Kinderbuch Obama träumt für seine Töchter

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Der US-Präsident schreibt eine Reminiszenz an ein Amerika voller kindlicher Hoffnung. Auf 30 bunten Seiten beschreibt er 13 amerikanische Helden.

Habe ich euch in jüngster Zeit eigentlich gesagt, wie wundervoll ihr seid?, fragt der Präsident seine Kinder jetzt schriftlich. Foto: AP 2 Bilder
"Habe ich euch in jüngster Zeit eigentlich gesagt, wie wundervoll ihr seid?", fragt der Präsident seine Kinder jetzt schriftlich. Foto: AP
Washington - Es sind unverkennbar Obamas Töchter Sasha und Malia, die auf dem Titelbild an der langen Leine dem struppigen Familienhund Bo hinterherrennen. Und wer eine Seite umblättert, erkennt Barack Obama selbst, wie er seinen Mädchen in einer der liebevoll-naiven Illustrationen der Kinderbuchmalerin Loren Long hinterher blickt. "Of thee I sing: A Letter to my Daughters", ("Von dir singe ich - Ein Brief an meine Töchter") heißt in Anspielung auf ein patriotisches Lied, das dritte Buch des Präsidenten. Doch es ist ganz anders als seine Autobiografie "Ein amerikanischer Traum" oder das politische Manifest "Hoffnung wagen". Es ist ein Kinderbuch, in dem Obama auf 30 bunten Seiten 13 amerikanische Helden in einigen wenigen poetischen Sätzen beschreibt.

"Ein Mann namens Albert Einstein hat Bilder in seinem Kopf in riesigen Fortschritt für die Wissenschaft verwandelt - er hat die Welt verändert mit Energie und Licht", heißt es da. Oder über den unvermeidlichen Martin Luther King: "Er marschierte und betete und - eins nach dem anderen - öffnete er die Herzen und sah, wie der Traum in uns geboren wurde."

Keinerlei politische Anstößigkeiten


Das Buch, dessen Konzept noch aus der Zeit vor Obamas Wahl stammt, lässt auf einmal wieder nachempfinden, welcher Traum vom amerikanischen Aufbruch sich mit diesem Präsidenten verbunden hat. Wenn es um die politische Korrektheit geht, ist die Mischung perfekt. Für alle ethnischen Gruppen ist etwas dabei, vom schwarzen Baseballspieler Jackie Robinson, über den Indianerhelden Sitting Bull bis hin zu Cesar Chavez, einem Vorkämpfer für die Rechte der Latinos. Auch die Balance zwischen Frauen und Männern ist gewahrt, wobei Obama auch eher wenig beachtete Figuren in den Blick rückt, wie die asiatischstämmige Maya Lin, die das schlichte Denkmal für die Gefallenen des Vietnamkrieges durchkämpfte. Auch dem traditionellen Patriotismus wird natürlich Tribut gezollt, mit George Washington, Abraham Lincoln - und dem Raumfahrthelden Neil Armstrong. Es ist höchst bemerkenswert, dass mit drei schwarzen Männern und Frauen diese Gruppe leicht überrepräsentiert ist. Ein diskreter Wink in Richtung von Obamas eigener Geschichte?

Doch politische Anstößigkeiten dürften selbst eifrigste Gegner nicht finden. Der Präsident rezitiert den amerikanischen Traum im Stil einer Meditation mit seinen Töchtern. "Habe ich euch in jüngster Zeit eigentlich gesagt, wie wundervoll ihr seid?", fragt er. "Habe ich euch gesagt, dass ihr kreativ seid?" "Habe ich euch gesagt, dass ihr klug seid?" Das ist viel gefühlvoller als Obamas Image und gipfelt zum Finale in einer Doppelseite, auf der sich die Künstlerin Loren Long in Gestalt von 56 Kindern alle Mühe gibt, die ganze Vielfalt Amerikas einzufangen. In der Mitte steht ein kleiner Junge, der schüchtern ein Buch an sich klammert und irgendwie an Obama selbst erinnert.

Das Buch, dessen Erlös an einen Fonds zur Unterstützung der Kinder gefallener oder schwer behinderter Soldaten geht, wäre ohne die schönen Bilder selbst für Fans des Präsidenten allerdings inhaltlich etwas dünn. Erst im Anhang erfahren die Leser ein paar Sätze mehr über die Personen, die vorgestellt werden. Fast wirkt es, als habe Obama eine Bringschuld an seinen Verleger abgetragen. Schließlich ist das Kinderbuch Teil eines Pakets von drei Büchern - zu dem die Autobiografie "Ein amerikanischer Traum" noch nicht zählte. Es hat der Familie Obama dank eines bereits 2004 einfädelten Vertrags einen Vorschuss von 1,9 Millionen Dollar eingebracht, mit dem sie ihr Haus in Chicago finanzieren konnten. Für den Verleger war das dennoch ein gutes Geschäft. Die beiden politischen Bücher Obamas haben sich bis heute mehr als 6,6 Millionen Mal verkauft. Auch das Kinderbuch wird sicher ein Renner im Weihnachtsgeschäft. Für Buch Nummer drei hat Obama übrigens, wie er sicher hofft, noch lange Bedenkzeit. Es ist erst nach dem Ende seiner Präsidentschaft fällig.

Barack Obama: Of thee I sing: A Letter to my Daughters. Alfred A. Knopf Verlag. 40 Seiten, etwa 12 Euro.