Keltersiedlungsbewohner gehen in Stuttgart-Zuffenhausen auf die Straße Mit Trillerpfeifen gegen SWSG-Abrisspläne

Von Georg Friedel 

Die SWSG hatte die Mieter der Keltersiedlung am vergangenen Montag zu einer weiteren Informationsveranstaltung in die Zehntscheuer eingeladen. Fast zeitgleich gingen rund 30 Bewohner der Quartiers mit Trillerpfeifen und Transparenten auf die Straße, um gegen die Neubaupläne zu demonstrieren.

Am Montag dieser Woche zogen rund 30 Bewohner der Keltersiedlung von der Hohenloher Straße in Richtung Zehnthof (Bild oben), um gegen den geplanten Abriss der Keltersiedlung  in Zuffenhausen zu protestieren. Foto: Georg Friedel, SWSG
Am Montag dieser Woche zogen rund 30 Bewohner der Keltersiedlung von der Hohenloher Straße in Richtung Zehnthof (Bild oben), um gegen den geplanten Abriss der Keltersiedlung in Zuffenhausen zu protestieren. Foto: Georg Friedel, SWSG

Zuffenhausen - Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) will insgesamt 108 Wohnungen der Keltersiedlung abreißen und durch 186 neue Wohnungen ersetzen (wir berichteten). Bewohner der Keltersiedlung fürchten, dass sich die Mieten in den Neubauten erhöhen und sie sich die Wohnungen hinterher nicht mehr leisten können.

Rund 30 SWSG-Mieter versammeln sich an der Ecke Hohenloher/Ingelfinger Straße

Etwa 30 SWSG-Mieter versammelten sich am Montag bereits gegen 17.30 Uhr an der Ecke Hohenloher/Ingelfinger Straße, um gegen die Abriss- und Neubaupläne der SWSG zu demonstrieren. Die Mieterinitiative Zuffenhausen hatte zu der Demonstration aufgerufen. Mit Trillerpfeifen, Transparenten und Sprechchören marschierten die Protestierenden anschließend in Richtung Kelterplatz und Zehntscheuer. Ursel Beck von den Mieterinitiativen Stuttgart griff zum Megafon: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man unsere Häuser klaut. Kein Abriss der Keltersiedlung“, forderte sie bei dem Protestmarsch. Ein von der Initiative beauftragter Architekt habe von einem Abriss abgeraten, weil es keine akuten Schäden an den Häusern gebe.

Hannes Rockenbauch, Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus im Gemeinderat beteiligte sich an dem Protestmarsch. Seine Fraktion werde die Bewohner auch weiterhin bei ihrem Protest gegen den Abriss und den Einsatz für den Erhalt ihrer Wohnungen und ihrer Heimat unterstützen, sagte er.

„Die wollen uns mit dieser Veranstaltung weich kochen und mit Butterbrezeln das Maul stopfen“, kommentierte Ursel Beck das Beratungsangebot des Wohnbauunternehmens. Als Zeichen des Protestes nahmen die Teilnehmer der Demonstration nicht an der Informationsveranstaltung in der Zehntscheuer teil.

An den Planungen der SWSG dürfte dies freilich nichts ändern. Denn bereits Mitte Juni war das Projekt bei der Präsentation im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats weitgehend auf Zustimmung gestoßen. Auch den wenige Tage später tagenden Wirtschaftsausschuss konnten die Proteste der Bewohner nicht umstimmen, dort gab es eine Entlastung des SWSG-Vorstands durch die Stadträte.

SWSG organisiert Informationsveranstaltung in der Zehntscheuer

Bei der Informationsveranstaltung in der Zehntscheuer gingen SWSG-Mitarbeiter vor rund 30 Teilnehmern nochmals auf die Details der Planungen ein. Die SWSG baue an dieser Stelle insgesamt 90 sozial geförderte Wohnungen, sagte SWSG-Vertreter Eduard Schilling, Leiter des Kundencenters Nord. Neu gebaut werde an der Schöntaler, Stuppacher, Künzelsauer und Langenburger Straße. Eine Sanierung dieses Quartiers wäre fast so teuer wie ein Neubau gekommen, erläuterte er. Es könne keine Rede davon sein, dass preiswerter Wohnraum abgerissen und vernichtet werde, wie teilweise in der Presse stand. Ab dem September 2016 werde die SWSG das Einzelgespräch mit den Bewohnern suchen. „Wir werden uns mit Ihnen unterhalten, Ihre Wohnungswünsche aufnehmen und suchen eine passende Wohnung für Sie“, erklärte Jan Böhme, Leiter des SWSG-Sozialmanagements.

Wie oft man ein Angebot ablehnen dürfe, wollte Bezirksbeirätin Susanne Bödecker (SÖS-Linke-Plus) wissen. „Wir können keinen Katalog an freien Wohnungen vorschlagen“, sagte Böhme. Aber es werde in jedem Einzelfall versucht, eine passende Wohnung zu finden. Es sei nicht möglich, mehrere Angebote parallel anzubieten. Ob auch die SWSG-Wohnungen im Roten Stich als Angebote in Frage kämen, wollte eine Anwohnerin wissen. „Grundsätzlich schon“, sagte Böhme.

Im ersten Quartal 2019 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden

Wer zurück in die Keltersiedlung wolle, habe das Recht dazu: „Sie haben ein exklusives Rückzugsrecht. Wenn Sie sich entscheiden, werden wir in den Umzug bezahlen.“ Wer in Eigenregie umziehen wolle, bekomme ein Umzugspauschale bezahlt. Hilfe gebe es auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel bei Anträgen für einen Wohnberechtigungsschein. Auch bei der Suche von barrierefreien Wohnungen helfe die SWSG. Bis Oktober 2018 soll dieser Wohnungsfindungsprozess abgeschlossen sein. Bis im Herbst 2018 soll der Bebauungsplan ausgelegt und im ersten Quartal 2019 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Auch zum Thema Miete eines Tiefgaragenplatz äußerten sich die SWSG-Vertreter. „Für die Wohnung und den Stellplatz in der Tiefgarage werden zwei getrennte Mietverträge abgeschlossen. Keiner wird gezwungen, den Stellplatz automatisch mitzuzahlen“, sagte Schilling. „Wir wollen gegenüber unseren Mietern Klarheit und Verbindlichkeit schaffen“, sagte SWSG-Prokurist Lars Hoffmann gegen Ende der Veranstaltung. Ein Bewohner der Keltersiedlung wollte die SWSG gegen die aus seiner Sicht unberechtigte Kritik der Mieterinitiative in Schutz nehmen. In anderen Städten wie Berlin würden in solchen Fällen gar keine Ersatzwohnungen angeboten. Die SWSG komme ihrer sozialen Verantwortung als städtische Wohnungsbauunternehmen durchaus nach. In der Siedlung herrsche allerdings zunehmend ein Klima des Misstrauens. „Ich finde es wichtig, dass wieder Friede einkehrt in der Keltersiedlung und nicht Zwietracht und Hass die Oberhand gewinnen“, sagte er nach der Infoveranstaltung.

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