Kinder-Uni der Stuttgarter Zeitung Dem Glück auf der Spur

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Mathe-Professor Christian Hesse ging bei der Kinder-Uni-Vorlesung dem Zufall auf den Grund. Die Kinder im Hörsaal der Universität Stuttgart lauschten ihm gebannt.

Wahrscheinlichkeits- rechnung kann ziemlich abstrakt sein. Wer den Geheimnissen des Glücks auf die Spur kommen will, muss fleißig mitgrübeln. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 6 Bilder
Wahrscheinlichkeits- rechnung kann ziemlich abstrakt sein. Wer den Geheimnissen des Glücks auf die Spur kommen will, muss fleißig mitgrübeln. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Mathematikprofessor Christian Hesse hat den Nachwuchsstudenten erklärt, dass der Zufall nicht immer so zufällig ist wie man glaubt. Im Gegenteil: Er lässt sich sogar ziemlich genau mit Hilfe von Wahrscheinlichkeiten berechnen.

Was sind Glück und Pech?

Meistens sind Glück und Pech Dinge, die uns unerwartet und völlig überraschend zustoßen. Glück ist zum Beispiel, wenn man im Urlaub am Strand badet und plötzlich den Klassenkameraden neben sich entdeckt. Der Professor Christian Hesse sagt, das Glück und Pech Zufälle sind. Aber Zufälle sind nicht immer so zufällig, wie man glaubt – sie hängen mit Wahrscheinlichkeiten zusammen, die man mit Hilfe der Mathematik berechnen kann.

Was sind Wahrscheinlichkeiten?

Wahrscheinlichkeiten geben an, wie sicher ein Ereignis eintreten kann. Eine Sieben zu würfeln ist unmöglich, weil ein Würfel nur sechs Seiten hat. Es hat also eine Wahrscheinlichkeit von Null. Ein Ereignis hingegen, dass immer passiert, bekommt in der Mathematik die Zahl Eins zugewiesen. Berechnet man Wahrscheinlichkeiten, wird man immer eine Zahl zwischen Null und Eins erhalten. Wenn man beispielsweise eine Münze wirft, kann Kopf oder Zahl kommen. Das heißt: Es gibt zwei Möglichkeiten, die immer eintreten können. Teilt man nun eins durch zwei ergibt das eine Wahrscheinlichtkeit von 0,5. In diesem Fall spricht man von einer „fifty-fifty“-Chance. Je größer die Zahl ist, die man ausrechnet, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis eintritt.

Das Experiment

Manchmal trifft man jemanden, der am selben Tag Geburtstag hat. Professor Hesse hat sogar am selben Datum wie seine Mutter Geburtstag. Er veranschaulichte mit einen Versuch, dass das gar nicht so selten ist, wie man immer glaubt. Er behauptete, dass sich durchschnittlich unter 23 Personen zwei Menschen finden, die am selben Tag Geburtstag haben. Daraufhin durften die Kinder im Vorlesungssaal der Reihe nach ihr Geburtsdatum aufsagen. In der ersten Runde fand sich nach 17 Kindern eine Übereinstimmung der Geburstage, in der zweiten Runde schon nach zwölf Kindern. Leider musste Professor Hesse dann den Versuch abbrechen. In der nächsten Runde hätte man auch erst nach 40 Kindern eine Übereinstimmung feststellen können. Wichtig ist nur, dass man einige Runden spielt und am Ende diese Zahlen, nach denen die Übereinstimmungen festgestellt wurden, addiert. Diese Zahl teilt man durch die gespielten Runden und kommt ziemlich genau auf 23 Personen.

Kann man im Lotto gewinnen?

Ein Millionengewinn im Lotto ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Aus den 49 Zahlen eines Kastens muss man sechs richtige ankreuzen. Dabei gibt es genau 13 983 816 Möglichkeiten seine Kreuze zu setzen. Die Wahrscheinlichkeit beim Lotto die sechs Richtigen zu haben liegt bei 0, 000 000 072. Zum Erinnerung: Beim Münzwurf hat man eine Wahrscheinlichkeit von 0,5 auf Kopf oder Zahl. Damit man sich das besser vorstellen kann, hat Professor Christian Hesse ein Bild gezeigt. Darauf war ein Rabe zu sehen, der über einem Fußballfeld fliegt und dabei gerade eine Beere aus der Kralle fallen lässt. Auf dem Spielfeld unten liegt eine kleine Flasche. So niedrig die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Beere der Amsel gerade in die offene Flasche fällt, genauso unwahrscheinlich ist es, im Lotto einen Millionengewinn zu ergattern.