Katastrophenschutz im Kreis Göppingen Die Flut als Warnsignal

Kinder und Erwachsene schauen im Juli von einer Brücke bei Geislingen auf die stark angeschwollene Fils. Foto: Markus Sontheimer

Die Abteilung für Katastrophenschutz in Göppingen stellt sich auf ähnliche heftige Ereignisse wie die jüngste Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ein.

Göppingen - Kann eine Katastrophe wie in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auch im Landkreis Göppingen passieren? Ein Hochwasser von ungeahntem Ausmaß? Für den Abteilungsleiter Katastrophenschutz im Landratsamt, Andreas Aschbacher, ist die Antwort klar: „Die Frage für uns ist nicht ob, sondern wann. Wenn nicht morgen, dann vielleicht in 150 Jahren.“ Er sorgt dafür, dass der Kreis möglichst gut vorbereitet ist. Aschbacher weiß aber auch, dass nicht jedes denkbare Szenario durchgespielt werden kann, wie die aktuelle Lage in den Hochwassergebieten zeige: „Das stellt sich für mich als ein unvorhersehbares Ereignis dar. So etwas kommt letztlich immer unverhofft und ist auch nicht jedes Mal gleich.“

 

Wofür Aschbacher und auch der Katastrophenschutzstab des Landkreises nicht zuständig sind, sind die Voraussetzungen, die Hochwasserlagen begünstigen und wahrscheinlicher machen: Flächenversiegelung, Flussbegradigungen, durch Erosion abrutschende Hänge. „Wir müssen das als gegeben hinnehmen.“ Wenn dann etwas passiert, muss alles ganz schnell gehen. Egal, ob ein Brand mit giftigen Dämpfen oder ein Hochwasser: Die Warnung der betroffenen Bevölkerung steht ganz oben auf der To-do-Liste.

Sirenen sind wichtig

„Sirenen sind ein wichtiger Aspekt in der Fläche“, sagt Aschbacher. Doch diese Möglichkeiten der Alarmierung gibt es nicht mehr überall, meist kann damit auch nur die Feuerwehr alarmiert werden. Ein Fehler, wie sich jetzt gezeigt hat. Doch der soll offenbar korrigiert werden: „Aktuell wurde vom Bund ein Förderprogramm für Sirenen angekündigt, das richtet sich an die Kommunen“, berichtet Aschbacher.

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Wichtige Werkzeuge, um die Bevölkerung rechtzeitig zu informieren, sind laut dem Amtsleiter auch Lautsprecherwagen, Radios und die offiziellen Warn-Apps „Nina“ und Katwarn“. Wichtig sei, dass die Alarmierung auf vielen verschiedenen Füßen stehe, weil einzelne Systeme wie Rundfunk oder Internet auch ausfallen können, wie die aktuelle Hochwasserlage zeigt. „In diesem Bereich ist Redundanz wichtig“, betont Aschbacher. Auch automatisch versendete SMS, die im Katastrophenfall an alle Handys im Umkreis gesendet werden, hält er „für eine gute Sache“. Doch die gibt es in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Ländern – noch nicht.

Kontrolle von Bachrechen und Durchlässen

Ab wann eine kritische Lage genauer beobachtet wird, ist in der Hochwasser-Alarmplanung genau festgelegt: „Im Kreis gibt es den Meldepegel der Fils in Salach, 1,90 Meter ist der Frühwarnwert“, erläutert Aschbacher. Ab diesem Wasserstand verfolge die Integrierte Leitstelle den Alarmplan. In den Gemeinden werden dann je nach Bedarf erste Schritte eingeleitet, die Feuerwehren vor Ort kontrollieren dann beispielsweise Bachrechen oder Durchlässe. Als positives Beispiel, wie vor Ort schnell gehandelt wird, führt Aschbacher das Fils-Hochwasser vom 9. Juli an – das letztlich glimpflich ausging. An diesem Tag hatte die Feuerwehr im Bad Überkinger Ortsteil Hausen mit Unterstützung aus Donzdorf und Böhmenkirch ein mobiles Hochwasserschutzsystem aufgebaut, das die Gemeinde vor drei Jahren angeschafft hatte.

Satellitentelefon für den Notfall

Wichtig ist im Katastrophenfall die Kommunikation. So gibt es in der Integrierten Leitstelle zusätzliche Plätze, die im Ernstfall mit Ehrenamtlichen besetzt werden, damit möglichst viele Anrufer durchkommen. Für die Relaisstellen der Funkverbindung gibt es in allen Kommunen eigene Generatoren, damit die Stromversorgung gesichert ist. Und wenn alles zusammenbricht, besitzt das Landratsamt auch noch ein Satellitentelefon. „Damit man im Notfall auch eine Verbindung zum Beispiel nach Stuttgart herstellen kann, so weit reicht der Funk nicht“, sagt Aschbacher. Für den Katastrophenschützer gilt die Devise: „Du musst immer vorbereitet sein, auch auf Ereignisse, die seltenst eintreten.“

Zwei Stäbe koordinieren im Kreis die Bewältigung von Katastrophen

Zuständigkeit
 Im Landkreis sind zwei Stäbe im Katastrophenfall zuständig. Einer arbeitet auf der Verwaltungsebene, der andere operativ-taktisch vor Ort.

Entscheidungen
auf Verwaltungsebene werden im Katastrophenschutzstab getroffen. Muss evakuiert werden? Sind Straßensperrungen notwendig? Müssen zusätzlich größere Mengen Sandsäcke organisiert werden? Diese Dinge werden in dem Stab entschieden, dem neben Andreas Aschbacher der Landrat oder ein Beauftragter, ein Öffentlichkeitsarbeiter für die Kommunikation nach außen sowie Fachleute der entsprechenden Ämter angehören. Sie werden beispielsweise bei Umweltkatastrophen oder Tierseuchen von den zuständigen Ämtern angefragt.

Feuerwehr
Für die Einsätze vor Ort ist der Führungsstab der Feuerwehr zuständig, ihm sitzt der Kreisbrandmeister vor. Er kann auch weitere Helfer wie etwa das Technische Hilfswerk (THW) hinzuziehen.

Hilfe
 Feuerwehren aus dem Kreis haben ihre Kollegen in Rheinland-Pfalz beim Kampf gegen die Wassermassen Mitte Juli unterstützt.  

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