Kernen Ein Schaufenster in die Vergangenheit

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Das Haus mit der alten Apotheke am St. Pierre-Platz in Stetten hat einen neuen Besitzer. Er will modernisieren. Langfristig werden dabei der Schriftzug und das Fenster mit dem Blick auf eine alte Ladeneinrichtung verschwinden.

Die  Ladenräume der alte n Apotheke sind derzeit nur als Abstellplatz genutzt. Langfristig wird das Haus modernisiert. Foto: Patricia Sigerist
Die Ladenräume der alte n Apotheke sind derzeit nur als Abstellplatz genutzt. Langfristig wird das Haus modernisiert. Foto: Patricia Sigerist

Stetten - Seit Jahrzehnten liegt sie im Dornröschenschlaf: Wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten zeigt sich die alte Stettener Apotheke am St. Pierre Platz mit dem verhängten großen Schaufenster und zwei kleineren, in denen je eine große alte Kräuterdose steht. Ob wohl noch „Flores Chamomillae“ und „Herba Urticae“ drin sind, wie es auf den Beschriftungen heißt? Falls ja, dürften die über die Jahre ziemlich wirkungslos geworden sein. Ein großes „Bayer“-Werbeschild mit der Aufschrift „Apotheke“ könnte vom Stil her aus den 1950er-Jahren stammen.

Dabei war diese Apotheke einmal etwas ganz besonderes

Wo sich viele Jahre lang der längst geschlossene Medikamentenladen trotz Umzugs der Apotheke nicht verändert hat, gibt es jetzt Neuerungen, die bald auch von außen sichtbar werden könnten. Seit wenigen Wochen hat das unter Denkmalschutz stehende Haus an dem Ende des St. Pierre-Platzes, an dem die Mühlstraße beginnt, einen neuen Besitzer. Der Fellbacher Wolfgang Schmid ist dort eingezogen. Die ehemaligen Apothekenräume nutzt er bislang als Abstellfläche. „Wir werden das Haus langfristig im Rahmen der Möglichkeiten modernisieren“, sagt er. Dann wird auch das Schaufenster verschwinden – das sei schon von der Wärmedämmung her sinnvoll, sagt der neue Hausbesitzer.

Die Zeit hat die frühere Apotheke also gewissermaßen eingeholt, der bisherige sozusagen „zeitlose“ Anblick wird irgendwann vorbei sein. Dabei war diese Apotheke einmal etwas ganz besonderes. Als sie 1729 eingerichtet wurde, gab es im Herzogtum Württemberg erst knapp 50 Apotheken, und die befanden sich eher in größeren Städten wie Bad Cannstatt, Waiblingen, Schorndorf, Murrhardt, Marbach und natürlich Stuttgart. „Dass so ein kleines Dorf eine Apotheke hatte, war ungewöhnlich und hängt sicher mit dem Stettener Schloss zusammen“, sagt die Leiterin des Museums unter der Yburg, Claudia Greiner.

Zuletzt betrieb Apotheker Walter das Geschäft

Im Jahr 1729 gehörte Stettens Schloss und Dorf bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert dem Haus Württemberg. Ortsherrin war von 1712 an die Schlossbewohnerin, Wilhelmine von Grävenitz, die berüchtigte Mätresse von Herzog Eberhard Ludwig, Daher weilte der Herzog in den Jahren nach 1712 oft in Stetten, etwa zur Kur. Für die gesundheitliche Betreuung des Gastes und seines Hofstaats bot sich an, eine Apotheke einzurichten, was Wilhelmine von Grävenitz veranlasst haben dürfte.

Zuletzt betrieb Apotheker Walter das Geschäft. Ihn zog es beruflich in den 1980er-Jahren in die neue Apotheke in der Klosterstraße. Er selbst aber wohnte noch bis zu seinem Tod über der alten Apotheke am St. Pierre-Platz, und die Hausbesitzer trugen sich anscheinend in der ganzen Zeit nie mit dem naheliegenden Gedanken, die Geschäftsräume andersweitig zu nutzen.

Kundige Menschen haben sich längst in den alten Apothekenräumen umgesehen. Außer ein paar alten Schränken gibt es dort nicht mehr viel zu sehen. „Die Räumlichkeiten und Möbel sind nicht mehr so erhalten, wie sie es im 18. Jahrhundert waren“, sagt Claudia Greiner. Die Einrichtung war wohl immer wieder modernisiert worden. Einzelteile – meist aus der Zeit des ausgehenden 19. oder vom Anfang des 20. Jahrhunderts habe der Verein für Heimat und Kultur Kernen aber schon vor längerer Zeit für das Museum gesichert. Auch Andreas Stiene, lange Jahre im Gemeinderat und bis heute im Heimatverein tätig, erinnert sich: „Ich bin einige Male mit der damaligen Hausbesitzerin Edith Schetter durch die Apotheke gegangen, und es wurde einiges vom Inventar dem Museum unter der Yburg vermacht.“ Das Fachwerkhaus steht wie das ganze umgebende Ensemble unter Denkmalschutz.




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