Kendo beim SV Fellbach Die Randsportart mit Rüstung kommt gut an

Von Michael Käfer 

Japanisches Stockfechten hat beim SV Fellbach reichlich Zulauf. Als Hauptgrund dafür gilt eine Koryphäe seines Sports.

Rund 60 bis 70 Prozent der Mitglieder in der Kendo-Gruppe des SV Fellbach haben japanische Wurzeln. Foto: Michael Käfer
Rund 60 bis 70 Prozent der Mitglieder in der Kendo-Gruppe des SV Fellbach haben japanische Wurzeln. Foto: Michael Käfer

Fellbach - Wie ein kleiner Samurai steht Jamie Witzig in der Turnhalle der Wichernschule. Mit beiden Händen hält der Blondschopf im indigoblauen Anzug (Gi) sein Bambusschwert (Shinai) fest umklammert. Seine sieben Jahre machen ihn zum jüngsten Mitglied der Kendo-Gruppe des SV Fellbach. „Am Anfang war ich sehr, sehr fasziniert von der Rüstung“, sagt Jamie Witzig. Am Anfang, also im November des vergangenen Jahres, probierte sein Vater Waldemar Witzig das aus, was er schon lange einmal ausprobieren wollte: japanisches Stockfechten, fachmännisch Kendo genannt. „Ich bin einfach mit ihm mitgegangen“, sagt Jamie Witzig und zeigt auf seinen Vater.

Hiroshi Kozaki, eine Koryphäe seines Sports

Der 35-Jährige aus Wernau folgte damit einem kleinen Trend, der immer mehr Menschen in die Budoabteilung des SV Fellbach lockt. 63 Mitglieder hat deren Kendo-Gruppe inzwischen, darunter 31 Kinder und Jugendliche. Angezogen werden sie von einem Mann, der 1982 aus Japan nach Deutschland kam und als eine Koryphäe seines Sports gilt: Hiroshi Kozaki.

Im zarten Alter von zehn Jahren hat der mittlerweile 66-Jährige mit dem Kendo begonnen. Weil er seinen Eltern damals allzu zart vorkam und weil sie praktischerweise in Takamori lebten, einer Stadt am Rande der als Kendo-Hochburg bekannten japanischen Präfektur Kumamoto, lernte Hiroshi Kozaki nicht Karate, Aikido oder Judo, sondern eben Kendo. Das ist lange her, und inzwischen hat der Inhaber einer Echterdinger Töpferei den siebten Dan. Maximal wird im Kendo der achte Dan verliehen, den in Deutschland jedoch noch niemand bekommen hat.

Zum SV Fellbach kam Hiroshi Kozaki schon vor mehr als 20 Jahren. Zunächst lebte er in Urbach, wo er bis zum vergangenen Jahr die Kendoka des Judovereins Urbach anleitete. „Urbach ist für die Hauptgruppe zu weit weg“, sagt Genta Kozaki, der Sohn von Hiroshi Kozaki. Von den Fildern ist die Fahrt nach Fellbach eben deutlich kürzer als bis zum früheren Wohnort im Remstal. Außerdem unterrichtet Hiroshi Kozaki noch in Tübingen und in Stuttgart.

Die Wege zum Kendo sind höchsat unterschiedlich

Die Folge der Zentralisierung war ein starker Zulauf beim SV Fellbach. Etwa 60 bis 70 Prozent der Fellbacher Gruppe sind japanischstämmig, schätzt Genta Kozaki, der beim SV Fellbach Teamleiter Kendo ist. Die Wege, die Interessenten zu der traditionellen Kampfkunst führen, sind nach seiner Erfahrung höchst unterschiedlich. Mancher hört die aus dem Trainingsquartier schallenden Kampfschreie (Kiai), andere lassen sich durch die neueste Auflage eines Samuraifilms locken. Letztere sind jedoch nicht unbedingt allesamt darauf aus, sich im schweißtreibenden Training dauerhaft zu schinden.

Ein weiterer Grund für den Zulauf in Fellbach – und das unterschlägt der Grafikdesign-Student mit japanischer Bescheidenheit – dürfte er selbst sein. Bei den Ende September 2018 im südkoreanischen Incheon ausgetragenen Weltmeisterschaften gewann er seine Poolrunde und schied nach einem weiteren Sieg über den Australier Richard T’en erst gegen den Topfavoriten und späteren Weltmeister Sho Ando aus. Zudem engagiert sich Genta Kozaki als Landestrainer mit dem Tübinger Christian Kaden auch für den Kendo-Landesverband. Mit dessen Mannschaft belegte das Duo – vereint mit Miles Bonenberger, Alessandro Zhang, Andreas Bauer und Dawid Slowik – den dritten Platz bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften 2018.

Die Kendoka des SV Fellbach sind auf einem guten Weg. Das gilt speziell für Jamie Witzig, der längst nicht mehr nur von seiner Rüstung fasziniert ist, sondern vom Kendo-Sport an sich und vor allem von seinem Meister Hiroshi Kozaki.