestmöglich zu informieren und zu schützen.“ Kurz verweist aber darauf, dass sie aus der Not heraus entstanden ist: Die Stadt hatte sich im Herbst 2021 schon kurz nach Inkrafttreten des vom Bund aufgelegten Sirenen-Förderprogramms um Gelder beworben. „Wir haben sechs Sirenen beantragt, jeweils zwei pro Stadtteil“, berichtet Kurz. Drei Sirenen sollten auf Gebäudedächern errichtet werden, drei auf Masten. Die Investitionskosten dafür hätten sich auf insgesamt 141 000 Euro belaufen. Gehofft hatte Kurz auf einen Zuschuss in Höhe von 84 600 Euro – auf einen Förderbescheid wartete man in Aichtal jedoch vergebens.
Fast 90 Millionen Euro hatte der Bund zur Verfügung gestellt, um Länder und Kommunen bei der Anschaffung zu unterstützen. Für einen flächendeckenden Ausbau reichte das allerdings nicht, es konnten lediglich 5000 Sirenen bundesweit gefördert werden. Baden-Württemberg erhielt aus diesem Topf rund 11,2 Millionen Euro. Allein aus dem Landkreis Esslingen wurden 24 Förderanträge beim zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht, gerade mal eine Handvoll davon konnte die Behörde bei der Mittelverteilung berücksichtigen: Zuschüsse erhielten Filderstadt, Altbach, Wernau, Bissingen und Kohlberg. Aichtal ging wie viele andere Kreiskommunen leer aus.
Daher habe man sich entschieden, selbst aktiv zu werden, sagt der Bürgermeister. Diese Eigeninitiative zahlt sich offenbar aus: „Im Rahmen des Pilotprojekts sind der Stadt Aichtal für die Sirenen noch keine Kosten entstanden“, betont Kurz. Und: Nach erfolgreichem Abschluss des Testlaufs könne man die Sirenen für etwa 2500 Euro pro Sirenenstandort übernehmen.
Kein Wunder also, dass die Netze BW laut Jordan inzwischen mit weiteren Kommunen im Land im Gespräch steht. Neben Aichtal sind inzwischen zu Testzwecken auch drei Laternen-Sirenen in Reichenbach/Fils installiert worden, in Beuren wird bald eine Sirene montiert.