Kauf von Brio Ravensburger setzt auf Holzspielzeug

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Die Oberschwaben betreten mit dem Kauf des schwedischen Herstellers Brio Neuland. Bisher zählen nur Brettspiele, Puzzles sowie Kinder- und Jugendbücher zum Sortiment. Doch Ravensburger will vom Spiele- in den Spielzeugmarkt.

Aus vielen deutschen Kinderzimmern sind die kleinen Bahnen von Brio nicht wegzudenken. Nun wird auch das Unternehmen deutsch. Foto: dpa
Aus vielen deutschen Kinderzimmern sind die kleinen Bahnen von Brio nicht wegzudenken. Nun wird auch das Unternehmen deutsch. Foto: dpa

Stuttgart - Die Ravensburger AG erweitert ihr Geschäftsmodell: „Der Kauf von Brio fügt sich in unsere Strategie, im Ausland stärker zu wachsen und vom Spiele- in den Spielwarenmarkt zu expandieren“, erklärte der Vorstandschef der Oberschwaben, Karsten Schmidt, am Donnerstag in einer Mitteilung. Durch die Übernahme des schwedischen Spielwarenherstellers, der als Tochter unter das Dach der AG rückt, gibt es künftig neben Brettspielen, Puzzles, Lernspielen sowie Kinder- und Jugendbüchern auch jede Menge Holzspielzeug aus dem Hause Ravensburger. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Brio ist mit seinem Klassiker – den Holzeisenbahnen – nach den Worten des Deutschland-Geschäftsführers Erwin Müller nach wie vor der unumstrittene Platzhirsch in den deutschen Kinderzimmern. „Mit der Transaktion kommen zwei Familienunternehmen zusammen, die eine ähnliche Unternehmens- und Produktphilosophie vertreten“, heißt es weiter in der Mitteilung. Ravensburger ist 131 Jahre alt, Brio nur ein Jahr jünger. Zum Sortiment der Schweden zählen 200 Produkte aus Holz, neben den Eisenbahnen, die zwei Drittel des Angebots ausmachen, auch ein Nachzieh-Dackel, Bauklötze, Baukästen und ein Kugel-Labyrinth. Zum Unternehmen gehört auch der schwedische Brettspiel-Marktführer Alga.

Der Ur-Enkel des Ravensburger Gründers ist verantwortlich

Verantwortlich für die neue Tochtergesellschaft der Ravensburger Gruppe ist Clemens Maier, Vorstandsmitglied und Ur-Enkel des Firmengründers Carl Maier. Die Geschäfte würden allerdings weiter vom bestehenden Management am Brio-Firmensitz in Malmö aus geführt. „Brio ist eine starke Marke, die sehr gut zu Ravensburger passt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem sehr kompetenten Team“, so Maier. Brio-Chef Heikki Takanen begrüßte den Zusammenschluss der beiden bekannten Marken ebenfalls: „Wir sind erfreut, dass Brio Teil der Ravensburger Gruppe wird. Dadurch ergeben sich für uns neue, langfristige Perspektiven und weitere Wachstumsmöglichkeiten.“ Die Schweden haben 2013 mit 80 Beschäftigten einen Umsatz von 38 Millionen Euro erwirtschaftet.

Der Umsatz von Ravensburger lag im gleichen Zeitraum bei rund 360 Millionen Euro. Die Oberschwaben beschäftigen gut 1700 Mitarbeiter. Mit seinem jüngsten Zukauf, dem US-amerikanischen Spiele-Start-up Wonder Forge, hatte Ravensburger im vergangenen Jahr bereits positive Erfahrungen gemacht. Das Unternehmen entwickele sich dynamisch, hatte Maier bei der Vorstellung der Jahreszahlen im Juni gesagt. Der Anteil des US-Geschäfts am Gesamtumsatz der Sparte Spiele, Puzzles, Beschäftigung betrage bereits mehr als zehn Prozent und steige weiter. Ravensburger-Chef Schmidt hatte weitere Akquisitionen erst im November im StZ-Interview angedeutet: „Es ist ein Teil unserer Strategie, in Kategorien zu gehen, in denen wir noch nicht sind.“

Ravensburger ist die Nummer drei im deutschen Markt

Ravensburger ist nach Simba Dickie und Playmobil die Nummer drei auf dem deutschen Markt. Die gesamte Branche entwickelte sich zuletzt verhalten. Der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels rechnet für 2014 mit einem Plus von einem bis 1,5 Prozent. Ravensburger war in den vergangenen Jahren regelmäßig stärker als der Markt gewachsen.

Auch Brio steht dem Deutschland-Chef Müller zufolge wirtschaftlich gut da. Gewinnzahlen veröffentlicht das Unternehmen zwar ebenso wenig wie Ravensburger, . allerdings ist von einem profitablen Wachstum die Rede. Die Schweden waren seit 2004 mehrheitlich in der Hand des Investors Proventus, der dem Traditionsunternehmen vor etwa fünf Jahren aus einem Liquiditätsengpass geholfen hatte. Aufgrund einer fehlgeschlagenen Sortimentsplanung war es zu Absatzprobleme gekommen. Daraufhin wurde das Geschäft mit Kinderwagen und Kindersitzen abgegeben.

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