Böblingen - Die Abkürzung RSV steht, das wissen mittlerweile vor allem viele Eltern, für Respiratorisches-Synzytial-Virus und damit für eine schwere Atemwegserkrankung. Zwar können auch Erwachsene sich das Virus einfangen. Besonders schwere Verläufe, die dann mit Krankenhausaufenthalten einhergehen, treten aber vor allem bei den Allerjüngsten auf – bei Frühgeborenen, Säuglingen und Kleinkindern bis vier Jahren.
Normalerweise treten RSV-Erkrankungen erst nach Weihnachten auf. In diesem Jahr hat RSV aber besonders früh und dazu besonders heftig zugeschlagen: Bereits im August wurden die ersten Kinder mit RSV in Kliniken der Region eingewiesen. Seither hat sich eine gewaltige Krankheitswelle aufgebaut, die Ärzte und Pflegepersonal in der Region an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht hat. Noch immer gibt es in den Kinderkliniken ähnliche Engpässe, wie man sie wegen der Betreuung von Corona-Patienten auf den Normalstationen der Krankenhäuser kennt.
Für eine konkrete Prognose ist es zu früh
Der Winter ist aber noch lang – und deshalb wagt auch niemand eine konkrete Prognose. Aber in den Kliniken der Region gibt es zumindest ein wenig Hoffnung, dass zumindest in Sachen RSV die schlimmste Zeit des Jahres nun – wenn auch sehr langsam – zu Ende geht. „Waren es in der Hochphase zum Teil 15 bis 20 Kinder, die bei uns täglich stationär behandelt wurden, sind wir zur Zeit bei rund sechs bis zehn Patienten“, sagt Ingo Matheus, der Sprecher des für die Kreise Böblingen und Calw zuständigen Klinikverbunds Südwest.
Allerdings, so fügt Matheus hinzu: „Aufgrund diverser anderer Atemwegserkrankungen ist unsere Kinderklinik dennoch weiterhin stark ausgelastet.“ Auch die Zahl dieser Erkrankungen würde in den kommenden Wochen erfahrungsgemäß weiter zunehmen. In der Regel müssten aber aktuell keine Kinder mehr in andere Häuser verlegt werden. Geschafft habe man das aber nur, indem man die Kapazität in der Kinderklinik von 80 auf 88 Betten erhöht habe.
Atemwegsinfekte sind auf hohem Niveau
Auch im Olgahospital des Klinikums Stuttgart ist die Lage weiterhin angespannt. „Nach einem steilen und jahreszeitlich außerordentlich frühen Anstieg an Patienten mit schwerem Verlauf einer RSV-Infektion sehen wir jetzt nur langsam einen Rückgang der RSV-Zahlen – jedoch bleibt die Zahl der Atemwegsinfekte auf hohem Niveau“, erklärt der Kliniksprecher Stefan Möbius. Momentan lägen vier Kinder mit RSV auf der Kinderintensivstation.
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Noch nicht ganz so deutlich ist der Trend im Klinikum Esslingen und auch im RHK-Klinikum in Ludwigsburg. Zwar lasse sich in beiden Häusern ein leichter Rückgang feststellen, In Esslingen aber habe man gerade ein Kind aus der Notaufnahme in eine andere Klinik verlegen müssen, weil alle Betten belegt waren.
Corona spielt noch eine untergeordnete Rolle
Im Verhältnis zu den anderen Krankheitsbildern spielt Corona in den Kinderkliniken, zumindest was schwere Verläufe angeht, nach wie vor eine kleine Rolle. Allerdings wachse die Zahl der in Stuttgart aufgenommenen jungen Patienten ständig, erzählt Stefan Möbius. Dabei kämen aber viele Patienten mit und nicht wegen einer Corona-Erkrankung in die Klinik. In Böblingen wiederum werden wöchentlich zwei bis vier Kinder mit Corona-Symptomen behandelt. Vor kurzem habe es erstmals in der vierten Welle einen Fall gegeben,bei dem man den durch eine Vorerkrankung geschwächten Patienten habe beatmen müssen.
Das Virus gefährdet besonders Säuglinge und Kleinkinder
Krankheit
Bei dem Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RSV, handelt es sich um eine tückische Infektion. Mit dieser Atemwegserkrankung können sich zwar auch Erwachsene infizieren, doch schwere Verläufe gibt es vor allem bei Frühgeborenen, bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum vierten Lebensjahr.
Klinikum Stuttgart
Das Klinikum Stuttgart beherbergt das größte Kinderkrankenhaus in Deutschland. Jedes Jahr werden hier rund 16 000 Patienten behandelt.
Entwicklung
Erfreulich ist, dass es aktuell zumindest bei RSV zu einer leichten Entspannung gekommen ist. Allerdings müssen auch die Kinderkliniken planbare Operationen verschieben, um die Infektionswelle mit schweren Erkrankungen bewältigen zu können.