Kickers fehlt noch ein Punkt Im freien Lauf

Tomislav Stipic wie er leibt und lebt: emotional – und sentimental. Foto: Baumann
Tomislav Stipic wie er leibt und lebt: emotional – und sentimental. Foto: Baumann

Große Erleichterung bei den Kickers: Nach dem peinlichen Pokal-Aus in Bissingen hat die Mannschaft die richtige Antwort gegeben und in der Liga Halle mit 1:0 besiegt. Damit ist der Klassenverbleib fast sicher.

Sport: Joachim Klumpp (ump)
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Stuttgart - Mit der Coaching Zone im Fußball ist das so eine Sache. Im Abstiegskampf wirkt die Begrenzungslinie am Spielfeldrand manchmal wie ein Käfig ohne Gitter. Das verleitet so manchen Trainer, die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten. So ließ auch der Kickers-Trainer Tomislav Stipic am Samstag seinen Gefühlen mal wieder freien Lauf. Nachdem er die Woche zuvor in Mainz nach dem Schlusspfiff spontan den Linienrichter umarmte, war diesmal der eingewechselte Markus Mendler dran. Und wenn eine Litfaßsäule im Weg gestanden wäre, hätte auch die noch dran glauben müssen. Der – nennen wir ihn mal – Diego Simeone von Degerloch ist eben sehr emotional, „aber auch ein wenig sentimental“, wie er zugab.

Nach dem 1:0-Sieg gegen den Halleschen FC löste sich die Anspannung der vergangenen Wochen und Monate wie nach einem Freispruch auf der Anklagebank. Rückendeckung bekam er stets vom Präsidenten Rainer Lorz, nicht nur, weil er Jurist ist. „Ich möchte mich bei der Vereinsführung bedanken, die bedinglos hinter uns stand, das überträgt sich auf die Mannschaft“, sagte Stipic. Vom Klassenverbleib wollte er dennoch nicht sprechen („Wir haben jetzt ein gutes Polster“) – im Gegensatz zu seinem Leitwolf Klaus Gjasula. Zu wie viel Prozent der nun feststehe, wurde er gefragt: Die Antwort kam so überzeugend, wie der Neuzugang auf dem Platz agiert: „Zu hundert!“ Auch wenn offiziell noch ein Punkt aus zwei Spielen fehlt, was kleine Restzweifel birgt. „Sicher ist es erst, wenn auch rechnerisch nichts mehr passieren kann“, sagte Abwehrspieler Hendrik Starostzik.

Liga wichtiger als Pokal

Es war eine Feier mit Handbremse vor den 4270 Zuschauern im Gazi-Stadion. Doch es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn jetzt noch etwas schief geht. „In der Winterpause hätte uns niemand zugetraut, dass wir zwei Spieltage vor Schluss so gut wie gerettet sind“, sagte der Präsident. Und noch unter der Woche nährten sich die Zweifel nach dem Aus imWFV-Pokal. Doch da brach Gjasula eine Lanze für den Trainer – und für dessen umstrittene Rotation in Bissingen. „Es war wichtiger, dass wir gegen Halle fit sind.“ Zustimmung von Rainer Lorz. „Die Liga ist das A und O für uns.“

Das steht außer Frage, nicht nur weil es da 800 000 Euro Fernsehgeld garantiert gibt, während der Pokal nur mit 110 000 Euro aufwarten kann. Und psychologisch hatte die Blamage auch irgendwie ihr Positives. Während Halle in der Liga gerettet und im Landes-Pokal durch einen 7:0-Kantersieg ins Finale einzog, „wollten wir eine Trotzreaktion zeigen“, wie es Sandrino Braun ausdrückte. Das ist gelungen, auch wenn die Geschichte des Spiels schnell erzählt war. Nach dem Führungstreffer (Berko, 38.) stützte sich die Mannschaft auf ihre stabile Defensive, Torchancen waren so selten wie Bayern-Niederlagen in der Bundesliga. Lorz: „Die Mannschaft hat gesagt, sie wird liefern – und das hat sie gemacht.“

Vertragsgespräche laufen

Nicht nur am Samstag. In den entscheidenden Duellen (gegen Rostock, Wehen, Münster, den VfB II oder in Cottbus und Mainz) war auf sie Verlass. Die sportliche Serie kann sich in der Tat sehen lassen. Dass dabei spielerisch einiges auf der Strecke blieb – Schwamm drüber. Vielleicht ist das im Abstiegskampf auch zu viel verlangt. Doch der soll ja kein Dauerzustand in Degerloch bleiben. „Wir haben jetzt Planungssicherheit für die Sponsoren“, sagt Lorz.

Und im Kader? Das sind noch einige Positionen offen. Speziell in der Abwehr: bei Baumgärtel, Starostzik und Leutenecker laufen die Verträge aus – es gibt aber Gespräche. „Im Moment ist alles offen“, sagt Leutenecker. Geklärt ist zumindest der Saisonabschluss: Nach Bremen gibt es eine organisierte Fanfahrt, und zum Abschluss gegen Chemnitz „Bier bis zum Abwinken“, wie es Christian Dinkelacker ankündigte. Der ist Aufsichtsratchef – und Familienmitglied der gleichnamigen Brauerei.

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