Kinderspielstadt in Hedelfingen Leben wie zu Zeiten der Römer

Von Mathias Kuhn 

Rund 90 Kinder begeben sich zurzeit im Bußbachtal auf Zeitreise: Sie sind Teil des gallischen Dorfes Akitanien und erleben Berufe, die vor 2000 Jahren wichtig fürs Dorfleben waren.

Anju, Severino, Alexander und Lean (von links) in Akitaniens Schmiede. Foto:  
Anju, Severino, Alexander und Lean (von links) in Akitaniens Schmiede. Foto:  

Hedelfingen - Im Bußbachtal, unweit des Zusammenflusses mit dem Dürrbach, gibt es in den Sommerferien ein kleines gallisches Dorf, Akitanien. Jedes Jahr von der ersten Ferienwoche an können sich Sechs- bis 14-Jährige auf eine Zeitreise begeben. Rund 90 Kinder und zwei Dutzend ehrenamtliche Erwachsene werden in das Jahr 118 nach Christus zurückversetzt. Der römische Kaiser Hadrian regiert, sein Arm reicht zwar nicht bis nach Hedelfingen und Rohracker, aber die kleine Kommune am Dürrbach lebt wie die damaligen Römer. „Wir sind wie ein damaliges Dorf aufgebaut“, sagt Aki-Dürrbachtal-Leiterin Christiane Uhlke. Statt Euro und Cent sind Sesterzen, Dupondie und Asse die einzig gültige Währung. Jedes einzelne Geldstück wird in einem Ledersäckchen aufbewahrt. Schließlich musste es hart erarbeitet werden. Insgesamt gibt es 17 Berufe in Akitanien. Der junge Alexander Maiwald hatte sich gestern für einen besonders heißen Job entschieden. Er half dem Schmiedemeister Severino. Mit dem Blasebalg fachte er das Feuer an, mit dem der Schmied Nägel und Metallstifte zum Glühen brachte. Danach durften Alexanders Kollegen am Amboss mit dem Hammer ran. „Wir haben schon einen Meißel und ein Messer gefertigt“, erzählt Alexander. Aufträge erhält die Schmiede meist von anderen Betrieben in Akitanien. In der Nachbarschaft hat sich beispielsweise erstmals eine Kupferschmiede angesiedelt. Dort wird fleißig gedengelt und teilweise gefärbt. „Wir treiben Schalen aus dem Kupfermaterial“, erzählt Werkstattmeister Lean. Die Schmuckstücke finden reißenden Absatz. Es ist nicht das einzige Kunsthandwerk, das die Aki-Besucher im Alltag des 21. Jahrhunderts nur selten so hautnah erleben können.

Auf Spenden angewiesen

Mit Feuereifer sitzen einige junge Akitanierinnen in Alice Schnaithmanns Flecht-Werkstatt und biegen Weidenbänder. Kunstvoll entstehen auf diese einfache Weise Körbe, ein Wurfspiel oder ein Schiff. Schnaithmann ist eine von rund zwei Dutzend Ehrenamtlichen, ohne die das Mammutprojekt nicht durchführbar wäre. Denn die zehntägige Kinderspielstadt wird rein durch Spenden finanziert. „Natürlich erhalten wir als Aktivspielplatz einen städtischen Zuschuss, aber ohne die finanzielle und sonstige Hilfe von außen, müsste Aktitanien aufgeben. Viele Betriebe spenden Material, wir bekommen Körbe voll Obst, Eltern nehmen über Nacht die Umhänge und Handtücher zum Waschen und Trocknen mit und sie werfen noch Geld in die Spendenkasse.“ Denn auch das Mittagessen in Akitanien muss finanziert werden. Gestern gab’s ein römisch-schwäbisches Essen: Spätzle mit Linsen. Wer am Nachmittag dann noch Hunger oder Durst bekam, musste einen Teil seiner schwer verdienten Sesterzen einsetzen. In der Taverne gibt’s verschieden belegte Flammkuchen aus dem selbst gebauten Holzofen, ein Speckbrot oder wie wär’s mit „Arme Ritter“ aus der gusseisernen Pfanne und über offenen Feuer erhitzt? Dazu ein Zaubertrank von Druidin Anna – so lässt es sich als Gallier in der Römerzeit gut leben.

Sonderthemen